Ärger mit Nokia-Displays, Siemens-Tastaturen und verschlissenen Akkus. Mehr als 2 000 Leser berichteten von mehr oder weniger erfolgreichen Reparaturversuchen der Handyanbieter.
Falls Sie mal ein richtig robustes Handy zusammenbauen wollen, nehmen Sie folgende Einzelteile: Akku von Sony Ericsson, Tastatur von Motorola, Display und Software von Alcatel. Das sollte halten. Planen Sie kein Display von Nokia ein. Mag der Marktführer auch weiterhin Dementis in die Welt setzen („Zahl der defekten Displays reicht für eine Rückrufaktion nicht aus“) – ein Problem mit der Qualität seiner Anzeigen hat er dennoch. Auch Siemens-Tastaturen sind ungünstig. Siemens tauscht die defekten Teile nach den Erfahrungen unserer Leser zwar schnell und zur Zufriedenheit aus, aber warum ist der Service überhaupt notwendig? Ebenfalls eine problematische Wahl sind Akkus von Motorola und die Mobiltelefon-Software von Sony Ericsson.
Ein Baukastensystem für Handys gibt es noch nicht. Aber Hoffnung. Die vielen schmerzhaften Erlebnisse, von denen uns die Teilnehmer der test-Befragung im Internet berichteten, lassen eine recht genaue Analyse der Fehlerquellen zu.
Nokia, Siemens: Häufigste Defekte
Die mit Abstand häufigsten Defekte wurden an Nokia- und Siemens-Handys gemeldet. Diese Zahlen müssen aber im Zusammenhang mit der Marktbedeutung gesehen werden. Nokia und Siemens haben weit mehr Mobiltelefone verkauft als die ebenfalls genannten Hersteller Motorola, Alcatel und Sony Ericsson. Angaben zu recht neuen, wenn auch innovativen Anbietern wie Samsung wurden zu selten gemacht, um verlässliche Aussagen treffen zu können. Sie tauchen hier deshalb nicht auf.
Wir haben nach Handys gefragt, die innerhalb der letzten 24 Monate einen Defekt hatten. Das durchschnittliche Alter der Mobiltelefone lag bei 18 Monaten. Die meisten älteren Modelle kamen von Alcatel (Durchschnitt 22 Monate), gefolgt von Motorola (20 Monate), Nokia (18 Monate), Siemens (17 Monate) und Sony Ericsson (15 Monate). In der Ausfallstatistik einzelner Handymodelle liegt das Nokia 6210 mit den häufigsten Nennungen deutlich vorn (30 Prozent). Allein mit der Marktbedeutung ist das aber kaum zu erklären. Das mit 13 Prozent Nennungen folgende Nokia 3310 wurde auch viel verkauft, hat aber deutlich weniger Probleme. Auffällig: Das Nokia 6210 schaltet sich im Vergleich zur Konkurrenz im Durchschnitt etwa 2,5- mal so häufig ohne Grund ab, auch beim Empfang gab es oft Komplikationen.
Interessant ist auch der Unterschied zu den fast baugleichen und natürlich jüngeren Nachfolgern Nokia 6310 und 6310i: Hier meldeten nur 6 beziehungsweise 5 Prozent der Nokia-Nutzer einen Defekt. Das auffälligste Handy bei Siemens ist das S35i: Es kam auf 18 Prozent der Siemens-Fehlermeldungen. Die Leser kritisierten bei diesem Modell den schwächelnden Akku und die sonst selten auftretenden Probleme mit der Sim-Karte.
Generelles Problem: Akku
Die Funktionsfehler der Handys sind breit gestreut. Im Durchschnitt am häufigsten traten Probleme mit Akkus und Displays auf. 17 Prozent aller Teilnehmer beklagen Akkuprobleme. Jeder zweite Betroffene berichtet, dass der Akku nicht mehr die volle Leistung erreicht. Weitere Meldungen waren „Akku warnt zu spät, wenn leer“, „Ladevorgang funktioniert nicht“ oder „Wackelkontakt beim Laden“.
Beachten Sie: Akkus sind Verschleißteile und sollten bei guter Pflege mindestens zwei Jahre halten. Tipp: Laden Sie den Speicher nicht nach kurzem Gebrauch und schon gar nicht täglich auf, sondern nur wenn er fast leer ist. Darüber hinaus sollten Akkus nicht zu warm oder zu kalt werden. Einige Male genannt, aber kein Defekt: Der Akku entlädt sich bei ausgeschaltetem Handy. Dieser Effekt ist in Grenzen „normal“. Im Unterschied zu Batterien entlädt sich ein Akku selbst, je nach Modell ist er nach wenigen Wochen leer. Wurde das Handy längere Zeit nicht benutzt, muss es an die „Tankstelle“ – je älter der Akku, desto eher.
Fehlanzeigen: Display und Tastatur
Typische Displayfehler waren unter anderem Totalausfall oder nur zeitweiser Ausfall, seltsame, unverständliche oder nicht lesbare Zeichen auf der Anzeige, Flecken oder leere Stellen, Risse oder Kratzer sowie Empfindlichkeit bei Erschütterungen. Fast jeder zweite Handybesitzer mit Displayproblemen beklagt den zumindest zeitweisen Ausfall der Anzeige – bei Nokia-Nutzern sind es 54 Prozent. Absoluter Spitzenreiter: Sieben (!) von zehn aller Nokia 8210-Besitzer, die an der Befragung teilgenommen haben, meldeten ein fehlerhaftes Display.
Der Umgang des Handymarktführers mit diesem Problem kann nur als kundenunfreundlich bezeichnet werden. Bereits am 22. April 2002 berichtete test ausführlich über sehr häufige Displayausfälle. Interessanterweise teilte uns das Unternehmen damals mit, dass die Zahl der Fehler nicht für eine Rückrufaktion ausreiche. Vorsicht, Kunde!
Bei defekten Tastaturen hat Siemens die unangenehme Führungsposition. Vor allem die Tastaturen der weitgehend baugleichen Modelle S45 und S45i sind etwa viermal anfälliger als die anderer Mobilfunktelefone. Typische Probleme: Tasten reagieren schlecht oder klemmen, sind schnell abgenutzt oder lassen sich gar nicht mehr bedienen wie zum Beispiel der Ein-/Ausschaltknopf. Sehr aussagekräftig ist aber der Umgang der beiden großen Handyhersteller mit den genannten Problemen. Nokia spielt die Displayprobleme zum Ärger vieler Kunden herunter und verhält sich weniger kulant als Siemens. Nur etwa 9 Prozent der Teilnehmer mit defekten Nokia-Displays bekamen ein Austauschhandy. Dagegen berichten 61 Prozent der Teilnehmer mit einer kaputten Siemens-Anzeige, dass sie umgehend ein Austauschhandy erhielten. Noch deutlicher werden die Zahlen beim „Siemens“-Problem Tastatur: Acht von zehn Befragten mit entsprechenden Nutzerproblemen tauschten ihr defektes Handy gegen ein funktionierendes Modell ein.
Das kommt an: Im direkten Vergleich sind Besitzer von Siemens-Mobiltelefonen etwas zufriedener mit ihrem Handy als Besitzer von Nokia-Modellen.
Manchmal lästig: Software
Ein in der Zukunft sicher wachsendes Problem ist die Software. Mobiltelefone werden immer mehr zu tragbaren Minicomputern, von denen sehr viel mehr verlangt wird als simples Telefonieren. Sie sollen Termine speichern und koordinieren, Musik oder Videos abspielen, Fotos aufnehmen, Daten aus dem Internet laden oder Multimedia-Mails versenden. Der Teufel steckt im Detail: Manche Handys hängen sich bei der Nutzung einer bestimmten Unterfunktion ständig auf, verunstalten gespeicherte Namen und Adressen, nähern sich in ihren diversen Macken immer mehr den „großen“ PC-Brüdern an. Neun Prozent der Umfrage-Teilnehmer gaben Softwareprobleme an. Viele Kunden bekommen von der Hersteller-Hotline den Tipp: „Das ist ein Softwarefehler, lassen Sie beim Service neue Software aufspielen.“ Doch oft genug beseitigt die neue Programmversion nicht den eigentlichen Mangel.
Problemlösung: Ein Irrgarten
Was mache ich mit einem defekten oder störanfälligen Handy? Manch ein Kunde wird von Handy-Anbieter zu Funknetzbetreiber und von dort wieder zum Handy-Anbieter geschickt – keiner fühlt sich zuständig. Der beste Weg führt zurück in den Laden, in dem das Mobiltelefon gekauft wurde. Doch insgesamt sind die Erfahrungen der Nutzer unbefriedigend: Im Durchschnitt waren zwei Besuche im Shop notwendig, Reparaturen dauerten zum Teil länger als zwei Monate, nur wenige Kunden erhielten für diese Zeit ein Ersatzhandy. Besonders übel: Bei jedem dritten Befragten ist das Problem bis heute nicht gelöst!
Schwere Fälle
Nach Erfahrungen unserer Leser haben folgende Nokia- und Siemenshandys auffallende individuelle Schwächen:
Nokia 8210: Fast unschlagbarer Spitzenreiter bei defekten Displays. 73 Prozent aller teilnehmenden Nokia 8210-Besitzer meldeten entsprechende Probleme.
Nokia 3310: Beliebtes und vielverkauftes Alltagshandy mit Schwächen beim Akku.
Nokia 6210: Businesshandy, das sich gern von allein abschaltet und durch Empfangsstörungen auffällt.
Siemens ME 45: Businesshandy mit Defiziten bei Software und Empfang.
Siemens S35i: Businesshandy mit häufigen Akkuproblemen und fünffach über dem Durchschnitt liegenden Funktionsstörungen bei der Sim-Karte.
Siemens S45 und S45i: Bauähnliche Businesshandys mit sehr deutlichen Tastaturschwächen.
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