14.05.2010

Haarshampoos: Gut von 23 Cent bis 4,88 Euro

Haarshampoos Test

Strapaziertes Haar braucht be­sonders sanfte und intensive Pflege. Dove, L’Oréal Professionnel, Cien von Lidl und Wella Professionals können das insgesamt am besten.

Dauerwellen, Haare färben, bleichen, heiß föhnen, Sonnenbäder, Salz- oder Chlorwasser – auch der gesündeste Schopf übersteht all das auf Dauer nicht ohne Schaden. Irgendwann revoltieren die Haare gegen die Strapazen: Sie werden trocken, glanzlos und struppig. Der Kamm verhakt sich und das Haar lässt sich nicht wie gewünscht frisieren, sondern „fliegt“ dem Kamm hinterher.

Haarshampoos Test

Ganz deutlich ist das unterm Mikroskop zu erkennen: Die Schuppenschicht des Haares liegt nicht mehr glatt am Haarschaft an wie bei gesundem Haar. Die Schüppchen spreizen sich – je nach Grad der Schädigung – immer weiter ab. Schlimmstenfalls bricht das Haar sogar (siehe Foto). Dann hilft nur noch die Schere beziehungsweise ein guter Friseur.

Drogerie, Bioladen, Apotheke, Friseur

So weit sollte es möglichst niemand kommen lassen. Eine Vielzahl spezieller Shampoos verspricht Hilfe für strapaziertes Haar. Wir haben sie getestet, überwiegend Shampoos aus Drogerien, aber auch aus dem Bioladen und der Apotheke sowie dem Friseurfachhandel. Die Mehrzahl der getesteten 18 Shampoos löst die Probleme insgesamt „gut“, wobei Dove Intensive Pflege Therapy, L’Oréal Professionnel expert série und Lidl/Cien Provitamin in den Pflegeeigenschaften noch einen Tick besser sind als ihre Konkurrenten im Test. Alle geben dem Haar die notwendigen Pflegestoffe, ohne sie damit zu sehr zu beschweren.

Wunder darf der Anwender aber von keinem dieser Haarwaschmittel erwarten, auch wenn sie oft Bezeichnungen wie „Anti-Haarbruch“ oder „Repair-Shampoo“ im Namen tragen. Alle können das Haar nur oberflächlich „reparieren“, nicht tief im Innern. Bestenfalls gleichen sie die Strukturunterschiede durch gute Pflegeeigenschaften vorübergehend etwas aus.

„Gute“ schon für wenig Geld

Ein „gutes“ Shampoo muss nicht teuer sein. So ist das Shampoo Cien Provitamin von Lidl schon für 23 Cent pro 100 Milliliter zu haben, genauso das fast ebenso „gute“ AS Haircare Repair von Schlecker. Die vor allem beim Friseur erhältlichen „Profishampoos“ Wella Professi­o­nals lifetex oder L’Oréal Professionnel expert série kosten schnell das Zehnfache und mehr: bis zu 4,72 Euro pro 100 Milliliter. Die Qualitätsunterschiede nehmen sich dagegen winzig aus.

25 ließen sich den Kopf waschen

Für den Test ließen sich pro Shampoo 25 Prüfperso­nen den Kopf waschen – im Halbseitentest. Dabei scheiteln die prüfenden Friseure das Haar in der Mitte und tragen ein Shampoo links auf, das andere rechts. Die Kombinationen wechseln für jeden Probanden immer wieder. So haben die Friseure während der gesamten Haarbehandlung optimale Vergleichsmöglichkeiten.

Glanz in der Lichtbox begutachtet

Vom Verteilen des Shampoos im Haar, von der Schaumentwicklung und dem Ausspülen bis zum Zustand des Haares nach dem Waschen hielten die Experten alle Eigenschaften der Shampoos in detaillierten Fragebögen fest. Im Anschluss wurde alles statistisch ausgewertet.

Zusätzliche Laborprüfungen lieferten weitere Daten. So begutachteten Haarspezialisten den Glanz der Haare in einer Lichtbox. Und die Kämmbarkeit des Haares prüften die Tester mit einer Zugprüfmaschine. Die misst den Widerstand, mit dem sich das Haar durchkämmen lässt (siehe Foto).

Mit Logona nur schwer zu kämmen

Das Shampoo Balea der Drogeriekette dm und das Naturkosmetik-Shampoo Logona pflegen die Haare am wenigsten. Vom Entwirren der Haare bis zur statischen Aufladung, dem „Fliegen“, kamen sie in den einzelnen Prüfpunkten kaum über die Note „befriedigend“ hinaus.

Und beim Kämmen erwiesen sich die mit Balea gewaschenen Haare als so widerspenstig, dass es für das dm-Shampoo nur zu „ausreichend“ langte. Logona war sogar „mangelhaft“. Da blieb nur das Urteil „ausreichend“ für die Pflegeeigenschaften und damit auch für das test-Qualitätsurteil.

Vorsicht vor Keimen

Bei ihren Naturkosmetik-Shampoos haben die Hersteller von Logona und Lavera auf synthetische Konservierungsstoffe verzichtet. Diese Stoffe sind zwar sehr wirksam, sie bekommen aber nicht jeder Haut. Der Verzicht darauf macht die Shampoos anfälliger für Keimbefall. Das zeigte sich auch in unserem Test.

Frisch geöffnet verzeichneten die Tester bei Logona und Lavera keine bedenkliche Keimzahl. Das änderte sich aber mit dem Konservierungs-Belastungstest. Dabei tragen die Tester bewusst Keime in die Shampoos ein. Bei einem sorgfältig konservierten Produkt sterben die meisten Krankheitserreger innerhalb einer bestimmten Zeit ab. Das schaffte Lavera nur in „ausreichendem“ und Logona nur in „befriedigendem“ Maße. Wer diese Shampoos täglich nutzt, sollte sie also mit mehr Sorgfalt behandeln als es bei konventionellen, konservierten Shampoos erforderlich wäre.

Tipp: Lassen Sie die Flaschen nie lange in der Sonne stehen und verschließen Sie sie nach jeder Benutzung sorgfältig wieder, damit sich keine Keime einnisten können.

Wichtige Infos für Allergiker

Welche Inhaltsstoffe auch immer in den Shampooflaschen stecken, im Test zeigte sich keinerlei unerwünschte Reaktion an Haut oder Haar der Prüfpersonen. Dennoch kann es im Einzelfall allergische Reaktionen geben, zum Beispiel auf Konservierungs-, Parfüm- oder Farbstoffe.

Tipp: Die eingesetzten Substanzen finden Sie in der Tabelle. Sie hilft Allergikern, für sie problematische Stoffe zu meiden.

Shampoo allein reicht nicht immer

Wer stark strapaziertes, splissiges oder gar brüchiges Haar hat, wird allein mit einem Shampoo nicht allzu weit kommen. Ein Haarwaschmittel kann nur der erste Baustein im Pflegeprogramm sein. Schließlich wird es nach kurzer Zeit wieder ausgespült.

Wer sein Haar intensiver pflegen möchte, hat mit einer speziellen Haarkur bessere Aussichten auf Erfolg. Die Wirkstoffe sind reichhaltiger dosiert und verbleiben oft auch länger auf dem Haar.

Tipp: Auch alte Hausmittel können manchmal Wunder wirken. Mischen Sie ein Eidotter mit einigen Tropfen Öl – das kann normales Salatöl sein – und verteilen Sie die Packung auf dem Haar. Lassen Sie sie etwa 20 Minuten einwirken. Wickeln Sie dabei ein Frottierhandtuch um den Kopf, damit sich Wärme entwickelt. Dann kann die Pflegekur besser einziehen. Und im Anschluss alles wieder gründlich ausspülen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Testtabelle: Shampoo für strapaziertes Haar 5/2010

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