29.03.2005

Haarentfernung: Für immer weg?

Haarentfernung Meldung
Blitzlampe: Kühlendes Gel schützt die Haut vor Verbrennungen.

Nicht jede Methode, die es verspricht, entfernt störende Härchen endgültig. Was hilft?

Nach jahrelangem Herumprobieren mit den unterschiedlichsten Verfahren bin ich nun doch wieder bei der guten alten Pinzette gelandet.“ So beschreibt eine test-Leserin ihre Erfah­run­gen mit den gängigen Enthaarungsmethoden, also mit Laser, Blitzlampe und Na­del­epilation. Mit ihrem Frust ist sie nicht allein. Auch andere Leserinnen, die auf unsere Umfrage im Novemberheft antworteten, suchen nach einem Weg, der sie endgültig von störenden Härchen – beson­ders im Gesicht – befreit.

Alle waren bereit, viel Geld für ein glattes, haarfreies Gesicht auszugeben. Denn die Krankenkassen zahlen höchstens in Einzelfällen, zum Beispiel bei Transsexualität oder bei Hirsutismus (übermäßiger Haarwuchs). Etwa jede sechste Frau hat über der Oberlippe mehr oder weniger verstärkten Haarwuchs, oft auch noch im Kinnbereich. Viele empfinden das als psychisch stark belastend und suchen nach Wegen, sich ein für allemal von diesem Kummer zu befreien. Oft landen sie dann – angezogen von entsprechenden Werbeslogans – in Arztpraxen, Kosmetikstudios oder bei Friseuren, die mithilfe von Strom oder Licht „permanente“ Haarentfernung versprechen.

Nadelepilation: Wirksam

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Laser: Eine Schutzbrille muss sein – bei jeder Enthaarung, die mit Licht arbeitet.

Bei diesem Verfahren, auch Elektroepilation genannt, wird eine hauchdünne, sterile Nadel möglichst weit in den Haarkanal (Follikel) eingeführt und dann kurz unter Strom gesetzt. Das soll die Haarwurzel für immer zerstören. Die Elektroepilation ist zeitaufwendig, da jedes einzelne Haar „gestochen“ werden muss. Sie kann auch schmerzhaft sein. Rötungen oder vorübergehende Schwellungen gehören zu den „normalen“ Nebenwirkungen. Andererseits ist die Nadelepilation das einzige Verfahren, das Haare wirklich dauerhaft, also für immer entfernen kann. Und zwar jedes Haar, egal ob dunkel oder hell. Auch gebräunte Haut ist – anders als beim Laser – problemlos zu behandeln.

Ein Problem gibt es allerdings: das handwerkliche Geschick und die Erfahrung der behandelnden „Fachkraft“, auch Elektrologistin genannt. Denn – anders als zum Beispiel in den USA – kann in Deutschland jeder mit der Arbeit am Kunden beginnen, wenn er denn ein Epilationsgerät besitzt. Eine geregelte Ausbildung wird bislang nicht verlangt. Doch in ungeübter Hand kann die Nadelepilation zur Tortur werden. Abgesehen von Schmerzen bei der Behandlung und einer geringen Erfolgsquote, kann „das Opfer“ anschließend wie ein Streuselkuchen aussehen. Entzündungen und bleibende Narben sind mögliche Folgen.

Doch wie findet man eine Fachkraft? Am besten ist es, auf die Erfahrungen bereits Epilierter zu hören. Auch der Fachverband Elektrologie kann weiterhelfen. Eine kenntnisreiche Elektrologistin wird jedenfalls nie gleich drauflos „pieksen“, sondern erst einmal ein intensives Beratungsgespräch inklusive Testbehandlung anbieten.

Wer sich für die Nadelepilation entscheidet, zahlt pro Stunde zwischen 60 und 120 Euro, wobei erfahrene Kräfte – abhängig auch vom zu epilierenden Körperteil – mehrere Hundert Haare pro Stunde entfernen können. Eine Sitzung reicht aber nicht. Mit drei oder vier Behandlungen, manchmal auch mehr, ist zu rechnen. Haare lassen sich nämlich generell nur in der Wachstumsphase dauerhaft entfernen. Außerdem müssen sie bereits aus dem Haarkanal herausgewachsen und auf der Haut sichtbar sein. Diese Einschränkung gilt übrigens auch für die anderen Methoden, die zur permanenten Haarentfernung angeboten werden, also für die Photoepilation mit Laser oder Blitzlampe. Es sind nie alle störenden Haare auf einmal endgültig zu entfernen.

Laserstrahl: Nur bei dunklen Haaren

Mit dem Laser dauert es je nach Hauttyp, Art und Menge der zu entfernenden Haare etwa vier bis acht Sitzungen im Abstand von rund vier Wochen, um der gewünschten Haarfreiheit näher zu kommen. Da mehrere Haare auf einmal „angegriffen“ werden, geht es schneller als mit der Nadel: Pro Behandlung sind für ein Damenbärtchen nur wenige Minuten erforderlich. Die kosten zwischen 50 und 120 Euro. Schließlich müssen sich die teuren Lasergeräte amortisieren.

Zur Haarentfernung werden zum Beispiel Alexandrit-, Dioden- oder Rubinlaser eingesetzt. Sie arbeiten alle nach dem gleichen Prinzip: Sie senden Licht einer speziellen Wellenlänge aus, dessen Energie die Keimzellen der Haarwurzeln zerstören soll. Die Haut wird zusätzlich gekühlt, um sie zu schonen.

Doch die Methode hat Grenzen. Seriöse Laserspezialisten werden sie nicht verheimlichen. Denn oft wird die Haarentfernung per Laser als „permanent“ oder „dauerhaft“ angepriesen, obwohl es vorkommen kann, dass die Haare doch nicht für immer wegbleiben. So sieht die Deutsche Dermatologische Lasergesellschaft es zwar als gesichert an, dass viele Lasersysteme das Haarwachstum verlangsamen. Hinsichtlich der endgültigen Enthaarung liegen aber noch keine definitiven Ergebnisse vor. Langzeitstudien stehen noch aus.

Erfolgreich und hautschonend kann nur bei dunklen Haaren und heller Haut gelasert werden. Bei blonden, weißen und grauen Haaren versagt der Laser. Auf gebräunter Haut kann es zu Verbrennungen kommen. Deshalb ist während der gesamten Behandlungszeit auf Sonnenbäder zu verzichten.

Die Laserenthaarung ist im Allgemeinen wenig schmerzhaft. Die Nebenwirkungen halten sich – einen fachkundigen Behandler vorausgesetzt – in Grenzen: Leichte Rötungen oder Schwellungen vergehen schnell wieder. Schätzt er Haut und Laserenergie jedoch nicht richtig ein, kann es zu Verbrennungen oder lang anhaltenden Pigmentverschiebungen kommen. Auch hier ist also die Qualifikation des Therapeuten entscheidend. Und auch hier gibt es bislang keinen gesetzlich geregelten Ausbildungsgang. Jeder Friseur, jede Kosmetikerin kann sich nach einem entsprechenden Wochenendkurs als Laserspezialist der enthaarungswilligen Kundschaft annehmen. Die Strahlenschutzkommission des Bundesumweltministeriums sieht das mit Bedenken und fordert „gesetzliche Regelungen, die sicherstellen, dass die Laseranwendung auf die menschliche Haut ausschließlich unter Aufsicht von speziell dafür ausgebildeten Ärzten durchgeführt wird“.

Seriöse Anbieter werden auf jeden Fall in einem Vorgespräch die Chancen und Risiken der Laserbehandlung genau darlegen und zusätzlich eine Testbehandlung durchführen, um die Reaktion der Haut einschätzen zu können.

Blitzlampen: Licht plus Filter

Das trifft auch auf die Behandlung mit Blitzlampen (IPL-Methode) zu. Die Geräte – zum Beispiel „Plasmalite“, „Photosilk“ oder „Epilight“ – ähneln rein äußerlich dem Laser, arbeiten aber nicht wie er mit einer festen Wellenlänge, sondern mit einem Breitbandspektrum an Licht. Mit unterschiedlichen Filtern lassen sich die Geräte auf verschiedene Haar- und Hauttypen einstellen.

Einige Anbieter moderner Blitzlampen behaupten, dass diese Technik besonders effektiv sei und weniger Nebenwirkungen verursache – wissenschaftlich bewiesen ist das bislang aber nicht. Auch die Dauer des Therapieerfolgs kann noch nicht beurteilt werden, da Ergebnisse von Langzeitstudien ausstehen.

Die Behandlung mit einer Blitzlampe muss ebenfalls mehrmals durchgeführt werden und kostet etwa genauso viel wie die mit dem Laser: 50 bis 120 Euro.

Eine neue Creme: Eine neue Hoffnung

Die verschreibungspflichtige Creme Vaniqa (Wirkstoff Eflornithin) kann die Haarprobleme mancher Frau zumindest lindern. Sie soll das Haarwachstum durch eine Enzymhemmung innerhalb von zwei Monaten deutlich verlangsamen. Es sprechen jedoch nur etwa zwei Drittel der Patientinnen auf das Mittel an. Und es muss täglich zweimal gecremt werden. Sonst kommen die Haare innerhalb von acht Wochen wieder. Die 30-Gramm-Tube kostet stolze 55 Euro.

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