21.11.2002

Haar- und Bartschneider: Halbe Sache

Haar- und Bartschneider Test

Wer seine Frisur gut in Fasson bringen möchte, kaufe sich einen Bartschneider. So lautet das überraschende Ergebnis des Tests.

Mit einem Haarschneider sollte sich die Haarpracht schnell und stufenfrei zügeln lassen. Ein Bartschneider trimmt die Gesichtshaare bequem auf die gewünschte Länge. Und Kombigeräte sollten sich für beides gleich gut eignen. Das klingt einleuchtend. Aber so einfach war die Welt nicht mehr, nachdem 15 Testpersonen zwei Kombigeräte zum Haar- und Bartschneiden, sechs Haarschneider und sechs Bartschneider geduldig und haarscharf unter die Lupe genommen hatten.

Bewertet haben wir bei den Kombi­geräten die Prüfergebnisse sowohl im Bart- als auch Haarschneiden. Beide Disziplinen wurden auch bei den „Spezialisten“ geprüft, doch im test-Qualitätsurteil haben wir nur berücksichtigt, was die Geräte auch wirklich können sollen: Haarschneider Haare schneiden, Bartschneider Bärte trimmen. In der Tabelle stehen deshalb die jeweils unbewerteten Ergebnisse in Klammern.

Paradoxes Resultat: Wer einen guten Haarschneider sucht, greife zum Bartschneider. Remington MB 40 Precision Ceramic, Panasonic ER 230 und Braun Exact Power EP 100 sind „Gut“ im Haarschneiden und (fast) ideale Handwerkszeuge für den Heimfigaro. Dabei hat das Remington-Gerät wegen seiner guten Schneidleistungen und der unkomplizierten Handhabung die Nase vorn.

Wer vor allem Wert auf den gepflegten Bart legt, sollte tatsächlich zu einem Bartschneider greifen und kommt am Philips HQ T 788 nicht vorbei: Als einziges Gerät im Test erreichte es in der Disziplin Bartschneiden ein „Gut“, überzeugte die Tester in der Handhabung und brachte es auf das einzige „Gut“ im test-Qualitätsurteil. Er ist allerdings mit 77 Euro auch der zweitteuerste Bartschneider.

Kombis enttäuschten

Haar- und Bartschneider Test
Mit viel Zubehör in einer unhandlichen Schatulle bietet Remington seinen Haarschneider HC 353 Precision Ceramic an.

Die Kombigeräte im Test, die eigentlich in beiden Disziplinen gute Leistungen bringen müssten, kamen in Einzel- und auch bei den test-Qualitätsurteilen nicht über ein „Befriedigend“ hinaus. Vor allem beim Haarschneiden zeigten die „Alleskönner“ von Quelle und Carrera leichte Schwächen. Die Tester kritisierten besonders das Hantieren mit den verschiedenen Distanzkämmen.

Empfindlich reagierten viele von ihnen nicht nur bei diesen Kombimodellen, sondern auch bei anderen Geräten, sobald sie ohne Distanzkamm hantierten: Es ziepte, und kleine Schnitte in die Haut blieben nicht aus. Mit aufsteckbaren oder verschiebbaren Distanzkämmen wird der Abstand zwischen Schneisystem und Haut reguliert, also die gewünschte Haarlänge eingestellt.

Beim Quelle-Gerät vermissten die Tester die mittleren Schnittlängen, etwa 9 und 12 Millimeter, und fanden das Aufsetzen der losen Kämme umständlich. Bei aufgesetzten Kämmen ist die eingestellte Längenposition nicht mehr zu erkennen. Das Carrera-Modell, mit 10,50 Euro billigstes Gerät im Test, enttäuschte die Prüfer vor allem durch sein lautes Geräusch. Auch hier wurde das Fehlen größerer Schnittstufen für längeres Haar moniert, ebenso die umständliche Handhabung beim Wechseln der Kämme. Lobenswert: Der auswechselbare Akku des Quelle-Geräts ist ein Nickel-Metall-Hydrid-Speicher (NiMH). Er belastet bei der Entsorgung die Umwelt weniger als Nickel-Kadmium-Akkus. Die finden sich in fast allen anderen Geräten und sind nicht auswechselbar. Braun verwendet fest eingebaute NiMH-Akkus.

Die beiden besten Geräte im Test sind die Bartschneider Philips HQ T 788 und Remington MB 40. An deren Handha­bung hatten die Prüfer nicht viel auszusetzen. Die Schnitttiefe beginnt bei ihnen schon bei 1,5 Millimetern. Doch generell wäre für das Ausrasieren an Hals- oder Wangenpartien eine Schnitttiefe von Null erforderlich. Also braucht man als drittes Gerät einen Rasierer, um gepflegt durch den Alltag zu spazieren. Aber es kann doch nicht im Sinne der Erfinder sein, für den schlichten Vorgang des Abschneidens von Haaren solch einen Gerätepark anschaffen zu müssen – oder vielleicht doch?

Einer mit besonderem Auftritt

Einen besonderen Auftritt leistet sich Remington bei dem Haarschneider HC 353 „Precision Ceramic“ mit einem Ungetüm von Schatulle, einem Brotkasten nicht unähnlich, aber hakelig zu öffnen und zu schließen. Der chromglänzende Safe beherbergt neben dem Gerät und einem Ladeadapter Kämme, Klipse, Frisierkamm, Schere, Nackenbürste und sogar einen Frisierumhang. Aber der Besitzer des mit 65 Euro teuersten Haarschneiders im Test wird beim Gebrauch keine allzu große Freude erleben: Er hat eines der Schlusslichter unter den Haarschneidern erwischt. Dieses Urteil konnten auch die Keramikschneiden nicht mildern, die laut Remingtons Werbung „schärfer als Stahl“ sind. Jedoch muss das Schneidsystem dieses Haarschneiders nicht geölt werden, eine Erleichterung im alltäglichen Gebrauch, die man sich bei den meisten anderen Geräten auch wünschen würde.

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