24.04.2003

Grillgeräte: Grillen ohne Grollen

Grillgeräte Test

Eingefleischte Grillfreunde schwören auf offenes Holzkohlefeuer. Unromantische setzen eher auf Elektrogrills. Beide Gerätearten und zusätzlich noch Gasgrills haben wir getestet. Ergebnis: „Gute“ Qualität hängt nicht vom Brennstoff ab.

Mehr als 500 Grillgeräte im Februar vor dem Brandenburger Tor – nicht der Wettergott hatte die Berliner ins Freie gelockt, sondern Thomas Gottschalk. Der Showmaster von „Wetten dass ...?“ rief und alle kramten vorzeitig ihre Gartengrills hervor. Denn bei der Stadtwette gings um die Wurst. Der Gerätevielfalt vor dem Tor waren keine Grenzen gesetzt. Rundgrill stand neben Säulengrill, Grillfass neben Kugelgrill, primitiver Einweggrill neben pompösem Grillwagen. Doch welcher brutzelte nun am besten?

Diese heiße Frage blieb damals offen. Rechtzeitig vor der Grillsaison beantworten wir sie. Für den Test montierten die Prüfer alle möglichen Gerätevarianten: neun Holzkohlegrills, drei Gas- und sieben Elektrogrills. Beim Testgrillen (auch mit Würstchen) entdeckten sie manchen Mangel – oft brenzlig genug, um auf einem feuchtfröhlichen Grillfest für Aufregung zu sorgen.

Vorsicht: Grill kippt

Ein besonderes Ärgernis sind jene Grills, die umkippen, wenn man gegen sie stößt. Bei einer lebhaften Grillparty kann das schnell mal passieren. Fünf Grills bekamen deshalb nur ein „Ausreichend“ im Prüfpunkt Sicherheit: Der Rundgrill von Landmann und der Elektrogrill von Germatic kippten. Beim Sheriff-Grill von Landmann und Peiga waren es die abknickenden Standbeine. Der Tefal fiel vom Gestell, weil er nur lose aufgelegt war. Er lässt sich auch als Tischgrill nutzen.

Bei der Montage fielen den Testern lange Schrauben bei den meisten Holzkohlegrills auf. Ärgerlich für den Benutzer: An den weit vorstehenden Schraubenenden kann er sich aufschrammen.

Schwerer wiegen jedoch die Mängel des Gas-Grillwagens von Landmann mit der Baugleichheit von Peiga, für 169 Euro am oberen Ende unserer Preisskala zu finden. Oft schlug die Gasflamme ins Rohr zurück und brannte dort. Die Zündung entsprach nicht der Norm. Statt vieler gleich großer Gasflämmchen flackerte es an den beiden Brennern – mal klein, mal groß, mal überhaupt nicht. Als Einziger erhielt er das test-Qualitätsurteil „mangelhaft“.

Wer grillt, braucht Geduld – schon bei der Montage. Eine ruhige Hand und eine Portion Ausdauer sind zum Beispiel erforderlich, um aus 31 Grill- und 91 Kleinteilen den Landmann Grillwagen zusammenzuschrauben. Beim Gas-Grillwagen derselben Firma und von Peiga sind es immerhin noch 81 Einzelteile, beim Camping Gaz Expert sogar 120.

Auch das Aufheizen des Grills kostet Zeit. Bis drei Viertel der Holzkohle mit einer dünnen, weißen Ascheschicht überzogen sind, vergehen maximal 50 bis 55 Minuten (Landmann Schwenkgrill und Grillset und alle baugleichen Grills). Holzkohlebriketts brauchen etwas länger zum Anglühen, halten aber die Temperatur besser. Steht plötzlich Besuch vor der Tür, ist der Grillmeister mit dem Grillfass von Landmann und Peiga gut bedient. Schon nach 20 Minuten hat die Kohle die richtige Temperatur – Zeit, die Würstchen auf den kleinen Rost zu legen.

Viel schneller sind Gas- und Elektrogrills. Aufheizzeit im Test: zwischen 5 und 15 Minuten. Sie haben noch den Vorteil, dass kein Brennstoff nachgefüllt werden muss. Auch die Gasflasche reicht meist für mehrere Grillpartys. Wahre Romantiker stört aber, dass sie bei Gas und Strom auf glühende und knisternde Holzkohlestückchen verzichten müssen.

Bis zu 330 Grad Grilltemperatur

Enorme Unterschiede auch bei der Länge der Grillzeit und der Grilltemperatur. Wer seine hungrigen Gäste über längere Zeit mit Gegrilltem beköstigen will, sollte einen Gas- oder Elektrogrill kaufen. Sie halten die nötige Temperatur am längsten, die Elektrischen solange sie in der Steckdose sind.

Sehr kurz ist der Grillspaß beim Landmann Grillset 0600 und seinen Baugleichheiten. Schon nach 20 Minuten reicht die Temperatur zum Grillen nicht mehr aus. Nachfüllen von Holzkohle geht nicht bei diesem Einweggrill. Also muss eine neue Grillschale angeheizt werden. Bis dann die nächste Grillportion auf den Rost kann, vergehen 50 Minuten. Die maximalen Grilltemperaturen lagen je nach Holzkohlegrill zwischen 170 (beim Grillset von Landmann, Peiga und SIA) und 330 Grad Celsius (beim Weber).

Die größten Temperaturdifferenzen auf der Grillfläche stellten sich mit bis zu 230 Grad Unterschied bei den Gasgrills ein (Landmann und Peiga Gas-Grill-Wagen). Über Gaszufuhr beziehungsweise Luftzufuhr bei den meisten Holzkohlegrills lässt sich die Temperatur regeln.

Die getesteten Elektrogrills hatten fast alle einen Temperaturregler, nur der Siemens war lediglich mit einem Ein-/Ausschalter ausgestattet. Dieser fehlte wiederum bei den übrigen: Völliges Ausschalten der Geräte war nur durch Ziehen des Netzsteckers möglich.

Indirekt grillen

Freunde des indirekten Grillens mit Holzkohle kommen mit dem Grillwagen und dem Gussgrill (beide von Landmann und Peiga) auf ihre Kosten. Indirekt heißt, dass die Glut nicht offen unter dem Grillgut liegt. Das Glutbett steht hier senkrecht daneben.

Die Elektrogrills sind fast alle so kons­truiert, dass kein Fett direkt auf die elektrischen Heizstäbe tropfen kann. Zwei Ausnahmen: Germatic und Siemens mit offenen Heizelementen unter dem Rost.

Problemlos reinigen

Die Roste der Holzkohlegrills sind recht problemlos herauszunehmen und zu reinigen. Auch der Aschekasten ist schnell geleert. Beim Einweggrill entfällt das Reinigen ganz. Die Aluschale mit den Ascheresten wird komplett entsorgt.

Die Gas- und Elektrogrills müssen mehr oder weniger umständlich auseinander gebaut werden, um die Fettauffangwannen zu säubern. Germatic, Severin und Steba habe keine gesonderte Auffangwanne, die man zum Reinigen aus dem Gehäuse nehmen kann. Nachteil: Das Geräteunterteil muss umgekippt werden, um das Wasser auszugießen. Das Wasser unter der Heizschlange soll den Qualm verringern und ein Überhitzen des Geräts verhindern.

Praktischer Tipp der Anbieter: Einzelne Teile des Grilladero und der Elektrogrills von Petra electric, Siemens und Steba können einfach in die Spülmaschine gesteckt werden. Allerdings sind sie meist so sperrig, dass sie einen Spülkorb komplett belegen. Das andere Extrem fanden wir dagegen beim Rommelsbacher: Seine Grillplatte darf nicht einmal ins Wasser getaucht werden.

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