Griechenland zahlt jetzt eine ihrer Anleihen vollständig zurück, zu 100 Prozent. Es ist eine 435 Millionen Euro umfassende Schuldverschreibung nach internationalem Recht. Der Schuldenschnitt im März bezog sich nur auf Anleihen, die nach griechischem Recht begeben wurden. Hier mussten Anleger insgesamt 107 Milliarden in den Wind schreiben. Von der Umschuldung betroffen waren auch zahlreiche private Anleger. Dagegen profitieren von der vollständigen Rückzahlung vor allem Hedgefonds.
Schuldenschnitt nur bei Bereitschaft zu Verzicht
Bei den nach griechischem Recht ausgegebenen Anleihen hatte das griechische Parlament die Umschuldung beschlossen. Allerdings konnten die Griechen das nur tun, weil sich ausreichend viele Gläubiger bereit erklärt hatten, auf Teile ihres Geldes zu verzichten. Zahlreiche Banken und Versicherungen, darunter auch die Deutsche Bank und die Allianz, waren mit von der Partie und ermöglichten es Griechenland somit, sich zumindest teilweise von dem erdrückenden Schuldenberg zu befreien.
Hedgefonds kauften zu Kursen unter 70 Prozent
Auch die Gläubiger der jetzt fälligen Anleihe hätten diesen Schritt mitgehen und den notleidenden Griechen helfen können. Dazu hätten zwei Drittel der Gläubiger dieser Anleihe dem Schuldenschnitt zustimmen müssen. Medienberichten zufolge hatten einige Hedgefonds jedoch eigens so viele Anleihen zusammengekauft, teilweise zu Kursen von unter 70 Prozent, um eine entsprechende rückwirkende Änderung der Anleihebedingungen zu verhindern. Diese Fonds machen jetzt den großen Reibach auf dem Rücken der griechischen Bevölkerung und der europäischen Steuerzahler. Die Frankfurter Allgemeine erwähnt insbesondere den Hedgefonds Elliot Advisors. Er habe schon mehrfach Kapital aus Umschuldungen von Pleitestaaten geschlagen.
Folgen noch nicht absehbar
Griechenland hätte sich auch einfach weigern können, die Anleihe zu bezahlen. Das wollten die Verantwortlichen angesichts der politischen Turbulenzen im Land ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht tun. Zwar haben die Griechen betont, dass die Rückzahlung dieser Anleihe nicht bedeute, dass auch die anderen nach internationalem Recht ausgegebenen Anleihen bezahlt würden. Insgesamt stehen noch Anleihen im Wert von rund 6 Milliarden aus. Beobachter befürchten allerdings, dass Investoren, die bei der Umschuldung mitgemacht hatten, nun klagen könnten.
Anlegerschützer wollen klagen
- Die Anlegerschutzvereinigung SdK hatte bereits vorige Woche angekündigt zu klagen – noch vor Bekanntgabe der vollständigen Rückzahlung der 435-Millionen-Anleihe. Eine Klage wird die SdK beim obersten Verwaltungsgerichtshof des Landes einreichen. Sie richte sich gegen den Beschluss der griechischen Regierung, den Privatsektor in die Umschuldung einzubeziehen, heißt es in der Mitteilung der SdK vom 11. Mai. Eine weitere Klage betreffe unter anderem Schadenersatzansprüche im Zusammenhang „mit der zwangsweisen Ausbuchung und eigenmächtigen Einbuchung griechischer Schuldverschreibungen“ durch die Banken.
- Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) prüft eine Klage derzeit noch. „Die DSW wird etwas tun, das steht fest“, sagt Sprecher Jürgen Kurz gegenüber test.de. Es sei nur noch nicht klar, welcher Weg der erfolgversprechendste sei. Juristisch handele es sich um Neuland, weil die Umschuldung ja „freiwillig“ gewesen sei, sagt Kurz. Anlegern mit Griechenlandanleihen empfiehlt er, die Papiere sicherheitshalber im Depot zu lassen, bis Rechtslage und Gerichtsstand geklärt seien. Wer möchte, kann sich unter www.dsw-info.de registrieren, um auf dem laufenden zu bleiben.
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