06.12.2012

Griechen­land-Anleihen: Anleger können Rück­kauf zum Ausstieg nutzen

Griechenland-Anleihen Meldung

Griechen­land kauft eigene Anleihen zurück. Privat­anleger können bei der Aktion zwar in den wenigsten Fällen mitmachen, doch profitieren können sie trotzdem: Auch an der Börse steigen die Kurse der grie­chischen Anleihen. Das ist die Chance für einen Ausstieg.

Was der Rück­kauf bringt

Anfang der Woche hat die grie­chische Regierung die Bedingungen für den Anleihenrück­kauf veröffent­licht. Sie zahlt je Anleihe zwischen 30 und 40 Prozent des Nenn­betrags. Griechen­land kann durch den Rück­kauf unter dem Nenn­wert seine Schulden auf einen Schlag deutlich verringern. Würde die Anleihe bis zur Fälligkeit laufen, müsste das Land 100 Prozent je Anleihe zurück­zahlen. Das Rück­kaufangebot gilt bis Freitag, 07.12.1012. Wer mitmachen will, muss sich daher sputen.

Die meisten Privat­anleger bleiben draußen

Für Privat­anleger hat das Angebot allerdings einen Haken. Der Umtausch funk­tioniert nur bei einem Anla­gebetrag von mindestens 1000 Euro – pro Anleihe. Seit der Umschuldung im Früh­jahr, als die Griechen eine alte in rund zwei Dutzend neue Anleihen tauschten, haben die meisten Anleger jedoch nur noch kleine Stückelungen im Depot. Teil­weise haben sie je Anleihe nur zwei­stel­lige Beträge angelegt.

Verkauf über die Börse

Das Rück­kaufangebot hat Spekulanten auf den Plan gerufen. Wer sich noch recht­zeitig mit Anleihen zum nied­rigeren Kurs einge­deckt hat, kann einfach Geld verdienen. An der Börse näherte sich der Kurs der Papiere schnell dem Preis­angebot für den Rück­kauf an. Private Anleger können sich das zunutze machen und ihre Anleihen an der Börse verkaufen. Zwar verlieren sie dadurch erneut Geld. Schon beim Schulden­schnitt im März 2012 blieb umge­rechnet nur knapp die Hälfte ihrer ursprüng­lichen Anlage übrig. Jetzt müssten sie erneut rund zwei Drittel abschreiben. Doch ein Ende mit Schre­cken ist manchmal besser als ein Schre­cken ohne Ende. Die Kurse der grie­chischen Anleihen waren im Sommer noch erheblich nied­riger. Anfang Juni notierten die Papiere teil­weise deutlich unter 15 Prozent vom Nenn­wert.

Tipp: Achten Sie auf die Kosten, die Ihnen beim Verkauf Ihrer Papiere an der Börse entstehen. Gerade bei kleinen Orders schlagen die Mindest­gebühren über­proportional zu Buche. Einige Direkt­banken haben bereits beim Umtausch im Früh­jahr Betroffenen angeboten, Mini­bestände kostenlos loszuwerden. Comdirect zum Beispiel verlangt für Orders unter 100 Euro keine Provision. Anleger, die an der Rück­kaufaktion mitmachen können, sind ebenfalls kostenlos dabei. Auch bei der DAB Bank gibt es die Möglich­keit, kleine Stückelungen kostenfrei zu verkaufen – allerdings nicht über die Börse, sondern außerbörs­lich. Auch bei anderen Banken können Anleger eventuell Sonder­konditionen bekommen. Wer seine Anleihen loswerden will, sollte einfach mal bei seinem Berater nach­fragen.

Weitere Ansprüche womöglich verwirkt

Die Deutsche Schutz­ver­einigung für Wert­papier­besitz (DSW) weist darauf hin, dass Anleger, die ihre Anleihen jetzt zurück­geben oder an der Börse verkaufen, damit möglicher­weise Entschädigungs­ansprüche verlieren. Erste Schadenersatzklagen gegen Griechenland laufen schon. Der jetzige Verkauf könnte als nach­trägliche Zustimmung zur Umschuldung gedeutet werden. „Wer aussteigt, egal auf welchem Weg, gibt möglicher­weise die Klageberechtigung aus der Hand“, sagt DSW-Haupt­geschäfts­führer Marc Tüngler.

Tipp: Wägen Sie gut ab, ob Ihnen der Spatz in der Hand nicht lieber ist als die Taube auf dem Dach. Ein Rechts­streit kann einige Zeit dauern, und ob am Ende selbst bei einem Urteil gegen Griechen­land mehr Geld heraus­springt, ist offen. Abge­sehen davon könnte auch eine fehler­hafte Anla­geberatung vorliegen. Anleger, die dagegen vorgehen wollen, verlieren möglicher­weise ihre Ansprüche nicht, wenn sie jetzt verkaufen.

Einen ausführ­lichen Krisencheck verschiedener Anlageformen finden Sie im Special Eurokrise: Anlageformen im Check.

Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.

Kommentare (0)

weitere Kommentare anzeigen

Alle Kommentare anzeigen

Schreiben Sie bitte einen Kommentar

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice