23.10.2003

Gewährleistung: Die Tricks der Händler

Gewährleistung Meldung

Einige Händler versuchen mit Tricks, sich vor der neuen zweijährigen Gewährleistung zu drücken. Fakt ist: Für Reklamationen sind weder Bon noch Originalverpackung erforderlich.

Umtausch, Garantie? „Machen wir – aber nur mit Kassenbon“, heißt es in vielen Geschäften. Einige wollen sogar die Originalverpackung sehen. Da fühlen Kunden sich abgewimmelt: Den Bon haben sie zwar, aber er ist nicht mehr lesbar.

In den Verbraucherzentralen häufen sich Beschwerden darüber, dass Geschäfte den Kassenzettel auf Thermopapier ausdrucken. Die Schrift verblasst schon nach wenigen Wochen, nach einigen Monaten ist sie völlig verschwunden. Wenn der neue Fernseher dann den Geist aufgibt, zeigt sich mancher Händler stur: „Ohne Bon keine Gewährleistung.“ Doch damit ist er auf dem Holzweg. Das Gesetz verbietet es, die Gewährleistung zu beschränken. Sie darf nicht an Bon oder Originalverpackung als Voraussetzung geknüpft werden. Unter Juristen gilt der Kassenbeleg lediglich als Beweiserleichterung: Wer einen kaputten Fernseher zurückbringt und den Bon vorlegt, kann nicht so einfach mit der Begründung abgewimmelt werden: „Den haben Sie ja gar nicht bei uns gekauft.“ Es ist praktisch, diesen Beleg zu haben – notwendig ist er nicht.

Tipp: Wer Ärger vermeiden will, kopiert den Kassenbon gleich nach dem Kauf und bewahrt Kopie nebst Bon zusammen auf. Oder er lässt sich auf einer Quittung den Kauf gesondert bestätigen. Das erleichtert später die Beweisführung.

Möglichkeiten zum Nachweis

Gewährleistung Meldung
Niemand muss Kartons aufbewahren, um sein Recht durchzusetzen.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, den Kauf nachzuweisen. So kann ein Zeuge beim Einkaufen dabei gewesen sein und den Kauf bestätigen – der Ehepartner oder die eigenen Kinder. Als glaubwürdiger gelten aber in der Regel Zeugen, die nicht verwandt oder verschwägert sind. Eine weitere Beweismöglichkeit sind Kontoauszüge: Hat der Kunde mit Maestro-Karte, Kredit- oder Kundenkarte bezahlt, wurde die Rechnung vom Konto abgebucht.

Was für den Bon gilt, gilt für die Originalverpackung erst recht. Sie dient cleveren Verkäufern als Joker, um sich vor berechtigten Ansprüchen ihrer Kunden zu drücken. Das Gesetz zwingt niemanden, zwei Jahre lang Berge von Kartons zu stapeln, um sie eventuell im Fall einer Reklamation vorlegen zu können.

Mitunter scheinen einzelne Händler das Unwissen ihrer Kunden regelrecht auszunutzen. Typische Versuche, die Gewährleistung zu beschneiden:

Verschleißteile: Auch für Verschleißteile darf die Gewährleistung nicht pauschal ausgeschlossen werden nach dem Motto: „Zwei Jahre Gewähr für die Uhr, nicht aber fürs Armband“. Ausgenommen ist lediglich die übliche Abnutzung. Ein Autoreifen beispielsweise kann schon nach einem Jahr und 60 000 Kilometern verschlissen sein, sodass Gewährleistungsansprüche ausscheiden.

Sonderangebot: Auch für reduzierte Ware gilt die volle Gewährleistung.

Zweite Wahl: Nur für Fehler, die dem Kunden beim Kauf genannt werden, ist ein Gewährleistungsausschluss möglich. Bei anderen Mängeln gelten die vollen zwei Jahre. Beispiel: Wird eine Holzbank wegen eines Kratzers im Preis reduziert, muss der Händler einstehen, wenn sie nach eineinhalb Jahren aus dem Leim geht.

Gebrauchte Ware: Manche Händler deklarieren Neuware kurzerhand als gebraucht. Dann dürfen sie die Gewährleistung auf ein Jahr verkürzen. Dieser Trick greift aber nicht, wenn Preis und Zustand der Ware wie bei einem neuen Produkt sind. Handelt es sich tatsächlich um gebrauchte Sachen, muss der Händler ausdrücklich auf die verkürzte Frist hinweisen, sonst gelten zwei Jahre.

Hersteller: „Da müssen Sie den Fernseher an den Hersteller schicken“, wimmeln einige Händler den Kunden ab. So gehts nicht: Innerhalb der zweijährigen Gewährleistungsfrist darf sich der Kunde an den Verkäufer halten.

Transport: „Bringen Sie uns das Sofa vorbei“, bekam test-Leser Georg Klasmann zu hören, als er aufgeplatzte Nähte reklamierte. Das braucht er aber nicht, denn sämtliche Kosten, die mit der Nacherfüllung verbunden sind, trägt der Händler. Er muss das Sofa beim Kunden abholen. Das gilt generell – auch für Kleingeräte, obwohl es sich in der Praxis eingebürgert hat, dass der Kunde die mangelhafte Ware gleich mitbringt.

Autohandel: Smarte Händler schreiben in den Kaufvertrag „nur für Bastler“ oder „zum Ausschlachten“. Dann dürfen sie die Gewähr komplett ausschließen. Entspricht das jedoch nicht dem Preis und dem tatsächlichen Zustand des Wagens, spielen die Gerichte nicht mit. Ähnlich sieht es aus, wenn ein Unternehmer den Firmenwagen zunächst an seine Ehefrau verkauft, die ihn dann privat anbietet.

Soll der Kunde einen dieser Ausschlüsse unterschreiben, kann er das ruhig tun: Die Klauseln sind unwirksam, Unterschrift hin oder her. Achtung: Anders ist das beim Verkauf durch Privatleute. Sie dürfen die Gewährleistung komplett ausschließen. Tun sie es nicht, gelten die vollen zwei Jahre. Denken Sie daran, wenn Sie etwas auf dem Flohmarkt, per Inserat oder Internetauktion verkaufen.

Bei Gebrauchtwaren bedeuten die zwei Jahre Gewähr aber nicht, dass die Sachen auch zwei Jahre fehlerfrei funktionieren. Alte Sachen sind eben nicht neu. Deshalb gelten übliche Mängel nicht als Fehler, die dem Alter und gängigen Nutzungsgrad der Ware entsprechen. Wenn bei einer zehn Jahre alten Waschmaschine kurz nach dem Kauf die Steuerelektronik ausfällt, ist das nicht unüblich und daher kein Gewährleistungsfall. Der Verkäufer muss aber über bestehende Mängel oder eine ungewöhnlich hohe Abnutzung informieren.

Garantien sind etwas anderes

Diese Regeln gelten für die gesetzliche Gewährleistung – also für den Fall, dass die Ware nicht in Ordnung ist. Etwas anderes sind Garantien, die viele Hersteller – nicht Händler – darüber hinaus geben. Oft verwechseln Kunden Gewährleistung und Garantie: Gewährleistung ist zwingende gesetzliche Pflicht, Garantie eine Kulanzvereinbarung. Etwa eine Verlängerung der Frist auf drei Jahre. Oder ein Umtauschrecht: „Geld-zurück-Garantie, ohne Wenn und Aber“, heißt es zum Beispiel bei Lidl. Wo das so steht und keine Frist genannt wird, dürfte solch ein Versprechen mindestens zwei Wochen gelten.

An eine freiwillige Garantie darf der Hersteller Bedingungen knüpfen, etwa dass er kein Geld erstattet, sondern einen Gutschein ausstellt. Oder dass der Kunde die Ware bei Reklamation auf eigene Kosten verschicken muss. Diese Bedingungen müssen aber schon beim Kauf genannt werden. Soll der Kunde den Bon mitbringen, muss der Verkäufer darauf hinweisen oder einen Hinweis im Laden aushängen oder in die Garantieerklärung schreiben. Und selbst dann streiten Juristen, ob der Bon wirklich verlangt werden darf.

Mitunter heißt es in der Werbung plakativ: „Zwei Jahre Herstellergarantie.“ Zum Beispiel: „2-jährige Sachmängelhaftung ohne Kilometerbegrenzung.“ Das klingt nach einer besonderen Leistung – obwohl es nichts anderes ist als das, was das Gesetz ohnehin vorschreibt. Gegen solche scheinheiligen Versprechen will der Verbraucherzentrale Bundesverband jetzt juristisch vorgehen.

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