17.02.2004

Gesetzliche Rentenversicherung: Rätsel Rente

Gesetzliche Rentenversicherung Meldung

1 496 Seiten hat das Sozialgesetzbuch VI, das die gesetzliche Rentenversicherung regelt. Unsere Leseraktion zur Rente hat gezeigt, dass es vielen Versicherten schwer fällt, in der Masse der Bestimmungen auf ihre Fragen Antworten zu finden. Finanztest gibt sie.

Ich bin seit Oktober 2002 arbeitslos und werde im Mai 2004 60 Jahre alt. Ist es sinnvoll, dann die Altersrente zu beantragen?

Fordern Sie von Ihrem Rentenversicherungsträger eine Rentenauskunft an und vergleichen Sie die Höhe Ihrer Rente mit Ihrem Arbeitslosengeld.

Selbst wenn die Rente höher ist als das Arbeitslosengeld, sollten Sie vielleicht noch mit dem Rentenantrag warten. Denn wenn Sie mit 60 Jahren in Rente gehen, bekommen Sie 18 Prozent weniger Rente im Monat, als wenn Sie mit 65 gingen (0,3 Prozent Abschlag pro vorgezogenen Monat). Dieser Abschlag fällt nicht nur bis zum Ende des 65. Lebensjahres an. Er bleibt für immer.

Jeder Monat, den Sie arbeitslos gemeldet bleiben und keine Rente beziehen, vermindert später Ihren Abschlag. Außerdem zahlt das Arbeitsamt für Sie Beiträge zur Rentenversicherung. Die erhöhen Ihre Altersrente.

Wenn Ihr Arbeitslosengeld nach 32 Monaten im April 2005 ausläuft und Sie nur noch Arbeitslosenhilfe bekommen, können Sie auch dann noch vorzeitig in Rente gehen, also mit 61 Jahren. Der Rentenabschlag fällt dann geringer aus: Nicht wie jetzt 18 Prozent, sondern nur 14,4 Prozent (48 Monate à 0,3 Prozent). Die Entscheidung liegt auf jeden Fall bei Ihnen. Das Arbeitsamt kann Sie nicht zwingen, vorzeitig in Rente zu gehen.

Ich bin in Altersteilzeit und ­verdiene nur noch 70 Prozent meines bisherigen Gehalts. Wie wirkt sich das auf meine Rente aus?

Die Auswirkung auf die Rentenhöhe ist gering. Denn in die Rentenversicherung fließen so viel Beiträge, als wenn Sie 90 Prozents Ihres Gehalts vor der Altersteilzeit bekämen. Diese zusätzlichen Beiträge während Ihrer Altersteilzeit zahlt allein der Arbeitgeber.

Was bedeuten die in meiner ­Rentenauskunft ausgewiesenen Wartezeiten?

Nur wer mindestens eine bestimmte Zeit lang versichert war, hat einen Anspruch auf Rente. Diese Mindestversicherungszeiten heißen auch Wartezeiten. Sie sind für die einzelnen Rentenarten unterschiedlich: 

  • 5 Jahre für die Regelaltersrente mit 65 Jahren und für die Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit. Bei Witwen-, Witwer- und Waisenrente muss der Verstorbene mindestens 5 Jahre versichert gewesen sein.
  • 15 Jahre für die vorgezogene Altersrente für Frauen, für Arbeitslose oder für Menschen in Altersteilzeit.
  • 35 Jahre für die vorgezogene Altersrente für langjährig Versicherte sowie für Schwerbehinderte.

Zur Wartezeit von 5 und 15 Jahren zählen folgende Zeiten: 

  • Alle Monate mit Beitragszeiten, also Pflichtbeiträge oder freiwillige Beiträge.
  • Ersatzzeiten, zum Beispiel politische Haft in der DDR, und Zeiten aus dem Versorgungsausgleich nach einer Ehescheidung. Bei diesem Ausgleich wird ein Teil der Versicherungszeiten des Expartners auf den anderen, der gar keine oder nur geringe Anwartschaften erworben hat, übertragen.

Für die Wartezeit von 35 Jahren zählen zusätzlich noch Berücksichtigungszeiten. Das sind Zeiten der Pflege eines Pflegebedürftigen und der Erziehung von Kindern bis zum 10. Lebensjahr. Auch Anrechnungszeiten zählen mit. Das sind zum Beispiel Zeiten der Arbeitslosigkeit, die Schulzeit nach dem 17. Lebensjahr und das Studium.

Nicht immer wirken sich Wartezeiten auch auf die Höhe der Rente aus. So werden bis zu acht Jahre der Schul- oder Hochschulausbildung als Wartezeit anerkannt. Aber höchstens drei Jahre davon werden bei der Berechnung der Rente angerechnet. Und ab 2005 sollen diese drei Jahre stufenweise nicht mehr rentensteigernd berücksichtigt werden.

An den acht Jahren, die als Wartezeit gewertet werden, ändert sich jedoch nichts. Versicherte sollten also darauf achten, dass sie auf ihrem Versicherungskonto berücksichtigt sind.

Ich möchte Widerspruch gegen meinen Rentenbescheid einlegen. Wer entscheidet, ob der Widerspruch abgelehnt oder angenommen wird?

Erheben Sie Widerspruch innerhalb eines Monats nach Erhalt Ihres Bescheids. Es genügt ein formloses Schreiben. Einen Musterbrief gibt es im Internet unter www.lva.de (Rente > Widerspruch).

Die zuständige Abteilung Ihres Rentenversicherers muss den Widerspruch überprüfen. Bleibt sie bei ihrer Entscheidung, übergibt sie den Fall an den Widerspruchausschuss. Er ist je zur Hälfte mit ehrenamtlichen Vertretern der Versicherten und der Arbeitgeber besetzt und soll den Versicherten lange und möglicherweise aussichtslose Prozesse vor dem Sozialgericht ersparen.

Der Ausschuss kann Ihrem Widerspruch ganz oder teilweise stattgeben oder ihn zurückweisen. Er schickt Ihnen dann einen Widerspruchsbescheid. Das dauert im Durchschnitt drei bis vier Monate. Sind Sie mit dem Bescheid nicht einverstanden, können Sie vor dem Sozialgericht klagen.

Ich bin seit sechs Jahren Rentner. Vor kurzem habe ich eine Versicherungskarte gefunden, die ich vor Jahren bei einem Jobwechsel versehentlich nicht beim neuen Arbeitgeber abgegeben habe. Meine Versicherungszeiten wurden damals nicht eingetragen. Kann ich diese zusätzlichen Rentenansprüche jetzt noch geltend machen?

Ja. Auch wenn Sie Ihren Rentenbescheid längst erhalten haben und die Widerspruchsfrist von einem Monat abgelaufen ist, können Sie verlangen, dass Ihre Rente neu berechnet wird.

Dies gilt immer, wenn wie in Ihrem Fall neue Dokumente aufgetaucht sind, die zusätzliche Rentenansprüche rechtfertigen. Dazu gehören die vor dem EDV-Zeitalter für die Registrierung von Versicherungszeiten verwendeten Versicherungskarten, aber auch Zeugnisse, Arbeitslosenmeldekarten oder Nachweise über Krankheitszeiten. Die zusätzliche Rente wird jedoch nur für maximal vier Jahre nachgezahlt.

Nach der Scheidung hat meine Exfrau einen Teil meines Rentenanspruchs übertragen bekommen. Aber ihr wurde nie Rente ausbezahlt, weil sie vorher gestorben ist. Kann ich meinen Versorgungsausgleich zurückbekommen?

Ja. Fordern Sie dies im Rentenantrag. Nur wenn Ihre Frau bereits mehr als zwei Jahre lang Rente bezogen hätte, ist eine Rückübertragung nicht mehr möglich.

Ich habe Anspruch auf eine Witwenrente. Welche Einkommensarten werden darauf angerechnet?

Entscheidend sind das Datum Ihrer Hochzeit sowie die Geburtsdaten von Ihnen und Ihrem Partner. Wenn Sie nach dem 31. Dezember 2001 geheiratet haben, gilt das neue Hinterbliebenenrecht. Es gilt auch, wenn Sie zwar vor 2002 geheiratet haben aber sowohl Sie als auch Ihr Partner im Jahr 1962 oder später geboren sind. Erwerbseinkommen, Krankengeld, Arbeitslosengeld, eigene Rente oder Beamtenpension, außerdem Einkünfte aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung können dann Ihre Rente mindern.

Gilt für Sie noch das alte Recht, zählen Einkünfte aus Kapitalvermögen, Vermietung und Verpachtung nicht.

Ich bin Witwe und möchte wieder heiraten. Bekomme ich meine Witwenrente weiter?

Nein. Aber Sie bekommen auf Antrag als Ausgleich eine Abfindung. Sie beträgt das 24fache des Monatsbetrags Ihrer Witwenrente.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Mit mehr gerechnet

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