18.07.2000

Gesetzliche Rentenversicherung: Früher in Rente

Immer weniger Menschen dürfen sich in den nächsten Jahren früher zur Ruhe setzen.

Mit 65 Jahren kann jeder in Rente gehen. Die Regelaltersrente wird ab dem auf den Geburtstag des künftigen Rentners folgenden Monat vom zuständigen Rentenversicherungsträger ausgezahlt, also von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte, einer der Landesversicherungsanstalten, der Bundesknappschaft, der Bahnversicherungsanstalt oder der Seekasse.

Einzige Voraussetzung sind 60 Monate (fünf Jahre) Versicherungszeit. Das sind Beitragszeiten, aber auch Kindererziehungszeit und Ersatzzeiten wie politische Haft in der DDR beziehungsweise Flucht aus der DDR mit anschließender Krankheit oder Arbeitslosigkeit.

Wie hoch die reguläre Altersrente ist, hängt von den Einzahlungen des einzelnen Versicherten ab. Ein vorzeitiger Renteneintritt ist bei der Regelaltersrente nicht möglich. Doch es gibt weitere Arten von Altersrenten, mit denen sich Versicherte schon früher zur Ruhe setzen können.

Altersrente für Langzeitversicherte

Gesetzliche Rentenversicherung Meldung

Eine dieser Rentenarten ist die Altersrente für Langzeitversicherte. Ein Versicherter, der sehr lange berufstätig war, konnte bisher schon ab 63 Jahren seine volle Rente beziehen. Der frisch gebackene Pensionär musste zu diesem Zeitpunkt mindestens 35 Jahre (420 Monate) Versicherungszeit vorweisen. Dabei zählten allerdings nicht nur Beitrags- und Ersatzzeiten, sondern auch die so genannten Anrechnungszeiten mit. Anrechnungszeiten entstehen bei Arbeitslosigkeit, längerer Krankheit, während einer Rehabilitation, im Mutterschutz oder durch die Schul-, Fach-, Fachhochschul- oder Universitätsausbildung.

Aber auch so genannte Berücksichtigungszeiten wegen Kindererziehung (über die ersten ein bis drei Geburtsjahre hinaus) oder Pflege von Angehörigen zählen mit.

Doch seit diesem Jahr gibt es für langjährig Versicherte nicht mehr ab 63 Jahren automatisch die volle Rente. Die Altersgrenze wird für ab 1937 Geborene seit Anfang 2000 in monatlichen Stufen bis auf das 65. Lebensjahr angehoben. Wer im Januar 1937 zur Welt kam, durfte deshalb beispielsweise nicht schon im Februar 2000 in Rente gehen, sondern erst im März 2000.

Im Januar 1938 Geborene müssen bereits bis zum 64. Lebensjahr (Rentenbeginn 1. März 2002) weiter arbeiten. Wer nach November 1938 geboren wurde, hat den vollen Anspruch auf seine Rente erst mit 65 Jahren. Dann kann er aber auch die Regelaltersrente beanspruchen. Die ist genauso hoch.

Die Möglichkeit, ab 63 Jahren in Rente zu gehen, besteht zwar weiter, kostet aber. Jeder Monat früher mindert die Rente um 0,3 Prozent.

Rentner, die im Januar 1938 geboren sind und wegen ihrer langjährigen beruflichen Tätigkeit mit 63 Jahren in den Ruhestand gehen wollen, müssen ­ hochgerechnet ­ einen Abschlag von 3,9 Prozent einkalkulieren.

Ab Dezember 1938 Geborene bekommen generell 7,2 Prozent (24 Monate à 0,3 Prozent) weniger Rente, wenn sie mit 63 Jahren Rentner werden wollen. Bei 2000 Mark Rente wären das beispielsweise 144 Mark im Monat weniger, 1 728 Mark Verlust im Jahr, 25920 Mark in 15 Jahren Rentenbezug, die jährlichen Rentenerhöhungen nicht mitgerechnet.

Rentenabschläge fallen nicht nur bis zur Vollendung des 65. Lebensjahrs an. Sind sie einmal entstanden, bleiben sie für immer. Und auch eine spätere Hinterbliebenenrente für den Ehepartner oder Kinder wird auf Grundlage des verkürzten Rentenanspruchs ermittelt.

Vertrauensschutz

Künftige Rentner, die vor dem 1. Januar 1942 geboren sind und nicht nur 35, sondern 45 Jahre lang rentenversichert waren, sind etwas besser dran. Der Geburtsjahrgang 1937 hat gar keine Abschläge und für Versicherte, die ab 1938 geboren sind, steigt die Anhebung der Altersgrenze nicht in Monats-, sondern in Viermonatsschritten.

Allerdings zählen für die 45 verlangten Jahre nur Pflichtbeiträge mit, keine freiwilligen. Auch Beiträge, die das Arbeitsamt für einen Versicherten übernahm, weil er arbeitslos war, werden nicht angerechnet.

Begünstigt werden auch diejenigen, die bis zum 14. Februar 1941 geboren wurden und am 14. Februar 1996 Überbrückungsgeld der Seemannskasse oder Vorruhestandsgeld bezogen.

Altersrente für Schwerbehinderte

Schwerbehinderte und Berufs- oder Erwerbsunfähige konnten bisher schon mit 60 Jahren in Rente gehen. Besonders Schwerbehinderte nutzten die Möglichkeit, sich vor ihrem 65. Geburtstag zur Ruhe zu setzen. Sie mussten allerdings wie Langzeitversicherte eine Versicherungszeit von mindestens 35 Jahren und zusätzlich eine mindestens 50-prozentige Schwerbehinderung oder eine Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit nachweisen.

Auch für diese Rentenart soll die Altersgrenze jetzt stufenweise monatlich angehoben werden, aber nur vom 60. auf das 63. Lebensjahr. Die Anhebung geht mit dem Geburtsmonat Januar 1941 los. Ab Dezember 1943 geborene Schwerbehinderte können dann erst mit 63 Jahren Rentner werden.

Aber auch sie dürfen weiterhin ab 60 Jahre Rente beantragen, dann aber mit Abschlägen von 0,3 Prozent pro vorgezogenem Monat. Die maximale Einbuße beliefe sich bei vorzeitigem Ausstieg auf 10,8 Prozent. Bei 2000 Mark Rente wären das immerhin 216 Mark im Monat.

Die Vertrauensschutzregelungen für bis Dezember 1941 Geborene mit 45 Jahren Pflichtbeiträgen entsprechen denen für die Langzeitversicherten. Wer diese Voraussetzungen erfüllt, kann seine gesetzliche Rente weiterhin ab 60 Jahren und völlig ohne Abschläge beziehen.

Zusätzlich sollen Schwerbehinderte, Berufs- und Erwerbsunfähige auch dann noch mit 60 Jahren ihre Altersrente ohne Abschläge erhalten können, wenn sie bis zum 10. Dezember 1943 geboren wurden und am 10. Dezember 1998 bereits schwerbehindert beziehungsweise berufs- oder erwerbsunfähig waren. Die übrigen Voraussetzungen (35 Jahre Beitrags- oder Anrechnungszeit und eine 50-prozentige Schwerbehinderung oder Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit) müssen natürlich auch stimmen.

Rente wegen Arbeitslosigkeit

Arbeitslose oder Altersteilzeit-Beschäftigte können bisher ab Vollendung ihres 60. Lebensjahrs in Rente gehen. Sie müssen dann in den eineinhalb Jahren vor ihrem 60. Geburtstag mindestens 52 Wochen lang arbeitslos gewesen sein. Oder sie waren vor Vollendung ihres 60. Lebensjahrs mindestens zwei Jahre in Altersteilzeit beschäftigt.

Zusätzlich müssen sie mindestens 180 Monate (15 Jahre) Beitrags- oder Ersatzzeiten nachweisen. Darin müssen außerdem mindestens 96 monatliche Pflichtbeiträge enthalten sein, die sie in den letzten zehn Jahren vor Vollendung ihres 60. Lebensjahrs oder vor Rentenbeginn einzahlten. Freiwillige Beiträge zählen dabei nicht mit.

Auch in dieser Rentenart wird die Altersgrenze ab dem Geburtsmonat Januar 1937 stufenweise angehoben und zwar von 60 auf 65 Jahre. Wer früher in Rente gehen will, muss Abschläge in Höhe von 0,3 Prozent pro vorgezogenem Monat in Kauf nehmen.

Ein ab Dezember 1941 Geborener muss auf seine volle Rente schon bis zu seinem 65. Geburtstag warten. Will er bereits mit 60 Jahren in den Ruhestand gehen, summiert sich seine Einbuße auf 18 Prozent. Bei 2000 Mark Rente wären das 360 Mark im Monat.

Für ältere Versicherte gelten wieder Vertrauensschutzregelungen. Wer bis zum 14. Februar 1941 geboren wurde und am 14. Februar 1996 arbeitslos war oder damals schon eine Kündigung für einen späteren Zeitpunkt in der Tasche hatte, kann seine Rente weiterhin mit 60 Jahren ohne oder mit geringeren Abschlägen beziehen. Das gilt auch für Versicherte, die am 14. Februar 1996 eine ABM-Stelle hatten.

Wer am Stichtag arbeitslos war, danach aber wieder arbeitete, erfüllt trotzdem die Voraussetzungen. In Betrieben der Montanindustrie fallen auch die bis zum 14. Februar 1944 Geborenen unter diese Regelung.

Etwas geschont werden auch die künftigen Rentner, die vor dem 1. Januar 1942 geboren sind und 45 Jahre lang Pflichtbeiträge eingezahlt haben. Die bis zum 31. Dezember 1940 Geborenen haben dann gar keine Abschläge, für die ab 1941 Geborenen gilt wieder die moderatere Regelung, wonach für vier Geburtsmonate die Altersgrenze nur um einen Monat angehoben wird. Der Abschlag wäre bei vorzeitigem Renteneintritt entsprechend geringer.

Für Jahrgänge ab 1952 fällt die Rente wegen Arbeitslosigkeit vollkommen weg. Sie müssen bis 65 warten.

Altersrente für Frauen

Frauen können bisher schon mit 60 Jahren in Rente gehen. Dafür müssen sie mindestens 180 Monate (15 Jahre) Versicherungszeit nachweisen, davon ab Vollendung ihres 40. Lebensjahrs mindestens 121 Pflichtbeiträge (10 Jahre und einen Monat).

Seit Anfang 2000 steigt aber auch für Frauen die Altersgrenze von 60 auf 65 Jahre. Für die Geburtsjahrgänge 1940 und älter wird die höhere Altersgrenze seit Jahresbeginn wieder stufenweise in Monatsschritten bis zum Geburtsmonat Dezember 1944 eingeführt.

Später Geborene haben die Wahl: Entweder sie gehen erst mit 65 Jahren in Rente oder sie nehmen Abschläge von 0,3 Prozent pro Monat, den sie früher aufhören, in Kauf. Ab 1945 geborene Frauen, die mit 60 Jahren aufhören zu arbeiten, bekommen 18 Prozent weniger Rente.

Für die späteren Geburtsjahrgänge ab 1952 gibt es dagegen keine spezielle Frauenrente mehr. Sie können überhaupt nicht mehr früher in Rente gehen als Männer.

Die Vertrauensschutzregelungen gleichen denen in den anderen Rentenformen. Zum einen gelten sie für Frauen, die vor dem 1. Januar 1942 geboren sind und 45 Jahre lang Pflichtbeiträge haben. Zum anderen sind die Frauen geschützt, die bis zum 7. Mai 1941 geboren wurden und am 7. Mai 1996 bereits arbeitslos waren, eine ABM-Stelle hatten oder damals schon auf einen späteren Zeitpunkt hin gekündigt waren. Eine zwischenzeitlich erneute Beschäftigung stört dabei nicht. Für Frauen aus der Montanindustrie umfasst diese Regelung auch alle vor dem 7. Mai 1944 Geborenen.

Die Jahrgänge ab 1941 fallen wieder unter die moderatere Regelung mit einer Anhebung der Altersgrenze in Viermonatsschritten.

Antrag stellen

Eine Rente wird immer nur auf Antrag gezahlt. Stellt der künftige Ruheständler seinen Rentenantrag innerhalb von drei Monaten, nachdem er alle Voraussetzungen erfüllt, beginnt die Rente in dem folgenden Monat, nachdem alle Voraussetzungen bestehen. Wird der Antrag später gestellt, zahlt der Rentenversicherungsträger die Rente erst ab Beginn des Antragsmonats aus. Wer seinen Rentenantrag nicht rechtzeitig einreicht, kann also seine Rente für drei Monate und länger verlieren.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Tipps

Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.

Kommentare (0)

weitere Kommentare anzeigen

Alle Kommentare anzeigen

Schreiben Sie bitte einen Kommentar

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice