21.02.2013

Geschlossene Immobilienfonds: S & K-Chefs in Haft

Geschlossene Immobilienfonds Meldung
Polizei­fahr­zeuge vor der Firmenzentrale von S & K.

Die Staats­anwalt­schaft Frank­furt hat die beiden Geschäfts­führer der Unter­nehmens­gruppe S & K am Dienstag verhaftet. Sie sollen Tausende Anleger jahre­lang systematisch betrogen haben. Den Schaden schätzt die Staats­anwalt­schaft auf einen Betrag in drei­stel­liger Millionenhöhe. Die S & K war Finanztest wieder­holt negativ aufgefallen. Und schon seit Dezember 2012 steht ein Immobilienfonds von S & K auf der Warnliste von Finanztest.

Ermitt­lungen wegen banden­mäßigen Betrugs

Seit Mitte 2012 führt die Frank­furter Staats­anwalt­schaft ein umfang­reiches Ermitt­lungs­verfahren gegen Verantwort­liche der S & K Unter­nehmens­gruppe sowie einer als Partner agierenden Unter­nehmens­gruppe in Hamburg mit zusammen weit mehr als 100 verbundenen Gesell­schaften wegen Verdachts des banden- und gewerbs­mäßigen Betruges mit Kapital­anlagen, der Untreue und weiterer Straftaten.

Groß angelegtes Betrugs­system

Nach den bisherigen Ermitt­lungen werden die Haupt­ver­antwort­lichen der Firmen­gruppen verdächtigt, in gemein­samer abge­stimmter Vorgehens­weise ein über Jahre plan­mäßig und groß angelegtes Betrugs­system installiert zu haben. Dabei sollen sie fort­laufend Anlegergeld von Tausenden Anlegern veruntreut haben. Die Betroffenen hatten bei den Unternehmen unter anderem geschlossene Immobilienfonds gezeichnet.

Geschäfts­führer lebten auf großem Fuße

Mit den erschlichenen Anlegergeldern sollen die Verantwort­lichen einen extrem aufwändigen und exzessiven Lebens­stil gepflegt haben. Zudem sollen sie das Geld für die Anschub­finanzierung, den Aufbau und die hohen laufenden Kosten von eigenen und verbundenen Unternehmen sowie für zweck­widrige Objekt­finanzierungen verwendet haben, teilt die Staats­anwalt­schaft Frank­furt mit. Die Anlagegelder und Anlage­objekte sollen dabei in großem Stil in das Eigentum von verbundenen Unternehmen, beschuldigten Personen und deren Familien­angehörigen verschoben worden sein.

Groß­einsatz in sieben Bundes­ländern

Mit dem Groß­einsatz der Staats­anwalt­schaft wurden in sieben Bundes­ländern, insbesondere in Hessen, Hamburg und Bayern Arreste zur Sicherung von Vermögens­werte im Gesamt­volumen von über 100 Millionen Euro sowie Haftbefehle gegen sechs Haupt­täter im Alter von 33 bis 70 Jahren voll­streckt. Weitere Beschuldigte wurden zudem vorläufig fest­genommen. Bisher wird gegen etwa 50 Beschuldigte ermittelt.

Hotline für Anleger

Für Anleger, Bevoll­mächtigte, Angehörige, Hinweis­geber hat die Staats­anwalt­schaft am Mitt­woch beim Polizei­präsidium Frank­furt ein Kontakttelefon einge­richtet. Anleger können hier Anzeige erstatten und Auskünfte erhalten. Anrufe werden von 8 Uhr bis 22 Uhr unter der Rufnummer 069 / 7555 7555 angenommen. Informationen gibt es auch unter www.polizei.hessen.de.

S & K fiel wieder­holt negativ auf

Finanztest hat die S& K Unter­nehmens­gruppe in der Vergangenheit wieder­holt wegen dubioser Angebote kritisiert. Beim Test von Aufkäufern von Lebensversicherungs-Policen fiel S & K negativ auf, weil das Unternehmen den Kauf­preis nicht auf einen Schlag auszahlte, sondern nur in Raten über mehrere Jahre gestreckt. Kunden, die ihre Police an S & K verkauft haben, müssen nun um ihr Geld bangen. Auf Anfrage von test.de teilte S & K im Früh­jahr 2012 mit, dass sie seit Ende 2010 keine Lebens­versicherungen mehr kauft. Besucher ihrer Internetseite wurden jedoch weitergeleitet zur Firma Asset Trust AG. Sie wurde just Ende 2010, zwei Tage vor Heilig­abend, gegründet, hat die gleiche Post­anschrift und Telefon­nummer wie die S & K – und kauft Lebens­versicherungen. Das Geld aus den gekündigten Policen fließt „zur Kapital­anlage direkt an die S & K Unter­nehmens­gruppe“, erläutert S & K auf ihrer Website.

Verlockendes Angebot der Asset Trust

Wie S & K zahlte auch Asset Trust den Kauf­preis in Raten. So bekam der Tester im Rahmen der Finanztest­unter­suchung von Asset Trust ein Angebot, bei dem die Firma etwas mehr als die Hälfte des Rück­kaufs­werts auf einen Schlag nach Abschluss des Kauf­vertrages zahlt. Der verbleibende Rest soll verzinst und erst nach zehn Jahren ausgezahlt werden. Insgesamt sollte der Test­kunde dann nach zehn Jahren einen Betrag erhalten, der 33 Prozent über dem Rück­kaufs­wert liegt, den er bei einer Kündigung vom Versicherer erhalten hätte.

Reingefallene bekommen erst als letzte Geld

Das Risiko eines solchen Geschäfts ist allerdings enorm – und wie sich jetzt heraus­gestellt hat fatal. Das Geld, das der Kunde in zehn Jahren bekommen soll, gilt als „nach­rangige Forderung“. Bei einer Krise des Unter­nehmens oder der Insolvenz werden erst die anderen Gläubiger bedient. Er danach bekommen „Nach­rang­forderungen“etwas – falls dann noch Geld da ist. Das räumt Asset Trust auch ein: „Es gibt also eine erhöhte Gefahr des Forderungs­ausfalls bis hin zum Total­verlust“. Hinzu kommt allerdings noch, dass Kunden beim Verkauf ihrer Police an Asset Trust saftige „Bearbeitungs­gebühren“ zahlen. Im Fall des Test­kunden waren es mehr als 600 Euro. Derzeit gibt es auf der Internet-Seite von Asset Trust keine Informationen mehr – nur den Hinweis, dass die Seite über­arbeitet wird. Ob Asset Trust je wieder online geht, ist zweifelhaft.

Warnung vor geschlossenen Immobilienfonds

Auch nach der jüngsten Untersuchung geschlossener Immobilienfonds im November letzten Jahres landete ein S & K-Fonds sofort auf der Warn­liste. Der Fonds Deutsche S & K Sach­werte Nr. 2 erfüllte nicht einmal die Grundan­forderungen von Finanztest an eine solche Anlage. Es handelte sich bei dem Angebot um einen so genannten Blindpool, bei dem die Immobilien­projekte bei Zeichnung des Vertrags durch den Anleger teil­weise noch nicht fest­stehen. Bei solchen Angeboten handelt es sich um eine reine Vertrauens­investition in das Fonds­management. Dabei müssen Anleger hoffen, dass die Fonds­manager die richtigen Immobilien kaufen und ordentlich wirt­schaften.

SHB-Anleger ebenfalls betroffen

Auch Tausende Anleger des Anbieters SHB Inno­vative Fonds­konzepte AG aus Oberhaching bei München müssen um ihr Geld fürchten. S & K hat den Fondsanbieter 2012 über­nommen. Schon zu Jahres­beginn gab es großen Ärger, weil Anlegern von stillen Beteiligungen ihr Geld nicht zurück gezahlt wurde. Schon vor der Über­nahme der SHB Inno­vative Fonds­konzepte AG hatte Finanztest den Anbieter wegen zu hoher einmaliger Kosten von über 17 Prozent des Anleger­kapitals bei einem Fonds auf die Warn­liste gesetzt.

DCM AG streite Verbindungen zu S& K ab

Im Zusammen­hang mit den staats­anwalt­lichen Ermitt­lungen gegen die S & K-Gruppe und deren Umfeld wurden auch Durch­suchungen beim Immobilienfondsanbieter DCM Deutsche Capital Management AG (DCM AG) bekannt. Bisher ist nicht klar, ob Anleger von DCM-Immobilien- und Dachfonds geschädigt wurden. Die DCM AG hat dazu mitgeteilt, dass sie dafür sorgen will, dass Anleger ihrer Fonds durch die S & K-Gruppe nicht geschädigt werden. Ob ihr das allerdings gelingt, ist fraglich. Zwar betont die DCM AG, dass es keine Verbindungen zur S & K-Gruppe gibt. Allerdings räumt sie ein, dass es einen Verbindungs­punkt gibt. Damit meint sie die Veräußerung ihrer Tochtergesell­schaften DCM Service GmbH und DCM Verwaltungs GmbH an die S & K Assets GmbH im Juni 2012. Nach der Trans­aktion über­nahm die S & K-Gruppe unter dem Dach der DCM Service GmbH (nun firmierend unter MCS Service GmbH) die Anleger­verwaltung in einer Reihe von DCM-Fonds. Ebenso ging die Geschäfts­führung einzelner Fonds durch die Über­nahme in den Verantwortungs­bereich der S&K-Gruppe über. Das birgt ein erhebliches Risiko­potenzial für Anleger.

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