13.02.2009

Freiwillige Zusatzrente: Mehr Rente im öffentlichen Dienst

Freiwillige Zusatzrente Special
Auch Erzieherinnen im öffentlichen Dienst können steuer- und sozial­abgaben­frei eigenes Geld in eine Betriebsrente stecken.

Die zusätzliche Rente über eine Gehaltsumwandlung lohnt sich, denn die Einzahlungen sind steuer- und sozialabgabenfrei. Besonders lukrativ: Angebote der Versorgungskassen für öffentlich Angestellte.

Staatliche Förderung

Mit eigenem Geld eine Betriebsrente aufzubauen, ist für viele Arbeitnehmer eine lohnende Sache. Wer zugreift und investiert, erhält eine staatliche Förderung. Im Jahr 2009 können Arbeitnehmer Sparbeiträge bis zu 2 592 Euro (216 Euro pro Monat) steuer- und sozialabgabenfrei von ihrem Gehalt abzweigen. Verdienen sie brutto maximal 44 100 Euro, sparen sie auf ihren Beitrag sogar alle vier Sozialabgaben für die gesetzliche Kranken-, Pflege-, Arbeitslosen- und Rentenversicherung.

Rente aufbessern

Auch öffentlich bedienstete Angestellte haben die Chance, ihre Zusatzrente aus der Pflichtversicherung freiwillig per Gehalts­umwandlung aufzubessern. Für rund fünf Millionen Mitarbeiter von Ländern und Kommunen, die keine Beamten sind, ist das tariflich geregelt. Nur für die rund 150 000 Angestellten des Bundes steht ein entsprechender Tarifvertrag noch aus. Die garantierten Renten, die öffentliche Versorgungskassen anbieten, sind oft viel höher als bei privaten Versicherern üblich. Das zeigt eine Stichprobe von Finanztest.

Pensionskassen VBL und KZVK

Eingeholt hat Finanztest die Angebote der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) in Karlsruhe und der Kirchlichen Zusatzversorgungskasse des Verbandes der Diözesen Deutschlands (KZVK) in Köln. Die freiwilligen Zusatzrenten werden den öffentlich Bediensteten vor allem von den Pensionskassen angeboten, die für ihre Pflichtversicherung zuständig sind. Die VBL ist der größte Anbieter. Länderbedienstete sind sogar auf die VBL festgelegt. Auch kirchliche Mitarbeiter können meist nur über ihre Pflichtkasse selbst in ihre Betriebsrente investieren. Etwas mehr Auswahl haben angestellte Mitarbeiter der Kommunen. Sie können ihr Geld alternativ bei der Sparkassen-Finanzgruppe und bei den nur für den öffentlichen Dienst zuständigen Kommunalversicherern anlegen.

Tarifbeispiele

Die VBL hat für die Gehaltsumwandlung die Tarife „VBLextra“ und „VBLdynamik“ im Angebot. Die Rente der KZVK heißt „freiwillige Zusatzrente“. Finanztest hat bei der VBL nur die Variante VBLextra betrachtet. Sie ist wie die freiwillige Zusatzrente der KZVK eine klassische Rentenversicherung mit garantierter Verzinsung. Nicht einbezogen hat Finanztest das fondsgebundene Angebot VBLdynamik, weil hier nur der Beitragserhalt garantiert wird.

Attraktive Garantierenten

In unserem Modell zahlen Männer und Frauen des Jahrgangs 1965 pro Monat 216 Euro in die Pensionskasse ein. Ihr Vertrag läuft ab dem 1. Januar 2009 über 23 Jahre. Die Auszahlung beginnt am 1. Januar 2032, wenn die Arbeitnehmer 67 Jahre alt werden. Vereinbart ist jeweils eine reine Altersrente ohne Hinterbliebenenschutz und ohne Leistungen bei Erwerbsminderung. Bei VBLextra kommen für dieses Modell monatliche Garantierenten in Höhe von 417 Euro (Frauen) und 520 Euro (Männer) heraus. Die KZVK sagt Frauen 438 Euro Rente, Männern 495 Euro fest zu.

Vergleich Private Lebensversicherer

Zum Vergleich: Private Lebensversicherer garantieren 1965 geborenen Frauen in einer privaten Rentenversicherung bei gleichem Betrag und gleicher Ansparzeit im Schnitt nur 270 Euro Rente, gleichaltrigen Männern rund 300 Euro. Die ausgezahlten Renten werden durch Überschüsse sowohl bei den Lebensversicherern als auch bei den Versorgungskassen möglicherweise höher sein. Ob die Überschüsse so fließen werden, wie der jeweilige Anbieter prognostiziert, kann aber keiner wissen. Versicherte sollten sich deshalb nach der garantierten Rente richten.

Drei Gründe für die hohen Renten

Die vergleichsweise hohen Garantien der Versorgungskassen haben drei Ursachen:

  • niedrige Kosten,
  • höherer Garantiezins im Vergleich zur klassischen privaten Lebensversicherung
  • und die Pensionskassen rechnen mit einer niedrigeren Lebenserwartung, als private Lebensversicherer es tun.

Dem Tarif VBLextra liegt ein Garantiezins von 2,75 Prozent zugrunde. Die KZVK rechnet im Durchschnitt mit 3,25 Prozent.

Private Rentenversicherer und auch viele Pensionskassen garantieren dagegen für ab dem 1. Januar 2007 neu abgeschlossene Verträge nur noch 2,25 Prozent Verzinsung. Auch die kalkulierte Lebenserwartung spielt eine Rolle. Je kürzer sie angenommen wird, desto höher fallen die garantierten Renten aus. Private Lebensversicherer erwarten meist in etwa, dass 67-jährige Männer 27, 67-jährige Frauen noch 30 Jahre lang leben. Die VBL dagegen kalkuliert, dass 67-jährige Männer im Schnitt noch 15 Jahre leben, gleichaltrige Frauen noch 19 Jahre, die KZVK geht von 17 und 21 Jahren aus.

Hohe Garantien auf Dauer

Wer heute zugreift, sichert sich die hohen Garantien auf Dauer. Ob die Kassen ihre günstige Kalkulation auch für künftige Versicherte beibehalten, weiß aber niemand. Der Kommunalversicherer Bayerische Versorgungskammer in München, der bis Ende 2008 bei seiner „PlusPunktRente“ in der Sparphase noch 3,25 Prozent, in der Rentenphase 5,25 Prozent Zins garantierte, rechnet ab 2009 jedenfalls vorsichtiger: Für Neuverträge ab 2009 sinkt der Garantiezins. Wie sehr, war bei Redaktionsschluss noch offen. Zugleich steigt die für die Kalkulation unterstellte Lebenserwartung leicht.

Etwas weniger gesetzliche Rente

Gehaltsumwandlung kostet etwas gesetzliche Rente, sofern der Sparer unter der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung (2009: 54 600/64 800 Euro, (neue/alte Bundesländer) verdient. Weil vom Beitrag nichts für die Rentenversicherung abgeführt wird, gibt es später weniger. Das Minus dürfte jedoch durch das Plus an Betriebsrente mehr als kompensiert werden.

Voll steuerpflichtig

Folgenschwerer ist, dass Betriebsrenten später voll steuerpflichtig sind. Zudem sind darauf volle Beiträge für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung fällig. Aber auch hier überwiegt meist die Ersparnis im Berufsleben die Last im Alter. Für die Beiträge fallen rund 20 Prozent Sozialabgaben weg. Auf die Rente sind später nach heutigen Werten 17,45 Prozent (Kinderlose: 17,7 Prozent) zu zahlen.

Lohnend für Ältere

Besonders lohnend ist die freiwillige Zusatzrente für Ältere, wie Finanztest errechnet hat. Investiert ein Arbeitnehmer mit jährlich maximal 44 100 Euro Bruttolohn nur zehn Jahre lang Sparbeiträge in eine Pensionskasse, die ihm insgesamt 4 Prozent Produktrendite bringt, erhöht die Förderung die Rendite sogar auf 8,2 Prozent (bei 30 Prozent Steuersatz). Die Förderung für einen privaten Riester- oder einen Rürup-Vertrag bringt ihm jeweils klar weniger. Auch für jüngere Arbeitnehmer mit diesem Einkommen lohnt sich das Bruttosparen per Gehaltsumwandlung – nur etwas weniger. Wer Mitte 40 beginnt, sichert sich immerhin noch Renditen zwischen 5,6 und mehr als 6 Prozent. Der Abstand zur Riester-Rente und zu Rürup wird aber kleiner.

Nichts für Gutverdiener aus der Kasse

Ungünstig wird die Gehaltsumwandlung für Arbeitnehmer in einer gesetzlichen Krankenkasse, wenn ihr Bruttogehalt über den Beitragsbemessungsgrenzen für die Rentenversicherung liegt. Weil sie mit ihrem Beitrag in der Ansparphase keine Sozialabgaben sparen können, bringt ihnen eine Riester- und sogar eine Rürup-Rente mehr Plus. Und schafft eine ungeförderte private Rentenversicherung tatsächlich die gleiche Produktrendite, schneidet selbst sie besser ab. Nur privatversicherte Gutverdiener können mit einer Betriebsrente immer noch recht gute Förderrenditen erzielen. Sie zahlen im Alter ja keinen zusätzlichen Krankenversicherungsbeitrag auf ihre Betriebsrente. Gibt es bei der Pensionskasse für einen privatversicherten Gutverdiener beispielsweise über 25 Jahre 4,0 Prozent Grundrendite, machen seine Steuervorteile daraus 5,1 Prozent (44 Prozent Steuersatz). Mehr kommt für ihn auch mit der Riester-Förderung nicht zusammen.

... weiter zu Tipps: Darauf sollten Sie achten.

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