11.01.2013

Fort­bildungs­kosten: Wann der Chef die Weiterbildung bezahlt

Fortbildungskosten Meldung

Deutsche Arbeit­geber sind offen für die Qualifizierungs­wünsche ihrer Angestellten. Das Ergebnis einer aktuellen Studie des Forsa-Instituts zur berufs­begleitenden Weiterbildung macht Bildungs­hung­rigen Mut. Demnach freuen sich 96 Prozent der Firmen über die Fort­bildungs­vorschläge ihrer Mitarbeiter und unterstützen sie bei der zusätzlichen Qualifizierung für berufliche Aufgaben. Test.de zeigt, wann der Arbeit­geber Weiterbildungen zahlen muss – und wann nicht.

Fort­bildungs­wünsche werden gefördert

Der Forsa-Umfrage zufolge sind Arbeit­geber besonders dann bereit, ihre Mitarbeiter beim Wunsch nach Weiterbildung zu unterstützen, wenn die Qualifizierung zu den Aufgaben des Angestellten passt (96 Prozent), sie ihn ans Unternehmen binden (86 Prozent) oder sie den Mitarbeiter für gute Leistungen belohnen wollen (65 Prozent). Der Beistand bei der Bildung sieht jedoch unterschiedlich aus: 80 Prozent der Betriebe beteiligen sich an den Kurs­gebühren, 77 Prozent stellen den Mitarbeiter während der Arbeits­zeit für Bildungs­zwecke frei und 32 Prozent über­nehmen die Kosten in voller Höhe. In vielen Fällen geschieht das freiwil­lig.

Ange­ordnete Weiterbildung geht auf Firmen­kosten

Grund­sätzlich gilt: Einen Rechts­anspruch darauf, dass der Chef bildungs­hung­rigen Beschäftigten eine Zusatz­qualifizierung zahlt, gib es nicht. Zumindest nicht für freiwil­lige Fort­bildungen. Anders sieht es aus, wenn der Chef selbst eine Qualifizierung anordnet. Dann trägt er selbst­verständlich die Kosten dieser Schulung. Findet die Weiterbildung nicht am Arbeits­ort statt, muss der Arbeit­geber die An- und Abreise ebenfalls über­nehmen und auch die Über­stunden vergüten, sofern es sich zum Beispiel um ein Wochen­endseminar handelt.

Arbeit­geber muss für Betriebs­rats­schu­lungen zahlen

In der Pflicht steht der Arbeit­geber auch bei Fort­bildungen für Betriebs­räte. Genehmigen muss er die Kurse nicht, aber er ist verpflichtet die Kosten für Schu­lungen, Reisen und eventuell für Spesen zu über­nehmen, wenn sie für die Tätig­keit als Arbeitnehmer­vertreter erforderlich sind. Das betrifft zum Beispiel Bildungs­angebote zum Betriebs­verfassungs­recht oder zum Arbeits­schutz. Einstehen muss der Chef oft auch für Lehr­gänge, die zwar nicht zwingend notwendig, aber geeignet sind, den Betriebsrat für sein Engagement zu rüsten. Über die Notwendig­keit einer Fort­bildung entbrennen zuweilen Rechts­streitig­keiten. Die Gerichte bestätigten aber jüngst, dass der Arbeit­geber zur Zahlung verpflichtet ist, so etwa das Landes­arbeits­gericht Hessen (Az. 16 TaBV Ga 168/11) oder das Arbeits­gericht Berlin (Az. 24 BV 15046/10).

Freiwil­liger Fort­bildungs­wunsch: Geld gegen Bindung

Einige Unternehmen unterstützen ihre Belegschaft auch bei eigenen Weiterbildungs­wünschen. Von gut qualifizierten Mitarbeitern profitiert der Betrieb schließ­lich – voraus­gesetzt der frisch Fort­gebildete verlässt die Firma nicht kurze Zeit später. Falls Arbeit­geber die Kosten für eine Qualifizierung über­nehmen, binden sie den Mitarbeiter daher oft für einen bestimmten Zeitraum an sich. Das ist recht­lich zulässig, sofern die Dauer der Bildungs­maßnahme in einem angemessenen Verhältnis zur Verpflichtung an das Unternehmen steht.

Mit guten Argumenten über­zeugen

Eine komplette Kosten­deckung durch den Chef wünschen sich viele Mitarbeiter für ihre individuellen Weiterbildungs­pläne. Da dies aber auf dem guten Willen des Arbeit­gebers basiert, sind Über­zeugungs­kraft und gute Argumente gefragt. Wichtig: Bereiten Sie das Gespräch gut vor, nehmen Sie Informations­material Ihrer Wunsch­weiterbildung mit und stellen Sie besonders heraus, welchen Nutzen das Unternehmen von Ihrer Weiterbildung hat. Die Stiftung Warentest hat dazu ausführliche Tipps zusammen­gestellt. Sollte der Chef dennoch „Nein“ zu Ihrem Bildungs­drang sagen, finden Sie im Leitfaden „Weiterbildung finanzieren“ einen Über­blick über Möglich­keiten der Förderung, zum Beispiel durch Bund und Länder.

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