03.02.2011

Flugvermittler im Internet: Flüge teurer als gedacht

Flugvermittler im Internet Meldung

Versteckte Kosten, doppelte Gebühren und verteuerte Flüge nach der Buchung: Eigentlich sollte durch eine EU-Regelung die Flugbuchung im Internet für Kunden transparenter werden. Für einige Online-Flugvermittler gilt das offenbar nicht. Hier ist die Überraschung beim Endpreis inklusive.

Michael Ballack: Alles in Ordnung!

Nach der Suchanfrage bei dem Online-Flugvermittler fluege.de erscheint Michael Ballack auf dem Bildschirm. Er hält den Daumen hoch und signalisiert: Alles in Ordnung! Zwei Klicks weiter kann der Nutzer dann den gewünschten Flug buchen. Worauf die Reisenden sich aber bei manchen Flugvermittlern wirklich einlassen, wissen die wenigsten. test.de hat sich einige Beispiele angeschaut.

Servicegebühren zusätzlich zum Flugpreis

Der Fluggast beauftragt den Flugvermittler mit einer sogenannten „Buchungsanfrage“ – im Gegensatz zu vielen Flugsuchmaschinen, die den Nutzer direkt zum Anbieter weiterleiten (test 02/2010). Vergleichbar einem Reisebüro, bucht das Vermittlungs-Portal dann für den Kunden den gewünschten Flug. Dabei kommt ein Vertrag zustande – oftmals mit klaren Nachteilen für den Verbraucher. Denn für ihre Dienstleistung verlangen einige Flugvermittler Gebühren. Bei fluege.de und flug24.de beispielsweise hängt das zusätzliche Entgelt von der Anzahl der Reisenden, der Flugstrecke und sonstiger Serviceleistungen ab. Cheapfares.de kassiert 12 Euro pro Passagier, unabhängig von der Flugstrecke. Bei den anderen geht es in der Regel mit 20 Euro los.

Reiseversicherung ist voreingestellt

2008 wurde den Fluggesellschaften untersagt, im Internet die Buchung einer Reiseversicherung voreingestellt zu haben. Das heißt, der Kunde muss seitdem die Versicherung bewusst anwählen, wenn er diese abschließen möchte. Bei Online-Flugvermittlern wie fluege.de oder flug24.de ist das anders: Hier ist der „RundumSorglos-Schutz“ inbegriffen. Im Endpreis taucht der Preis für die Versicherung allerdings nicht auf. Wie viel die Reiseversicherung tatsächlich kostet, erfährt der Nutzer erst, wenn er sie gezielt mit einem Klick abwählt. Das selbe Muster bei cheapfares.de und Elumbus: Hier soll dem Nutzer ein „Reiserücktritts-Topschutz“ untergejubelt werden. Bei allen Portalen variieren die Preise für die Versicherung je nach Strecke. Bei einem sehr kurzen Flug zum Beispiel kostet die Versicherung 12 Euro.

Bekomme ich den Flug tatsächlich zum angezeigten Preis?

Ein Flug von Dortmund nach Barcelona für 70 Euro? Wer jetzt auf den Button „Flug buchen“ klickt, wähnt das Angebot in der eigenen Tasche. Das Problem: Die Online-Flugvermittler geben keine Gewähr, dass der Kunde diesen Flug für den angezeigten Preis tatsächlich erhält. Sie haften nicht dafür, ob die Angaben zur Airline und zum Preis stimmen. Nach Auskunft von fluege.de liegt das daran, dass die Flugvermittler nicht immer die aktuellsten Flug-Informationen gespeichert haben. Deshalb erhalten Reisende auch schon mal Flüge, die deutlich teurer waren als online bei der Buchung angezeigt. Ebenfalls intransparent: Will der Reisende bei cheapfares.de einen Flug buchen, ändert sich regelmäßig im nächsten Buchungsschritt der Preis. Der Nutzer wird nun zwar explizit auf den veränderten Preis hingewiesen, den vermeintlichen Schnäppchen-Flug bekommt er jedoch nicht.

Buchung trotz Fehlermeldung

Zahlreiche Fluggäste berichten den Verbraucherzentralen von merkwürdigen Fehlermeldungen während der Buchung bei fluege.de. Weil der Vorgang abgebrochen wurde, haben sie ihre Daten erneut angeben, um die Buchung korrekt abzuschließen – mit überraschendem Ergebnis. Anschließend erhielten die Nutzer zwei Buchungsbestätigungen. Und sollten deshalb auch den doppelten Preis für den Flug bezahlen.

Doppelte Kosten für Stornierung und Umbuchung

Unerwartete Termine oder Krankheit – es kann vor einer Reise immer etwas dazwischen kommen. Wer bei den Online-Flugvermittlern gebucht hat, auf den kommen in diesem Fall doppelte Gebühren zu: einmal für den Flugvermittler, einmal für die Airline. Cheapfares.de kassiert für die Umbuchung 30 Euro, für die Stornierung 50 Euro. fluege.de und flug24.de verlangen bis zu 50 Euro pro Ticket. Eine Familie mit zwei Kindern ist somit bei einer Umbuchung 200 Euro los – plus die Gebühren für die jeweilige Fluggesellschaft. Kostspielig wird es auch, wenn das Konto nicht gedeckt ist beziehungsweise die Lastschrift zurückgebucht wird. Fluege.de und flug24.de berechnen dafür 50 Euro. Und die Servicegebühr, die der Reisende für die Flugvermittlung bezahlt hat, ist bei allen Anbietern im Falle einer Umbuchung oder Stornierung weg.

Versteckte Kosten für das Gepäck

Bei Flugvermittlern können Reisende Hin- und Rückflug mit unterschiedlichen Airlines buchen. Handelt es sich dabei um Billigflieger, lauern wieder versteckte Kosten: Das Gepäck ist bei vielen Billiganbietern kostenpflichtig. Die Gebühren dafür erscheinen jedoch nicht in der Buchungsmaske. Die Reisenden müssen ihre Koffer anschließend direkt bei der Airline dazubuchen. Tun sie das nicht, müssen sie das Gepäck bei vielen Billigfliegern am Flughafen bezahlen. Bei Eaysjet beispielsweise ist das doppelt so teuer wie im Internet. Meldung Teures Gepäck 01/2011

Flugvermittler gegen Fluggesellschaft: Wer ist günstiger?

Ein Beispiel: Der Flug von Berlin nach Barcelona (Hinflug am 24.02.2011, Rückflug am 01.03.2011, Stand 31.01.2011) kostet bei Cheapfares 139,78 Euro, die voreingestellte Reiseversicherung bereits abgezogen. Flug24.de und fluege.de verlangen inklusive Servicegebühr 156,84 Euro. Wer direkt bei Easyjet online bucht, bezahlt mit normaler Kreditkarte 131,48 Euro, mit VISA Electron noch 118,98 Euro. Bei der Airline hat der Fluggast zudem die Sicherheit, dass alle Kosten transparent ausgewiesen wurden.

Wo finde ich günstige Flüge?

Wer bietet den günstigsten Flug von Frankfurt nach New York? Diese Frage können am besten Metasuchmaschinen für Flüge beantworten. Diese Online-Dienste durchsuchen sowohl die Angebote von Fluggesellschaften als auch von Reiseportalen. Wer einen Flug buchen möchte, sollte nach der Anfrage bei der Flugsuchmaschine direkt bei der jeweiligen Airline buchen, die den günstigsten Flug anbietet. Vor einem Jahr hat sich die Stiftung Warentest sieben Flugsuchmaschinen angeschaut. Ergebnis: Fünf sind empfehlenswert, zum Beispiel skyscanner.de, swoodoo.de oder billigflieger.de. Flugsuchmaschinen 02/2010

Flugbuchung direkt bei Airline

Reisende kommen oft günstiger weg, wenn sie ihren Flug direkt bei der Airline buchen. Die Gebühr für die Flugvermittler entfällt. Bei einer Stornierung oder Umbuchung fallen nur einmal Gebühren an. Zudem haben die Reisenden alle Kosten besser im Blick: Fluggesellschaften sind seit 2008 durch eine EU-Verordnung verpflichtet, den Gesamtpreis einschließlich aller Steuern und Gebühren für den Flug anzuzeigen. Manche Flugvermittler sind hingegen der Ansicht, diese Verordnung gelte nur für Airlines, nicht für die Flugvermittler.

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