28.07.2005

Fischölkapseln: Meer-Schutz fürs Herz

Fischölkapseln Test

Fette Fische aus dem Meer liefern Omega-3-Fett­säuren, die ganz speziell Herz und Kreislauf schützen. Was aber bringt das Fischöl in Kapseln? Wir haben 14 Produkte untersucht.

Fisch, Fisch und nochmals Fisch: Der Speiseplan der Grönland-Eskimos kennt oft wenig Abwechslung. Dafür ist er aber offensichtlich herzensgut, denn Herz-Kreislauf-Leiden, gar tödliche Infarkte, sind bei ihnen nahezu unbekannt.

Das herzgesunde Geheimnis der Arktiskost ist entschlüsselt: Im Fett von Robbe, Wal und Seefisch stecken zwei ganz spezielle Fettsäuren, die Eicosapentaensäure und die Docosahexaensäure, kurz EPA und DHA genannt. EPA und DHA sind Omega-3-Fettsäuren. Die Meerestiere nehmen sie über das Plankton auf und speichern sie in ihren Zellmembranen. Die hoch ungesättigten Fette halten die Zellwände elastisch, das Blut dünnflüssig und die Tiere in den eiskalten Gewässern der Polarmeere beweglich.

Was Kaltwasserfische zum Überleben brauchen, hilft wohl auch dem Menschen. Sicher ist: Je elastischer die Arterien, je fließfähiger das Blut, desto besser funktionieren Herz und Kreislauf und desto geringer ist das Infarktrisiko. Mittlerweile existieren weltweit rund 15 000 Studien, die den vielfältigen gesundheitlichen Nutzen von EPA und DHA eindrucksvoll belegen. Wichtig dabei: Omega-3-Fettsäuren sind essenziell. Das heißt, sie sind lebenswichtig, aber weil der Körper sie nicht selber bilden kann, müssen sie mit der Nahrung aufgenommen werden. Doch gerade hier hapert es. Ausgerechnet Omega-3-Fettsäuren kommen in unserer Kost zu kurz.

Ein Gramm pro Tag

Fischölkapseln Test
Beißen Sie ins Fisch­brötchen! Hering ist gesund und es gibt ihn reichlich. Fischölkapseln sind vor allem für Fischmuffel.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine tägliche Zufuhr von 1 bis 1,5 Gramm Omega-3-­Fettsäuren. Dieser Wert bezieht sich jedoch auch auf die pflanzliche Omega-3-Variante, die Alpha-Linolensäure (ALA), die reichlich in Raps-, Soja- oder Walnussöl steckt. Und er gilt für gesunde Erwachsene. Wer ein Herz-Kreislauf-Leiden hat oder ein erhöhtes Risiko dafür trägt, sollte stärker darauf achten, Omega-3-Fettsäuren aus Meeresfischen auf­zunehmen. Denn die pflanzliche Alpha-Linolensäure ist im menschlichen Organismus nicht annähernd so wirksam wie EPA und DHA (siehe Text „Omega-3-Fettsäuren“). Bei Herz-Kreislauf-Risiken heißt die Empfehlung der ameri­kanischen und deutschen Herzgesellschaften: ein Gramm EPA und DHA pro Tag.

Auch Gesunde können von dieser Menge EPA und DHA durchaus profitieren. Doch für die meisten dürfte es schwierig sein, sie mit der täglichen Kost zu sich zu nehmen. Nur mit mehreren Fischmahlzeiten pro Woche, vorzugsweise mit fetten Fischen, könnte der Wert annähernd erreicht werden. Zum Vergleich: Derzeit nimmt der Bundesbürger im statistischen Durchschnitt gerade einmal 0,1 Gramm EPA und DHA pro Tag auf, ein Zehntel des oben genannten Wertes.

Doch nicht jeder mag Fisch, nicht jeder verträgt Fisch. Und ökologisch gibt es gegen einen allzu üppigen Fischverzehr auch Bedenken: Die Weltmeere sind überfischt, etliche Fischarten vom Aussterben bedroht. Viele Gründe für viele Menschen, eine Nahrungsergänzung mit Fischölkapseln in Erwägung zu ziehen.

Ist die Nahrungsergänzung tatsächlich eine Alternative? Und wie ist es um die Qualität des abgefüllten Öls bestellt?

Meist ist Lachsöl abgefüllt

Wir haben 14 Fischölpräparate untersucht, zwölf wurden als Nahrungsergänzungsmittel angeboten, zwei als Arzneimittel. Eingekauft haben wir in Drogeriemärkten, bei Discountern und in Apotheken. Das Ergebnis unserer Untersuchung ist sehr beruhigend für alle, die ihre tägliche Kost mit Fischölkapseln ergänzen wollen: Die meisten Präparate sind dafür ohne Einschränkung geeignet.

Das Fischöl steckt in Gelatinekapseln. Meist enthält eine Kapsel 500 Milligramm Fischöl, in einigen Fällen auch 650, 750, 800, 850 oder 1000 Milligramm. Fast immer handelt es sich um Lachsöl, vermutlich von Zuchtlachsen, die angereichertes Futter bekommen haben. Nur die Kapseln von Ameu, Eicosan und Gesundform enthalten laut Deklaration Öl von Hochseefischen, wozu auch Hering, Makrele und Thunfisch gehören.

Konzentrierte Omega-3-­Fettsäuren

In ihrer Zusammensetzung unterscheiden sich Lachsöl und das Öl von Hochseefischen kaum. Die Produkte enthalten etwa 30 Prozent Omega-3-Fettsäuren, beziehungsweise etwa 18 Prozent Eicosapentaensäure, EPA, und 12 Prozent Docosahexaensäure, DHA. Positiv: Die von den Herstellern angegebenen Gehalte an Omega-3-Fettsäuren stimmen mit den Ergebnissen unserer Analytik weitgehend überein.

Ursprünglich ist der Gehalt an Omega-3-Fettsäuren im Fischfett geringer. Wie unsere Lachsuntersuchung vom Januar 2005 zeigt, liegt sie bei rund 25 Prozent. Bei den in Kapseln abgefüllten Fischölen handelt es sich um gereinigte, standardisierte Konzentrate.

Wer die Kapsel geschluckt hat und danach aufstoßen muss, dürfte einen nicht gerade angenehmen tranig-fischigen Geschmack bemerken. Das Hochseefisch-Ölkonzentrat von Gesundform sanovita verspricht hier Abhilfe. Laut Beipackzettel soll die spezielle Softgel-Stärke-Umhüllung des Präparats eben dieses Aufstoßen verhindern – ein Prüfpunkt, den wir Ihnen schuldig bleiben.

Vitamin E verhindert Oxidation

Fast allen Fischölen war Vitamin E zugesetzt. Dieser Zusatz ist sinnvoll, denn Fischöl mit einem hohen Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren ist besonders oxidationsanfällig. Es wird schnell ranzig. Vitamin E wirkt antioxidativ, das heißt, es schützt vor dem schädigenden Einfluss von Sauerstoff. Auch im menschlichen Organismus reagieren die Fettstoffe im Blutplasma und in den Zellmembranen sensibel auf Sauerstoffradikale. Und auch hier schützt Vitamin E.

Die von der DGE vorgeschlagene Zufuhr für das fettlösliche Vitamin E liegt derzeit bei 13 bis 15 Milligramm pro Tag. Bei einer erhöhten Aufnahme hoch ungesättigter Fettsäuren wie den Omega-3-Fettsäuren im Fischöl muss besonders auf eine ausreichende Zufuhr von Vitamin E geachtet werden. Die Kapseln von Abtei und Spinnrad verzichten ganz auf den Oxidationsschutz durch Vitamin E. Deshalb halten wir sie nur für „eingeschränkt geeignet“. Vitamin-E-Gehalte, die über der von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Tageszufuhr lagen, fanden wir eher unkritisch. Dabei ist jedoch eins zu bedenken: Es kann zu einem Problem werden, wenn durch diverse Nahrungsergänzungen und angereicherte Lebensmittel einzelne Vitamine oft unkontrolliert in hoher Dosierung aufgenommen werden.

Kaum Schadstoffe

Fisch kann durch Umweltschadstoffe aus dem Meer kontaminiert sein. Doch unser Test zeigt: Das Fischöl in Kapseln ist kaum belastet. Kritische Kohlenwasserstoffe, Benzo(a)pyren, Pestizide und Schwermetalle fanden wir kaum. Einen vergleichsweise erhöhten Gehalt an Benzo(a)pyren entdeckten wir in den Kapseln von Feingold, die wir deshalb als „eingeschränkt geeignet“ beurteilt haben.

Arzneimittel Ameu und Eicosan

Die Produkte Ameu und Eicosan sind als Arzneimittel zugelassen. Sie haben den therapeutischen Anspruch, erhöhte Triglyceridwerte im Blut zu senken. Die angegebenen Dosierungen sind deutlich höher als bei den Nahrungsergänzungsmitteln. Und deutlich höher ist auch der Preis der Apothekenprodukte.

In der Zusammensetzung unterscheiden sie sich aber kaum von den Nahrungsergänzungsmitteln, wie der Test zeigte. Auch bei Ameu und Eicosan werden 500 beziehungsweise 750 Milligramm Fischöl – in beiden Fällen ist es Hochseefischöl – von Gelatinekapseln umhüllt. Die EPA- und DHA-Gehalte betragen wie bei den Nahrungsergänzungsmitteln etwa 30 Prozent.

Wie gesetzlich vorgeschrieben, ist den Arzneimitteln ein Beipackzettel beige­fügt. Er listet nicht nur das krankheitsbezogene Anwendungsgebiet auf, sondern auch Gegenanzeigen und mögliche Neben- und Wechselwirkungen.

Nebenwirkungen möglich

Auch beim scheinbar so harmlosen Fischöl sind Neben- und Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen. Die hoch ungesättigten Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA haben beispielsweise Einfluss auf die Blutgerinnung. Wenn sie in hoher Dosierung zusammen mit anderen gerinnungshemmenden Medikamenten wie zum Beispiel Aspirin eingenommen werden, kann sich diese Wirkung verstärken. Es kann zu vermehrter Blutungsneigung kommen. Entsprechende Hinweise wären auch bei den als Nahrungsergänzungsmitteln angebotenen Fischölkapseln ratsam. Nehmen Sie Fischölkapseln in höherer Dosierung nur in Absprache mit Ihrem Arzt ein.

Manchmal zu hohe Dosis empfohlen

Sehr unterschiedlich sind die Dosierungsempfehlungen der Hersteller. Sie empfehlen zwischen einer und sechs Kapseln pro Tag, umgerechnet sind das 241 Milligramm Omega-3-Fettsäuren (Schaebens, eine Kapsel) bis 1 825 Milligramm (Feingold: fünf Kapseln).

Empfohlene Tagesdosierungen, die ein Gramm (1 000 Milligramm) überschreiten, die also über die Zufuhrempfehlungen der Ernährungsinstitutionen hinausgehen, halten wir für eine Nahrungsergänzung zu hoch.

Fisch oder Pillen

Eine optimale Kost würde Nahrungser­gänzungsmittel überflüssig machen. Fisch pur und Pflanzenöle mit reichlich Omega-3-Fettsäuren sind den Präparaten vorzuziehen. Nur vor dem Hintergrund, dass Fisch hierzulande eher selten auf dem Speiseplan steht, dass ihn auch nicht jeder mag oder verträgt, sind Fischölkapseln eine sinnvolle Ergänzung zur täglichen Kost.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Unser Rat

Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.

Kommentare (3)

weitere Kommentare anzeigen

Alle Kommentare anzeigen

Schreiben Sie bitte einen Kommentar

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice