05.04.2012

Finanz­krise: Das müssen Sie wissen

Griechen­land-Krise: Anleger können cool bleiben

Finanzkrise Special

[17.06.2011] Jetzt warnen sogar schon die USA vor einem Crash in Europa, sollte Griechen­land pleite gehen. Ist die Schuldenkrise tatsäch­lich so gefähr­lich? test.de zeigt, welche Folgen die Finanznöte der Griechen für Anleger haben können, die Ihr Geld in Euro-Rentenfonds, Renten-ETFs, Tages­geld und Lebens­versicherungen investiert haben.

Euro-Rentenfonds sind sicher

Noch ist unklar, wie es mit der Hilfe für Griechen­land weiter geht. Sparer, die ihr Geld sicher anlegen wollten und Anteile an Euro-Rentenfonds gekauft haben, verfolgen die Entwick­lung mit Sorge. Euro-Rentenfonds investieren das Geld der Anleger in Staats­anleihen, Unter­nehmens­anleihen und Pfand­briefen, die auf Euro lauten – wobei meist Staats­anleihen aus Euro­land den Schwer­punkt bilden. Doch Rentenfonds Euro sind weiterhin sicher. Die meisten dürfen nur in Anleihen guter Bonität investieren, riskante Papiere sind verboten. Der über­wiegende Anteil des Anlegergelds steckt in sicheren deutschen Staats­anleihen. Grie­chische Anleihen sind in vielen Fonds nicht (mehr) vertreten. Anleger, die Zweifel haben, ob ihr Fonds grie­chische Anleihen enthält, können sich über die Facts­heets der Fonds im Internet informieren, sich bei der Fonds­gesell­schaft erkundigen oder ihren Berater fragen, der ihnen den Fonds verkauft hat.

[07.09.2011] Das Bundes­verfassungs­gericht weist die Klage gegen das erste Griechen­land-Hilfs­paket sowie den im Mai 2010 beschlossenen Euro-Rettungs­schirm ab. Deutsch­land bürgt dabei mit insgesamt rund 170 Milliarden Euro.
Bundes­verfassungs­gericht, Urteil vom 07.09.2011
Aktenzeichen: 2 BvR 987/10, 2 BvR 1485/10, 2 BvR 1099/10

Weniger Sorgen um Italien und Spanien

Sollte Griechen­land seine Schulden nicht mehr bezahlen, könnte die Krise auf andere hoch verschuldete Euroländer über­greifen wie zum Beispiel auf Portugal oder Irland. Noch werten die Rating­agenturen die Anleihen dieser Länder aber nicht als spekulative Papiere. Zur Riege der kritischen Anleihen wurden noch vor einiger Zeit auch Spanien und Italien gezählt. So kam es zur despektierlichen Abkür­zung „PIIGS-Staaten“ für Portugal, Irland, Italien, Griechen­land, Spanien. Mitt­lerweile ist die Sorge an den Finanzmärkten um diese Länder jedoch geringer geworden. Wenn über­haupt, wird eher Spanien kritisch gesehen, Italien weniger. Das zeigt sich auch an der Entwick­lung der Anleihe­kurse dieser Länder (siehe Grafik).

Entwarnung für Renten-ETFs

In unserem Test von börsengehandelten Rentenindexfonds, den so genannten Renten-ETFs, haben wir untersucht, wie hoch der Anteil kritischer Anleihen in den Fonds ist. Grie­chische Anleihen waren lediglich in drei Fonds vertreten, und das auch nur zu einem Anteil am Fonds­vermögen von 3 Prozent. Dagegen betrug der Anteil der Anleihen aller Problemländer bei einigen Fonds bis zu 40 Prozent. Dabei handelte es sich allerdings haupt­sächlich um italienische Papiere. Wir haben die Kurse dieser Fonds stich­proben­artig über­prüft – und können Entwarnung geben. Zumindest bislang macht sich die Zuspit­zung der Krise in Griechen­land kaum bemerk­bar. Wer sicher gehen will, tauscht seinen Renten-ETF mit gemischten Euro­land-Anleihen in einen Renten-ETF, der nur deutsche Staats­anleihen enthält oder nur solche, die mit AAA, der Bestnote der Rating­agenturen, bewertet sind (mehr Infos siehe Produktfinder ETFs/Indexfonds).

Tages­geld nicht betroffen

Wer ein Tages­geld oder ein Fest­geld hat, muss keine Angst um sein Geld haben. In unsere Top-Empfehlungs­listen kommen nur Angebote, deren Einlagensicherung das Kundengeld bis mindestens 100.000 Euro voll­ständig schützt. Häufig ist sogar deutlich mehr gesichert. Anleger, die Zweifel haben, können sich entweder auf der Internetseite ihrer Bank informieren oder in unserem Produktfinder Zinsen.

Versicherungen geben Entwarnung

Auch die Lebens­versicherer investieren in Anleihen. Nach Angaben des Gesamt­verbandes der Deutschen Versicherungen beträgt der Anteil an grie­chischen Anleihen im Durch­schnitt aber nur 0,5 Prozent.

Euro ist weiter stabil

Viele Leute machen sich außerdem Sorgen um die Zukunft und die Stabilität des Euro. Der Wechselkurs des Euro hat unter der Krise gelitten. Im Vergleich zum Dollar hat er nach Ausbruch der Krise im November 2009 an Wert verloren. Auf seinen seit längerer Zeit tiefsten Stand ist er im Juni 2010 gefallen, nachdem die Europäische Union ein Rettungs­paket für alle Euroländer mit Finanz­schwierig­keiten beschlossen hatte. Ein Euro war damals noch 1,20 Dollar wert. Mitt­lerweile bekommt man für einen Euro wieder rund 1,40 Dollar (siehe Grafik). Ein Grund zur Sorge ist beides nicht. In der Zeit nach Einführung des Euro-Bargelds war der Euro weniger wert als ein Dollar. Normaler­weise ist ein schwacher Wechselkurs außerdem ein guter Treiber für den Export, weil Waren aus Euro­land damit im Vergleich zu Waren aus dem Dollarraum güns­tiger werden. Deutsch­land als Export­nation würde von einer Abwertung des Euro demnach profitieren. Dass die Zukunft der Gemein­schafts­währung generell auf dem Spiel stünde, ist zum jetzigen Zeit­punkt reine Spekulation.

Viele setzen auf ein gutes Ende

Unmittel­bar von der Zuspit­zung der Krise betroffen sind Anleger, die Anleihen des grie­chischen Staates direkt halten. Nach Angaben der Direkt­bank comdirect haben Privat­anleger zuletzt vermehrt kurz laufende Griechen­land­anleihen gekauft. Sie spekulieren darauf, dass der Rettungs­schirm funk­tioniert und die EU beziehungs­weise die Steuerzahler Griechen­land vor einer Pleite retten. Geht ihre Wette auf, winkt ihnen eine hohe Rendite. Geht’s schief, ist das Geld möglicher­weise weg. Wer zockt, geht dieses Risiko aber ganz bewusst ein.

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