24.10.2002

Feuchte Keller: Höchste Zeit

Feuchte Keller Meldung

Hochwasser, Rohrbruch, ausgelaufene Waschmaschine, falsches Lüften – in vielen Kellern drohen Feuchte- und Schimmelschäden. Schnelles Handeln ist der beste Schutz.

So viel Aufmerksamkeit wird Kellern selten gewidmet. Die Bilder der gefluteten Häuser in Sachsen und entlang der Elbe gingen rund um die Welt. Feuerwehrmänner mit ihren Pumpen wurden zu Medienstars. Inzwischen sind die voll gelaufenen Keller längst leer gepumpt und die Kameras laufen anderswo. Doch Gefahren drohen immer noch: Im Mauerwerk etlicher Gebäude steckt viel zu viel Feuchtigkeit.

Der zu hohe Wassergehalt in Baumaterialien ist ein oft unterschätztes Problem. Auch nach Rohrbrüchen und Havarien von Waschmaschine oder Geschirrspüler geben sich viele Menschen mit oberflächlicher Trocknung zufrieden und vernachlässigen das in die Tiefe eingedrungene Nass. Ähnliches gilt auch für Baufeuchte: In frischem Beton, Mörtel oder Estrich stecken oft noch ungeahnt große Wassermengen. Moderne Fenster- und Türdichtungen blockieren aber manchmal schon in der Bauphase den dringend erforderlichen Luftaustausch.

Das Motto „Irgendwann wirds schon von allein wieder trocknen“ ist ein schlechter Ratgeber. Vor allem wenn Hunderte Liter Wasser im Mauerwerk stecken oder gar unter einen schwimmenden Estrich gekrochen sind.

Schimmel bekämpfen

Wer die Feuchtigkeit ignoriert, lebt gefährlich. Jeder Tag mit feuchten Wänden und feuchten Einrichtungsgegenständen erhöht das Risiko eines Schimmelpilzbefalls, warnt das Umweltbundesamt: Die Sporen können „Allergien mit heuschnupfenähnlichen Symptomen und Asthma sowie Kopfweh, Fieber, Haut- und Schleimhautreizungen auslösen.“ Durchnässte Wände und Böden sind ein idealer Nährboden für Schimmelpilze.

Wo Schimmelpilze als weiße, grüne, braune oder schwarze Flecken und Beläge wuchern, muss sofort gehandelt werden. Und zwar auch in unbewohnten Kellern, denn über Ritzen und Treppenhäuser können die Sporen leicht in dar­über­lie­gende Wohnräume wehen.

Die Stiftung Warentest hat verschiedene Anti-Schimmel-Mittel getestet. Testsieger waren die Sprays von Obi/Classic, Faust und FLT (je 8,50 Euro pro 500 Milliliter). Als Hausmittel hat 70-prozentiger Alkohol in der Wirksamkeit mit „sehr gut“ abgeschnitten.

Tipp: Füllen Sie den Alkohol in eine Sprühflasche, das erleichtert die Anwendung. Befallene Flächen lassen sich auch mit einem alkoholgetränkten Tuch betupfen und abwischen. Wichtig: Gut lüften und nicht rauchen – sonst kommt nicht nur der Schimmel zu Schaden.

Den Schimmel direkt zu bekämpfen, ist wichtig. Doch um die gefährlichen Pilze endgültig besiegen zu können, muss ihnen der Nachschub abgeschnitten wer­den. Ohne Wasserversorgung kommt die Schimmeloffensive zum Erliegen. Nur die Trockenlegung der Wohnung kann auf Dauer zuverlässig verhindern, dass die Schimmelpilze sich erneut ausbreiten. Chemische Keulen (zum Beispiel Schimmelgifte in Farbzusätzen) sind dafür kein Ersatz – und können obendrein die Gesundheit belasten.

Das Wasser muss raus

Normalerweise lässt sich eine Wohnung durch richtiges Lüften vor zu viel Feuchtigkeit schützen. In nassen, kühlen Kellern klappt das aber nicht. Schuld ist die Physik: Im Keller ist es kalt und kalte Luft nimmt viel weniger Wasser auf als warme. So enthält ein Kubikmeter Luft, die nur 10 Grad Celsius kühl ist, maximal 9 Gramm Wasser. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die von außen hereinströmende Luft selten trocken ist, sondern auch Wasser mitbringt. Zum Beispiel wären 10 000 Kubikmeter Luft erforderlich, um 10 Liter Wasser (ein Eimer voll) aus dem Keller zu entfernen – wenn jeder Kubikmeter im Durchschnitt nur ein Gramm Wasser aufnimmt.

Viel besser funktioniert der Feuchtetransport, wenn die Luft zum Beispiel 22 Grad Celsius warm ist und mit 19 Gramm pro Kubikmeter mehr als doppelt so viel Wasser wie 10 Grad kalte Luft enthalten kann. Um effizienter zu lüften, gibt es deshalb ein einfaches Mittel: Wärme.

Energiesparend trocknen

Heizstrahler und -lüfter sind die simpelsten Hilfsmittel, um einen Wasserschaden zu bekämpfen. Die Methode hat allerdings einen großen Nachteil: Je mehr feuchtwarme Luft aus den Fenstern herausgelüftet wird, desto mehr gehen die Energiekosten ins Geld.

Tipp: Besser sind Kondensationstrockner, bei denen die Wärme im Haus bleibt und das Wasser über den Abfluss verschwindet. Sie arbeiten im Prinzip wie Kühlschränke, deren Türen offen stehen: Die Luftfeuchtigkeit kondensiert am kalten Wärmetauscher und fließt in ein Auffanggerät. Je nach Leistung kann ein professionelles Gerät ohne weiteres 10 bis 20 Liter Wasser pro Tag sammeln.

Aufruf an unsere Leser: Falls Sie versucht haben, die Feuchtigkeit mit einem zweckentfremdeten Kühlgerät zu bekämpfen, dann teilen Sie uns doch bitte Ihre Erfahrungen mit.

Teures Nass

Aufwendigere Arbeiten sind allerdings erforderlich, wenn dauerhaft Grundwasser oder Sickerwasser ins Mauerwerk gelangt und in den Wänden nach oben steigt. Dann müssen zum Beispiel die gesamten Kelleraußenwände freigelegt wer­den, um sie nachträglich mit Bitumen abzudichten und zu dämmen.

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