22.02.2011

Fernverkehr mit Linienbussen: Per Bus durchs Land

Fernverkehr mit Linienbussen Special

Busunternehmer warten schon länger auf die Liberalisierung des Fernverkehrs. 2012 soll es soweit sein. test.de zeigt, auf welchen Strecken Reisende schon heute günstig mit dem Bus fahren können.

Fernbusse in Deutschland noch die Ausnahme

In den USA heißen sie „Greyhound Bus“. Es gibt sie in Schweden, Spanien und Portugal sowie Großbritannien. In Deutschland hingegen sind nationale Fernbus-Verbindungen noch relativ selten. Mit der Liberalisierung dieses Marktes wird sich das wahrscheinlich ändern Hintergrund: Fernbusverkehr in Deutschland. Doch schon jetzt können Reisende per Bus durchs Land fahren.

Weniger Geld, dafür mehr Zeit

Fernbusse sind in der Regel eine günstige Alternative zu Auto, Bahn und Flugzeug. Ein Beispiel: Der Normalpreis im ICE von Berlin nach Hamburg liegt derzeit bei 70 Euro. Für die selbe Strecke im Bus werden nur 27 Euro fällig. Weniger Kosten, dafür verlängert sich die Reisezeit. Der Bus braucht für diese Fahrt knapp doppelt so lange wie der ICE. Wer nicht unter Zeitdruck steht, kann mit dem Fernbus seine Reisekasse schonen.

Aussteigen ja, einsteigen nein

Eine Besonderheit gibt es bei Verbindungen von und nach Berlin. Reisende dürfen zwar vor dem eigentlichen Zielort aussteigen, aber nicht unterwegs zusteigen. Fahrgäste dürfen zum Beispiel auf der Strecke Berlin-Düsseldorf zwischendurch in Bielefeld aussteigen. Dort zusteigen, um nach Düsseldorf zu fahren, ist allerdings verboten. Verantwortlich für diese absurde Situation ist das Personenbeförderungs-Gesetz aus den 1930er Jahren. Hintergrund: Fernbusverkehr in Deutschland

Aktionspreise und Rabatte

Vergleichbar zu Airlines, bieten viele Busunternehmen vergünstigte Tickets zu besonderen Konditionen an. Beim größten Fernbusanbieter, der Bahn-Tochter Berlin Linien Bus, gibt es Fahrscheine bereits ab neun Euro. Die Bedingungen: Buchung eine Woche vor Reiseantritt, keine Umbuchung oder Stornierung möglich und nur für ausgewählte Strecken. Wie auch bei Fluggesellschaften ist die Anzahl solcher Aktionstickets begrenzt. Das Frankfurter Busunternehmen Touring bietet ebenfalls vergünstigte Tickets für neun Euro an, die nicht erstattet werden. Bei vielen Busunternehmen wird die Reise außerdem günstiger, wenn Hin- und Rückfahrt gleichzeitig gebucht werden. Kinder, Studenten und Senioren können zusätzlich sparen: Für sie gibt es oft spezielle Ermäßigungen auf den normalen Fahrpreis.

Gebühren für Gepäck und Umbuchung

Das Handgepäck kostet meistens nichts, bei den Koffern kann das anders sein. Berlin Linien Bus beispielsweise verlangt für einen normalen Koffer einen Euro. Bei Touring fährt der erste Koffer umsonst mit. Der Transport zusätzlicher Gepäckstücke kostet hier fünf Euro. Reisende, die ihren Fahrschein umbuchen müssen, kommen oftmals um eine Gebühr nicht herum. Touring verlangt dafür eine Bearbeitungsgebühr von fünf Euro. Berlin Linien Bus möchte für die Stornierung oder Umbuchung 15 Prozent des Ticketpreises, mindestens aber fünf Euro.

Wo gibt es Tickets für die Fernbusse?

Die meisten Busunternehmen bieten mittlerweile eine Online-Buchung über ihre jeweilige Web-Seite an. Wer das nicht möchte, kann die Tickets telefonisch bestellen. Teilweise können die Tickets auch am Tag der Abfahrt direkt beim Busfahrer gekauft werden. Größere Anbieter haben zudem Vorverkaufstellen oder Reisebüros, die Fahrscheine ausstellen. Die Anbieter informieren auf ihren Web-Seiten über den Ticketverkauf.

Tabelle Fernbusverbindungen von und nach Berlin
Tabelle Fernbusverbindungen zu anderen Zielen

Die Mitfahrzentrale für den Bus

In Deutschland gibt es zur Zeit noch keinen flächendeckenden Fernbusverkehr. Es ist jedoch möglich, auch auf individuell festgelegten Strecken mit dem Bus zu reisen. deinbus.de funktioniert wie eine Mitfahrzentrale für Busse. Leute verabreden sich im Internet für eine Fahrt. Kommen genug Reisende zusammen, organisieren die Betreiber einen Bus für diesen Tag. Derzeit ist die Streckenauswahl bei deinbus.de noch begrenzt. Zudem haben die Interessenten keine Gewähr, dass die Fahrt auch tatsächlich zustande kommt. Aber: Je mehr Leute bei deinbus.de mitmachen, desto mehr Fahrten werden stattfinden.

[Update: 20.04.2011] Deinbus gewinnt gegen die Bahn

Das Startup Yourbus, Betreiber von deinbus.de, hat vor Gericht gegen die Deutsche Bahn gewonnen: Das Landgericht Frankfurt hat am Mittwoch, 20.04., eine Klage der Deutschen Bahn gegen das Geschäftsmodell von deinbus.de abgewiesen. Strittig war, ob es sich bei dem Angebot von deinbus.de um – so die Bahn – Linienverkehr oder – so Yourbus – Gelegenheitsverkehr handelt. Die Richter entschieden aber nicht in der Sache, sondern wiesen die Klage der Deutschen Bahn aus formalen Gründen ab. Damit kann die Internetplattform deinbus.de weiterhin Busreisen in der oben beschriebenen Art vermitteln.

Landgericht Frankfurt, Urteil vom 20. April 2011
Aktenzeichen: 3–11 O 83/10

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