Beine hoch und berieseln lassen. Können Fernsehfreunde das auch ganz entspannt bei modernen Flachbildschirmgeräten tun? Wohl nicht, wenn sie die immens hohen Preise sehen. Auch in der Qualität haben herkömmliche Apparate noch die Nase vorn.
Flach ist schick und komfortabel. Das Interesse an Fernsehgeräten mit Flachbildschirm wächst. Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin wurde es gerade wieder deutlich. Etliche Hersteller rührten kräftig die Werbetrommel, um die Aufmerksamkeit des Publikums auf die teuren Flachmänner zu lenken. Dabei zogen die LCD-Geräte erstmals in der Größe mit den bisher favorisierten Plasmabildschirmen gleich. Der Begriff LCD (Liquid Cristal Display: Flüssigkristallanzeige) war bisher hauptsächlich in der Computertechnik zu Hause. Nach Meinung von Fachleuten dürfte es in etwa fünf Jahren mehr Flunderfabrikate als riesige Röhrenfernseher geben. Voraussetzung: Die Flachen werden noch viel billiger und besser.
Systemvergleich: LCD kontra Röhre
Wir hatten jetzt drei LCD-Modelle im Test. Sie haben nur eine Bilddiagonale von zirka 56 Zentimetern, kosten jedoch mit 2 300 bis 2 830 Euro mindestens doppelt so viel wie die geprüften 100-Hertz-Geräte mit größerem Bild – sieben Fabrikate mit rund 70 Zentimetern im 4:3-Format und sechs mit 82 Zentimetern im 16:9-Format, das fürs menschliche Auge die natürlichere Sichtweise bietet.
LCD-Bildqualität: Enttäuschend
Um es gleich vorwegzunehmen: Die LCD-Fernseher enttäuschten in der Bildqualität. Darin hinken sie den meisten konventionellen Apparaten noch hinterher. Die vorwiegend systembedingten Schwächen fielen besonders bei unserem Sehtest auf. Alle fünf Experten beklagten zum Beispiel teilweise Bonbonfarben, flaue Kontraste und recht eingeschränkte seitliche Betrachtungswinkel. Das heißt: Wer nicht direkt vor der Mattscheibe sitzt, sondern etwas seitlich versetzt, dürfte am Fernsehen schon weniger Spaß haben. Das trifft auch beim Anschauen von Filmen auf DVD zu, doch die Videoscheiben liefern allgemein eine bessere Bildqualität als jede TV-Sendung.
Ein weiteres Manko der LCD-Technik sind die so genannten Bewegungsartefakte. Das bedeutet: Bei schnellen Bildbewegungen, zum Beispiel bei Fußballspielen oder Pferderennen, kommen die bunten Pixel (Bildpunkte) nicht mehr hinterher, sondern verschwimmen zusehends. Unansehnliche Folge: Der grüne Rasen vergraut buchstäblich. Dieser Missstand ist nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls zu beobachtenden Bildnachziehen bei einigen Geräten der beiden anderen Testgruppen. Vor allem bei Quelle/Universum, Grundig MFW 82-2310/8 TOP und dem kurzzeitigen Aldi-Aktionsangebot Medion MD 8215 SF-A. Diese Modelle scheinen noch nicht ganz die typischen Kinderkrankheiten der modernen – fast flimmerfreien – 100-Hertz-Technik überwunden zu haben: Rasche Kameraschwenks und rasante Bilder verursachen den bekannten Kometenschweifeffekt, der speziell bei Ballsportübertragungen sichtbar stört.
Verwunderlich: Ausgerechnet Sharp, ein LCD-Pionier, der die Flüssigkristalltechnik für Fernsehschirme am lautesten propagiert, hinterließ mit seinem LC-Testmodell 22SV2E den trübsten Bildeindruck – neben Medion. Das gefälligste Bild der LCD-Fraktion bot der mit 2 830 Euro teuerste Apparat Panasonic TX-22LT2F. Wer also seltener Sportveranstaltungen oder Actionfilme anguckt, tut mit ihm einen passablen Griff.
LCD-Fernseher: Wenige Vorzüge
Abgesehen von der grundsätzlich Platz sparenden Bauart und dem geringen Gewicht der LCD-Fernseher haben sie gegenüber den tief ausladenden schweren Röhrengeräten bislang nur zwei wesentliche Vorteile: Sie sind problemlos aus der Nähe zu betrachten und verbrauchen wenig Strom. Schwerwiegender sind die Nachteile, insbesondere die noch wahnwitzig hohen Preise: Für Modelle mit größeren Bildschirmen als die von uns untersuchten sind leicht an die 10 000 Euro hinzublättern, für Otto-Normalverbraucher quasi ein Unding.
Aber auch die herkömmlichen 100-Hertz-Fernseher kosten nicht gerade einen Spottpreis. Mit 700 Euro am billigsten war noch der 16:9-Fernseher von Medion bei Aldi. Seine „befriedigende (3,4)“ Bildqualität war freilich noch weniger berauschend als die der LCD-Geräte (siehe Tabelle). Da die übrigen Gruppenurteile – Ton, Videotext,Handhabung und Umwelteigenschaften – ebenfalls nur mäßig ausfielen, kam Medion auch in der Endnote nicht über ein „Befriedigend (3,0)“ hinaus.
Bestes Bild: Loewe und Sony
Mit dem besten Bild aller untersuchten Fabrikate – „gut (2,3)“ – glänzten beide Loewe-Modelle und Sony. Ein „gutes“ test-Qualitätsurteil erzielten letztlich nur vier 70-Zentimeter- und drei 82-Zentimeter-Röhrenfernseher. In der ersten Gruppe hat Panasonic TX-29PS10D (920 Euro) mit der Note 2,2 die Nase vorn, in der zweiten Loewe Aventos 3781 ZW (Note 2,3) für beachtliche 1 480 Euro.
16:9: Für Spielfilmfreunde
Der meist höhere Preis für die größeren 16:9-Geräte lohnt sich in erster Linie für Spielfilmfreunde, die öfter mal eine DVD mit ihren Lieblingsstars einschieben. Zusammen mit einer voluminösen Surroundsound-Anlage wird durch das Breitbild dann eine nahezu echte Kinoatmosphäre ins Wohnzimmer gezaubert. Die noch überwiegend im 4:3-Format ausgestrahlten TV-Sendungen erscheinen auf den 82-Zentimeter-Schirmen der 16:9-Fernseher kleiner (höchstens 66 Zentimeter) und mit schwarzen Balken an den Seiten. Das Bild lässt sich zwar auf Vollformat aufzoomen, was aber nicht nur die Auflösung und somit die Schärfe verringert, sondern auch unschöne Verzerrungen verursacht oder oben und unten Bildinhalte, zum Beispiel Untertitel, verschwinden lässt.
Tipp: Wenn eine DVD auf einem 4:3-Schirm nur verzerrt wiedergegeben wird, sollten Sie den DVD-Spieler auch auf 4:3-Format umstellen.
Eine pfiffige Besonderheit ist bei Sharp 32JF-74E erwähnenswert. Hier passt ein Regler – Ecoswitch genannt – den Kontrast automatisch an die Helligkeit des Umgebungslichts an. So erhält man beispielsweise auch bei plötzlicher Sonneneinstrahlung ohne eigenes Zutun ein kontrastreiches Bild. Obendrein wird dadurch Strom gespart.
Tonqualität: Nur zweimal Spitze
Der kleine LCD-Bruder von Sharp belegte in der meist sehr anständigen Tonqualität mit dem befriedigenden Urteil 3,4 den letzten Platz. Ganz vorn auf der Notenskala rangieren mit „sehr gutem“ Klang Loewe Aventos 3781 ZW und Grundig MFW 82-2310/8 TOP. Ihre optimalen Noten im Hörtest wurden auch durch Messungen am Verstärkerteil bestätigt.
Der in manchen Fällen versprochene Surroundsound ist unseren Prüfingenieuren zufolge höchstens ein schlechter Werbegag. Wer Wert auf satteren Ton legt, kann jederzeit eine HiFi-Anlage mit mehreren Lautsprecherboxen anschließen. Ebenso lassen sich grundsätzlich auch DVD-Spieler, Videorekorder und Camcorder an jedes Fernsehgerät ankoppeln.
Videotext: Flotter als früher
Im Vergleich zu früheren Tests von Fernsehgeräten ist der Videotext schneller geworden. Der häufig nervende Suchlauf zu den gewählten Seiten dauert nicht mehr so lange. Besonders flott (Geschwindigkeit „sehr gut“) bauen sich die Seiten beim Thomson 29DZ610 S auf. Die schwächste, immerhin aber noch „befriedigende“ Videotext-Beurteilung ernteten Sharp 32JF 74E und Aldi/Medion. Die übrigen Geräte bewegten sich im guten Mittelfeld, auch was Lesbarkeit, Auflösung und Kontrast des Textes betrifft.
Handhabung: Nur dreimal gut
Das Prädikat „befriedigend“ beherrscht auch die Handhabung. Nur drei Produkte schnitten in diesem Prüfabschnitt „gut“ ab: beide Panasonic-Modelle und Sony KV-32FQ70. Das Zappen mit der Fernbedienung bescherte den Geräten die meisten Minuspunkte. Das heißt konkret: In sechs Fällen war das Umschalten von einem Programm zum anderen zu langsam. Verschiedentlich ließen auch die Gebrauchsanleitung, das Bildschirmmenü, die Installation und der Grundbetrieb, also die täglichen Einstellungen der Apparate, zu wünschen übrig.
Umweltaspekte: Nur zwei gute
In den Umwelteigenschaften erreichten nur zwei Prüfkandidaten „gute“ Noten: Philips 29 PT 8608/12 und Sharp LC-22SV2E. Bei letzterem bestimmte vor allem der relativ niedrige Stromverbrauch das Bild. Die beiden restlichen LCD-Modelle Panasonic und Samsung mussten sich mit „ausreichenden“ Umwelteigenschaften begnügen, weil wir bei ihnen halogenhaltige Flammschutzmittel fanden. Das Recycling der Fernsehgeräte wird übrigens bald erleichtert: Am 1. Januar 2004 tritt voraussichtlich eine gesetzliche Rücknahmepflicht in Kraft.
Eine weniger frohe Kunde gibt es für Freunde des digitalen Antennen-Fernsehens: Noch kein Fabrikat besitzt einen Digitaltuner (DVB-T). Nachrüstbar sind bisher nur wenige Modelle.
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