29.08.2002

Fahrradbeleuchtung: Mehr Schatten als Licht

Fahrradbeleuchtung Test

Experten-Bonmot: Was ist am neuen Fahrrad das Wichtigste? Die Beleuchtung sofort abmontieren und eine neue nachrüsten. Unser Test zeigt Radlern Wege zur Erleuchtung.

Im erbitterten Preiskampf montieren Hersteller und Händler tatsächlich sogar an hochwertigen Rädern oft nur die billigsten Lampen. Hauptsache, dem Paragrafen 67 der Straßenverkehrs­zulassungsordnung (StVZO) ist Genüge getan. „Plünnkram“ nennt man solche Erstausstattungen verächtlich beim Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), der in Bremen ansässig ist.

Aber auch die Kunden scheinen die Beleuchtung eher als notwendiges Übel anzusehen, vor allem später im Alltag: Ein Drittel aller Radfahrer, schätzt der ADFC, ist im Dunkeln ohne Beleuchtung unterwegs. Das kann auch nur so sein, wenn man einmal auf einem Fahrradstellplatz den Zustand der Beleuchtungen auf sich wirken lässt: Von Dynamos verlassene Halterungen, herabhängende Scheinwerfer, zerknautschte Rückleuchten oder ins Leere führende Kabelenden.

Kritische Fahrradkunden und verantwortungsbewusste Nachrüster haben es im unübersehbaren Angebot jedoch nicht leicht. Wir haben uns unter stark gefragten Beleuchtungskomponenten umgesehen, deren Werbung den letzten Stand der Technik verspricht: Wir sind auf mehr Schatten als Licht gestoßen.

Die Stromerzeuger

Fahrradbeleuchtung Test

Schwächstes Glied in der Beleuchtungskette Dynamo, Scheinwerfer, Rückleuchte sind meist die Stromerzeuger: Viele führen sich als kräftezehrende Ausbeuter auf, was sie sogar dürfen, weil die Prüfvorschriften einen Mindestwirkungsgrad von nur 30 Prozent fordern. 70 Prozent der Antriebsenergie können also der Erzeugung nutzloser Reibungswärme dienen. Das sind Leistungswerte aus der Dampfmaschinenzeit. Noch früher, etwa in der Zeit der Galeerenschinderei, wären die getesteten 6-Volt-Seitendynamos von Aufa, Jenymo und Basta anzusiedeln – mit ihrem gemessenen durchschnittlichen Wirkungsgrad von 26 Prozent.

Überzeugende Leistungen boten nur der Seitenläufer B + M Dymotec S6 mit 53 Prozent Wirkungsgrad und der Nabendynamo Shimano Nexus Auto L mit 68 Prozent. Wobei das hohe Gewicht der Dynamo-Nabe (rund 700 Gramm) sportliche Fahrer eher abschrecken dürfte. Und wer mit ihr nachrüstet, muss eine neue Einspeichung in Kauf nehmen. Dennoch gehört dieser Technik sicherlich die Zukunft, weil herkömmliche Seitenläufer mit den systembedingten Vorteilen nicht mithalten können. Allein die Witterungsunabhängigkeit der verkapselten Nabendynamos lässt sie im Regen stehen, auch wenn einige Hersteller Schlechtwetterrollen zum Austausch anbieten; aber an dem drahtigen Kompromiss besteht Verletzungsgefahr, befanden unsere Prüfer. Bei den Seitendynamos sind die Lauf­rollen erfahrungsgemäß verschleißan­fällig. Das gilt auch für Riemenantriebe von Speichendynamos. Der 6-Volt-Aufa-Speichendynamo zeigte sich im Test schwergängig und wenig leistungsfähig.

Bis auf die Modelle von Aufa und Jenymo (Steckverbindungen mit Steckerstift und Kabelschuh) haben alle Dynamos solide dauerhafte Steckverbindungen zur Schnellmontage ohne Werkzeug. Steckerstifte und Kabelschuhe überwiegen auch an Scheinwerfern und Rückleuchten. Aufa gönnt allerdings seiner Dynamo-Rückleuchte nur eine einfache Quetschverbindung für abisolierte Litze. Die Änderung des StVZO-Paragraphen wird übrigens ein Zweileitersystem für Fahrräder vorschreiben, damit die störanfällige Stromrückleitung über Schutzblech, Rahmen und Gabel ein Ende hat. Das setzt doppelte Kabelanschlüsse an den Komponenten voraus.

Wer sich ein solides Alltagsrad zulegt, das er auch in der nassen und dunklen Jahreszeit regelmäßig nutzen will oder muss, tut sich und anderen Verkehrsteilnehmern mit dem unempfindlichen Nabendynamo einen Gefallen. Bei einem Sport- oder Freizeitrad, das den größeren Teil der Winterzeit im Keller verbringt, ist ein Seitenläufer mit gutem Wirkungsgrad eine vertretbare Lösung.

Hoffnung auf 12 Volt?

Fahrradbeleuchtung Test
So kommen Radler sicher ans Ziel.

Die immer noch nicht in Kraft getretene Änderung des Paragraphen 67 der StVZO sieht die Zulassung von 12-Volt-Lichtanlagen an Fahrrädern vor. Bis zur Genehmigung dürfen diese Beleuchtungen per Ausnahmeregelung betrieben werden. Wir hatten in den Test eine Anlage von Aufa einbezogen, die aber inzwischen nicht mehr angeboten wird. Der Speichendynamo unterschritt den geforderten Wirkungsgrad von 50 Prozent um fast ein Fünftel. Die von B + M bereits in der Werbung angekündigte 12-Volt-Anlage werden wir auf den Prüfstand schicken, sobald sie auf dem Markt ist.

Die Scheinwerfer

Aus den von der StVZO vorgeschriebenen mageren 6 Volt Spannung und 3 Watt Leistung (2,4 Watt für den Scheinwerfer, 0,6 Watt für das Rücklicht) eine wirkungsvolle Beleuchtung für den Straßenverkehr zu zaubern, daran haben sich schon viele Konstrukteure ihre Köpfe zerbrochen. Mit wenig Erfolg: Zwar schnitten von unseren sechs Scheinwerfern im Test immerhin vier mit „gut“ ab. Aber die beiden B + M-Produkte schafften das nur, weil sie ein „gut“ funktionierendes Standlicht bieten. In der Helligkeitsverteilung lösen Aufa Freiform-Halogen und Basta 9430 HS 3 den notwendigen Kompromiss zwischen hellem Lichtbündel und möglichst großem Lichtfeld am besten.

Verwundert hat uns aber, dass es Herstellern ausgefuchster Lichttechnik offensichtlich Probleme bereitet, wasserdichte Gehäuse zu bauen. Bis auf Aufa Freiform-Halogen und Basta 9430 HS 3 ließen alle Dynamoscheinwerfer mehr oder weniger Nässe eindringen, die aber meist durch Löcher im Gehäuse wieder abläuft und die Funktion nicht beeinträchtigt.

Die Rückleuchten

Dank langlebiger Diodentechnik sollten Rückleuchten inzwischen der unproblematischste Teil der Fahrradbeleuchtung sein, samt Standlicht für die kleine Pause zwischendurch an der Ampel. Aber nur die B + M D Toplight senso multi erfüllte im Test die Anforderungen an Helligkeit und Lichtverteilung „sehr gut“. Die Hella-Leuchte erreichte die Kennwerte nur knapp, Axa Optica 1 und B + M D Toplight plus gaben in der seitlichen Abstrahlung nur schwaches Licht.

Beim Aufa mit Standlicht monierten die Prüfer den deutlichen Helligkeits­verlust im Stand und die Montage der Leuchte am Schutzblech: Ohne Schutzbügel wird sie im rauen Alltag auf dem Fahrradparkplatz oder im engen Keller schnell ein Opfer von Rempeleien.

Das B + M D Toplight senso multi eignet sich wegen des Hell-dunkel- und Bewegungssensors zusammen mit dem entsprechenden B + M-Scheinwerfer für eine automatisch ein- und ausschaltende Anlage, wenn ein dauernd mitlaufender Nabendynamo den Strom liefert.

Licht aus Batterien und Akkus

Batteriebetriebene Scheinwerfer und Rückleuchten spielen zwar im Handel eine erhebliche Rolle – vor allem wegen der Sport- und Geländeräder. Als alleinige Beleuchtung sind sie aber nur zugelassen für Sporträder mit einem Gewicht von maximal 11 Kilogramm und für Geländeräder bis 13 Kilogramm. An anderen Rädern dürfen Batteriebeleuchtungen nach der StVZO zwar verwendet werden, müssen aber darüber hinaus eine funktionierende Dynamo-Anlage haben.

Eindeutiger Vorteil der Batterie- oder Akku-Leuchten ist ihr permanentes Standlicht, Nachteil die begrenzte Kapazität der Stromspeicher. Häufige Fahrten mit Batterielicht gehen ins Geld, und umweltfreundlich ist Batterieentsorgung immer noch nicht. Von den acht Scheinwerfern im Test erreichten nur zwei ein „Gut“, von den sechs Rückleuchten waren es drei. Als Besonderheit im Test speist der Sigma-Sport Set Mirage die Leuchten über Kabel aus einem fast 900 Gramm schweren Akkublock, der in der Halterung für die Trinkwasserflasche mitfährt.

Gesehen werden

Gesehen werden ist für Radfahrer besonders in der dunklen Jahreszeit lebenswichtig, deshalb sind zusätzliche Reflektoren an der Kleidung nützlich. Rückstrahlende Materialien bis hin zur „dekorierten“ Radlerkleidung sind im Fachhandel in vielen Varianten zu haben.

Die zuhauf angebotenen elektronischen Blink- und Flimmeranlagen irritieren im Straßenverkehr eher und haben am Fahrrad nichts zu suchen. Blinken sollte als Warnsignal weiterhin nur abbiegenden Kraftfahrzeugen, der Polizei und Rettungswagen erlaubt sein.

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