24.04.2003

Fahrradanhänger für Kinder: Kinderkutschen

Fahrradanhänger für Kinder Test

Von wegen lästiges Anhängsel. Moderne Fahrradanhänger bieten Komfort, Sicherheit und Fahrspaß für Eltern und Kids. Aber: Die Qualitäts- und Preisunterschiede sind groß.

Kleine Kinder sind kein Grund, aufs Radeln zu verzichten. Im Gegenteil: Viele Touren machen mit ihnen doppelten Spaß. Einen Test von Kindersitzen, die sich am Rad montieren lassen, haben wir bereits veröffentlicht. Alternativ können Eltern ihre Kleinen im Anhänger mitnehmen. Vorteil: Eltern und Kinder haben mehr Bewegungsfreiheit, die Kleinen sitzen meist komfortabler, sind vor Wind und Wetter geschützt. Bei einem Unfall fallen sie nicht vom Rad, sondern sind wie in einer „Schutzzelle“ etwas sicherer.

Während ein guter Kindersitz aber schon für 50 Euro zu haben ist, kostet ein Anhänger (mit Platz für zwei Kinder) schon deutlich mehr: unsere elf Modelle zwischen 249 und 1 130 Euro.

Die beiden Teuersten sind schlecht

Überraschendes Ergebnis: Nicht nur der billigste, sondern auch die beiden teuersten Anhänger schnit­ten schlecht ab. Obwohl die Teuren eigentlich als Favoriten ins Rennen gegangen waren. Denn für den stolzen Preis versprechen ihre Anbieter ein Plus an Sicherheit – und zwar eine Auflaufbremse, die den Hänger quasi selbstständig zum Stehen bringt, wenn das voranrollende Fahrrad bei Gefahr scharf abgebremst wird. Eine gute Idee. Doch die Bremsanlage des Leggero Cuatro 2 entpuppte sich als weitgehend wirkungslos, weil die Auflaufeinrichtung nicht funktionierte. Außerdem versagte das Kinder-Rückhaltesystem, sodass der ansonsten recht gute Anhänger nur „mangelhaft“ genannt werden konnte.

Kurios sind die Testergebnisse des Weber Ritschie 2. Die Version ohne Bremse schaffte es an die Spitze unserer Tabelle. Das bauähnliche Modell mit Bremse ließ sich bei Gefahr zwar tatsächlich besser stoppen, aber ansonsten erwies sich die Konstruktion als Verschlimmbesserung: Bei hoher Geschwindigkeit und Schlingerbewegungen geriet der Transporter bedrohlich ins Schwanken. Grund ist die kurze Deichsel mit dem Gelenk hinter dem Hinterrad.

Der Hersteller sollte hier dringend nachbessern. Bis dahin ist zumindest Weber Ritschie 2 in Normalversion eine gute Wahl. Denn wer seinen Kindern viel Komfort bieten will, findet unter den getesteten keinen besseren Anhänger. Die kindgerechte Gestaltung, der Sitzkomfort sowie der Hitze- und Wetterschutz lassen kaum einen Wunsch unerfüllt.

Tipp: Einige Hersteller bieten Sonderausstattungen, die den Komfort verbessern.

Zweiteilige Kupplungen meist besser

Dass Qualität ihren Preis hat, merkten unsere Prüfer auch an anderen Stellen. So fanden sie simple einteilige Kupplungen, die bei jeder Fahrt relativ aufwendig am Fahrrad befestigt werden müssen und nicht immer die Gewähr für eine sichere Verbindung bieten. Andere Anhänger verfügen über zweiteilige Systeme (an Fahrrad und Hänger), die meist praktischer und sicherer sind. Einen ordentlichen Eindruck hinterließ insbesondere die Weber-Kupplung. Sie wird auch in Kombination mit einem hinteren Fahrradständer angeboten, der beim Abstellen für Stabilität sorgt. Aber nicht jede Kupplung passt an jedes Fahrrad.

Tipp: Nehmen Sie deshalb immer das eigene Fahrrad mit zum Händler, wenn Sie einen Anhänger kaufen wollen.

Übrigens: Alle Fahrradanhänger werden heutzutage im unteren Bereich des Fahrradrahmens angekuppelt. Das garantiert bei einer Notbremsung mehr Stabilität als die früher oft übliche Verbindung hinter der Sattelstütze. An anderer Stelle sparen die Anbieter leider auch heute noch an der Sicherheit. Einige Reflektoren baumeln zum Beispiel nur an der Plane, und fest montierte Batterie-Rücklichter hat nur ein einziges Modell (Lokari) zu bieten. Noch besser wäre übrigens ein zuverlässig vom Fahrraddynamo versorgtes Rücklicht.

Tipp: Wer seinen Anhänger in Eigenregie nachrüsten muss, sollte den Test Fahrradbeleuchtung lesen.

Kommt es hart auf hart, kann das Kinder-Rückhaltesystem überlebenswichtig sein. Doch im Belastungstest erwiesen sich drei Modelle als zu unsicher. Zweimal gingen die Gurte entzwei. Und beim Leggero verbog sich das Sitzgestell.

Auf solide Bodenwanne achten

Einige Konstrukteure haben den Schwerpunkt ihrer Anhänger „tiefer gelegt“ – prinzipiell ein sinnvoller Beitrag zur Kippsicherheit. Allerdings nur bei einem stabilen Boden. Wenn zwischen Kinderfüßen und Steinen oder Wurzeln nur eine flexible Textilbespannung hängt (besonders beim Kool-Stop), steigt die Verletzungsgefahr. Hingegen verbessert eine solide Bodenwanne den Schutz nach unten. Hinzu kommt, dass sich solche Anhänger oft auch für den Lastentransport eignen.

Tipp: Einige Anhänger lassen sich auch zum Schiebebuggy umrüsten – und taugen dann sogar fürs Skaten. Achten Sie auch darauf, dass sich der Anhänger optimal als Ein­kaufs­transporter eignet. Denn eins ist klar: Sind die Kinder für den Anhänger zu groß geworden, muss man doch um so mehr Essen und Getränke heranschaffen. Ein guter Anhänger hilft auch dabei.

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