21.05.2004

Essen auf Rädern: Probleme mit Fett und Salz

Essen auf Rädern Test

Viel Fett, viel Salz, wenig Kohlenhydrate: Essen auf Rädern ist nicht wirklich gesund. Dabei sind viele Senioren darauf angewiesen. Kein Einkauf, kein Kochen, kein Abwasch: Essen auf Rädern erleichtert den Alltag in den eigenen vier Wänden. Die Stiftung Warentest hat sieben Lieferdienste in Hamburg und Potsdam getestet. Nur die Volkssolidarität Potsdam ist gut. test.de gibt Tipps für eine gesunde Mahlzeit.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Essen auf Rädern

Kartoffelsuppe in Kreuzberg

Warmes Essen ins Haus: Die Idee kommt aus England. Dort entstand „Meals on wheels“ bereits 1943. Die Frauen des Women's Royal Voluntary Service kochten warme Mahlzeiten und lieferten sie an alte und pflegebedürftige Menschen. Mit Fahrrad und Henkeltopf. Zum Warmhalten dienten alte Decken. 18 Jahre später wurde die Idee in Deutschland kopiert. Das Nachbarschaftshaus an der Berliner Urbanstraße lieferte im Juli 1961 die ersten warmen Mahlzeiten an Kreuzberger Rentner. Von Kartoffelsuppe bis Königsberger Klopse, für 20 Pfennig pro Mahlzeit.

3 bis 9 Euro pro Menü

Heute kostet ein Menü etwa drei bis neun Euro. Mit Hauptgang und Nachspeise. Das Cordon bleu mit Erbsen und Salzkartoffeln kommt in der Warmhaltebox aus Styropor. Der Nachtisch in der Aluschale: Eierkuchen mit Apfelmus. 700 private und 1 300 soziale Lieferdienste von Wohlfahrtsverbänden und freien Trägern liefern Mahlzeiten quer durch die Republik. Schwerpunkt sind Großstädte und Ballungsräume. 320 000 Menschen bekommen ihr Essen täglich ins Haus. Die Stiftung Warentest hat sieben Lieferdienste getestet.

Ernährungssünden frei Haus

Das Essen ist bestenfalls befriedigend. Hauptkritik der Tester: zu viel Fett, zu viel Salz. Im Alter läuft der Stoffwechsel langsamer, der Körper braucht weniger Energie. Fettarmes Essen ist angesagt. Viel Salz kann den Blutdruck nach oben treiben. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt pro Mahlzeit maximal zwei Gramm Salz. Die Menüs der Lieferdienste enthielten im Schnitt doppelt so viel. Dafür fehlen Mineralstoffe und Vitamine. Kalzium für die Knochen, Magnesium für den Stoffwechsel und Folsäure zum Schutz vor Arteriosklerose und Herzinfarkt. Fazit: Das Essen auf Rädern liefert Ernährungssünden frei Haus.

Keime im Dessert

Auch in puncto Hygiene haben die Köche keine weiße Weste. Die Lebensmittelchemiker der Stiftung Warentest fanden coliforme Bakterien in Pudding, Mandeldessert und Obstgrütze. Vier von sieben Anbietern lieferten Nachtisch mit Keimen. Keine Gefahr für die Gesundheit, aber wenig appetitlich. Hier mangelt es an Hygiene in der Küche oder beim Transport. Das gilt für selbst hergestellte oder aus großen Gebinden abgefüllte Nachspeisen. Fabrikfertig abgepackte Yoghurts und Desserts waren ohne Tadel.

Volkssolidarität ist gut

Positiv dagegen der Service: Die Essensdienste liefern unkompliziert, ohne Kündigungsfrist, ohne Vertrag. Auf Wunsch auch für einzelne Tage oder Wochen. Besonders gut klappts bei der Volkssolidarität in Potsdam. Der einzig gute Lieferdienst im Test nennt sogar eine Uhrzeit für die tägliche Lieferung. Plus minus 30 Minuten. Die anderen getesteten Lieferdienste legen sich nicht fest: Der Lieferzeitraum beträgt drei Stunden. Apetito zuhaus und Hamburger Küche lieferten dann aber zuverlässig. Genau für den bestellten Zeitraum.

Nachhilfe für eine gute Idee

Vier Unternehmen kamen dagegen trotz befristeter Bestellung weiter ins Haus: Hamburger Heimkost, Hanse-Menü-Dienst, Johanniter und Gauger Menüdienst. Wer das Essen nicht rigoros zurückschickt, bleibt auf den Kosten sitzen. Fazit des Tests: Die gute Idee kann etwas Nachhilfe vertragen. Die Köche müssten besser geschult werden: vor allem zum Thema Nährstoffe und fettarme Küche. Beachten Sie die Tipps zur gesunden Ernährung.

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