Husten, Schnupfen, Halsschmerzen, Fieber – diese Symptome kommen bei einer Erkältung selten allein daher. Es ist aber wichtig, sie einzeln zu behandeln – womit am besten, lesen Sie hier.
Schniefnase, fiebrige Stirn, kratziger Hals – ein grippaler Infekt macht sich auf verschiedene Weise unangenehm bemerkbar. Zumindest einmal im Jahr fängt sich fast jeder Erwachsene Erkältungsviren ein. Bei Kindern werden sogar bis zu zehn grippale Infekte im Jahr als normal angesehen. Bei Kälte und Nässe haben Krankheitserreger freie Bahn. Der Körper kühlt aus, das Abwehrsystem ist geschwächt.
Es gilt immer noch die alte Volksweisheit: Eine Erkältung dauert ohne Medikamente sieben Tage, mit Medikamenten eine Woche. Kein Medikament und auch kein Hausmittel kann die Infektion wesentlich verkürzen. Etliche Mittel können die Erkältungsbeschwerden aber lindern. Welche Mittel gegen Erkältungssymptome geeignet und preiswert sind, haben wir in Tabellen zusammengestellt (siehe Tabelle: Schnupfen,Tabelle: Husten, Bronchitis und Tabelle: Schmerzen, Fieber).
Symptome gezielt behandeln
Die Vorstellung von Allround-Medikamenten, die sämtliche Symptome angehen, ist verlockend. Doch eine Erkältung lässt sich nicht nach dem „Gießkannenprinzip“ behandeln. Sogenannte Grippemittel sind deshalb wenig sinnvoll. Sie kombinieren in der Regel eine Vielzahl von Wirkstoffen. Bei einigen Wirkstoffen stehen die möglichen Risiken in keinem Verhältnis zum Nutzen. Die in einigen Mitteln enthaltenen Wirkstoffe Ephedrin, Norephedrin, Phenylephrin und Pseudoephedrin können zum Beispiel unerwünschte Nebenwirkungen wie Herzrasen, Blutdruckanstieg, Unruhe und Nervosität auslösen. Andere Bestandteile wiederum, wie beispielsweise Vitamin C in niedriger Dosierung, tragen nicht zur therapeutischen Wirksamkeit bei. Die therapeutische Wirkung lässt sich durch Einstoffpräparate wesentlich schonender und gezielter erreichen.
Fieber senken
Schon die steigende Körpertemperatur wirkt: Das Immunsystem ist aktiviert, Erkältungsviren werden abgetötet. Deshalb sollte Fieber bis 38,5 Grad Celsius (rektal gemessen) möglichst nicht gesenkt werden. Das gilt auch für Kinder.
Schmerz- und Fiebermittel können bei höheren Temperaturen und Kopf- und Gliederschmerzen angewendet werden. In ihnen stecken meist die Wirkstoffe Azetylsalizylsäure (ASS), Parazetamol oder Ibuprofen. Leichte bis mäßige Schmerzen lindern alle Stoffe in etwa gleichwertig.
Bei entzündungsbedingten Schmerzen sind Ibuprofen und ASS vorzuziehen. Ibuprofen ist oft die bessere Wahl, da es Magen und Darm weniger belastet als ASS.
Zur Behandlung von Kindern sollten Ibuprofen und Parazetamol erste Wahl sein. Beide Wirkstoffe gibt es in speziellen Kinderzubereitungen. Parazetamol wird auch für ältere Patienten empfohlen. Bei Leberschäden oder bei regelmäßigem Alkoholgenuss darf Parazetamol nicht genommen werden. Bei der Dosierung sind die Herstellerangaben strikt zu beachten: Parazetamol kann, überdosiert, die Leber schädigen.
Kinder unter zwölf Jahren dürfen kein ASS einnehmen, vor allem wenn sie einen Virusinfekt haben. ASS kann bei ihnen das sogenannte Reye-Syndrom mit schweren Leber- und Hirnschäden auslösen.
Tipp: Frauen sollten eine zweite Dosis ASS frühestens nach sechs bis zehn Stunden einnehmen. Bei ihnen dauert es doppelt so lange wie bei Männern, bis der Wirkstoff wieder ausgeschieden ist. Für Frauen, die mit der „Pille“ verhüten, gilt das aber nicht.
Schnupfen vertreiben
Bei der Behandlung einer Schniefnase kann vieles schief laufen. Etliche populäre Arzneimittel bergen nach Expertenmeinung mehr Risiken als Nutzen. Tabletten und Kombinationspräparate gegen Schnupfen zum Einnehmen können müde machen (durch Antihistaminika) und auch Herz und Kreislauf belasten (durch gefäßverengende Sympathomimetika).
Längerfristig geeignet sind äußerlich anzuwendende salzhaltige Mittel zur Befeuchtung der Nasenschleimhäute wie Emser Salz und Meerwasser (Rhinomer). Wirksam und garantiert ohne Nebenwirkungen ist eine Nasendusche, die in jeder Apotheke erhältlich ist. Um verstopfte Nasen freizumachen, sind Sprays und Tropfen zum Beispiel mit dem Wirkstoff Typ Xylometazolin geeignet – am besten nicht konserviert, damit die Flimmerhärchen keinen Schaden nehmen. Die Mittel lassen Nasenschleimhäute rasch abschwellen.
Achtung: Wenden Sie Sprays und Tropfen nicht länger als eine Woche und nicht öfter als dreimal täglich an. Bei häufigem oder Dauergebrauch droht eine „Nasentropfen-Nase“: Ist die Schleimhaut den Wirkstoffen zu oft und zu lange ausgesetzt, bleiben die Blutgefäße enggestellt. Vermutlich 100 000 Deutsche leiden an einem auf diese Weise ausgelösten chronischen Schnupfen.
Zur kurzzeitigen Anwendung bei Nasennebenhöhlenentzündungen stehen Wirkstoffe wie Oxymetazolin, Naphazolin, Tetryzolin, Naphazolin oder Xylometazolin zur Verfügung.
Husten mildern
Bei Husten ist es tagsüber sinnvoll, dafür zu sorgen, dass sich der festsitzende Schleim löst und abgehustet werden kann. Ausreichend Wasser oder Tee zu trinken, kann dazu beitragen. Sekretlösende Wirkstoffe wie Ambroxol und Azetylzystein sollen ebenfalls für Erleichterung sorgen. Mittel mit Ambroxol sind zu bevorzugen, weil diese Substanz am besten untersucht ist. Auch pflanzliche Mittel mit Efeu oder Thymian sollen das Abhusten erleichtern. Die sekretlösenden Präparate sind aber nur mit Einschränkung geeignet, denn ihre Wirksamkeit sollte noch besser belegt werden.
Besonders nachts kann der Hustenreiz quälend sein. Für einen erholsameren Schlaf können dann kurzzeitig Hustenstiller mit dem Wirkstoff Dextrometorphan sorgen. Die Substanz wirkt dämpfend auf das Hustenzentrum im Gehirn. Sie sollte aber nur in den ersten Tagen einer Erkältung eingenommen werden, wenn noch kein Schleim produziert wird.
Hustenstiller dürfen auch nicht zusammen mit sekretlösenden Mitteln eingenommen werden, weil sie sich gegenseitig in ihrer Wirkung blockieren. Sobald sich der Schleim löst, sollte auf Hustenstiller verzichtet werden. Hustenstiller mit Clobutinol sind seit dem Herbst 2007 nicht mehr im Handel: Neuere Studien haben gezeigt, dass der Wirkstoff das Risiko für schwere Herzrhythmusstörungen erhöht.
Halsschmerzen lindern
Gegen Kratzen und Schmerzen im Hals sind keine Medikamente erforderlich. Desinfizierende Mittel (Antiseptika) sind ebenso wenig wirksam wie diverse Wirkstoffkombinationen. Sie ziehen eher die gesunde Bakterienflora in der Mundhöhle in Mitleidenschaft. Auch Antibiotika zum Lutschen ergeben keinen Sinn; Rachenentzündungen sind meist durch Viren bedingt.
Mit einer Lösung zum Gurgeln lassen sich die mit Viren durchsetzten Beläge von Mund- und Rachenschleimhaut abspülen. Wichtig ist, ausreichend zu trinken und viel Speichel zu produzieren. Das erleichtert das Schlucken und dämpft die Entzündung. Lutschbonbons ohne Zucker, mit Konzentrat aus schwarzer Johannisbeere oder Salbei und Vitamin C, können helfen.
Wann Antibiotika?
Bei akuter Bronchitis oder Schnupfen, einschließlich einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung, sollten Antibiotika nicht ohne Weiteres verordnet werden: Es hat sich gezeigt, dass ihre rasche Gabe weder den Krankheitsverlauf bessert noch die -dauer nennenswert verkürzt. Gegen Virusinfektionen wirken Antibiotika nicht. Sie können nur helfen, wenn eine Infektion auch von Bakterien hervorgerufen wurde. Antibiotika werden vom Arzt bei schweren Verläufen eingesetzt. Wenn sich auf die durch die Viren geschädigte Schleimhaut eine bakterielle Infektion aufpfropft (Superinfektion), kann es sinnvoll sein, diese mit Antibiotika zu bekämpfen. So bei
- langanhaltendem Husten mit eitrigem gelbem Auswurf und schwerem Krankheitsgefühl sowie
- Fieber nach akuter Virus-Bronchitis und Nasennebenhöhlenentzündung mit anhaltend heftigen Kopfschmerzen und stark eitrigem gelbem Sekret.
Wann zum Arzt?
Wenn hohes Fieber (mehr als 39 Grad, rektal gemessen) trotz lindernder Maßnahmen länger als zwei bis drei Tage anhält, sollte man den Arzt aufsuchen, auch bei Grippeverdacht. Kritisch wird es bei Kurzatmigkeit, „bellendem“ Husten oder wenn ein fieberndes Kind nicht ausreichend trinkt.
Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.
Schreiben Sie bitte einen Kommentar
Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen.
Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice

Kommentare (0)
weitere Kommentare anzeigen