29.03.2001

Entzündungen der Nasennebenhöhlen: Nicht verschleppen

Entzündungen der Nasennebenhöhlen Meldung

Infizierte, verstopfte Nasennebenhöhlen sind immer ernst zu nehmen. Wird die Entzündung chronisch, kann sie Sehnerv und Gehirn bedrohen. Oft schafft erst eine Operation die Voraussetzung für Heilung.

Nasennebenhöhlen verstärken den Geruchssinn, verbessern den Klang der Stimme und reinigen die Nase von Fremdstoffen. Das sensible System ist jedoch anfällig. Viele Betroffene schlagen sich viele Jahre mit entzündeten Nasennebenhöhlen herum. Manchmal haben sie die Hoffnung auf Besserung bereits beerdigt. Doch das ist falsch ­ und riskant dazu.

Bis zur Entscheidung "Operation" hatte die Patientin Birgit D. bereits etliche diagnostische und therapeutische Versuche unternommen, um einen drohenden chronischen Verlauf abzuwenden:

- Allergietests stellten eine Empfindlichkeit gegenüber Meerschweinchen fest -­ vergebens.

- Behandlungsmaßnahmen wie "dreimal wöchentlich zum Rotlicht und Inhalieren" stoppten den sich verschlimmernden Verlauf nicht.

- Der Fall wurde psychosomatisch abgeklärt: "Sie haben eben einfach die Nase voll", sagte die Therapeutin, "jetzt müssen Sie nur noch herausfinden, von was ­ und das ändern."

Doch auch der ganzheitliche Ansatz führte nicht zum Ziel, schon gar nicht kurzfristig: Aus dem Schnupfen wurden immer öfter wiederkehrende Nasennebenhöhlenentzündungen. Sie gingen häufig mit einer Bronchitis einher. Das hieß auch: Immer wieder Antibiotika und Kortison-Nasensprays nehmen zu müssen.

Stau in der Höhle

Die Ursache einer Nasennebenhöhlenentzündung: Der normale Abtransport des Schleims ist behindert. Winzige Flimmerhärchen (Zilien) transportieren zwar den Schleim bis zu den Ausgangstoren (Ostien) in den Nasengang ­- dieser ist aber aus verschiedenen Gründen verengt, zum Beispiel durch Polypen oder allergische Schwellung. So entsteht ein Stau in der Höhle. Die Flimmerhärchen in den Nebenhöhlen werden geschädigt. Ein solches Stadium heilt ohne ärztliche Hilfe von allein nicht mehr aus.

Die Entzündung der Nasennebenhöhlen ist vermutlich die häufigste Ursache für den Besuch beim Hals-Nasen-Ohrenarzt. An dieser Krankheit leidet jeder mindestens einmal im Leben. In den meisten Fällen handelt es sich um eine akute Nebenhöhlenentzündung. Die klingt nach der Behandlung wieder ab. Doch in vielen Fällen kommen die Keime (immer) wieder. Dann bleibt eine Operation oft die einzig mögliche Therapie.

Ziel des geplanten Eingriffs: die engen Gänge zur Nase erweitern, damit den Luftaustausch zwischen den Nebenhöhlen sowie den Abfluss von Schleim verbessern. "Bei Komplikationen in den Nebenhöhlen", sagt Professor Dr. Olaf Michel von der Universität Köln, "wenn alle weiteren Maßnahmen nicht zum Erfolg führen, ist die operative Methode die einzige Entlastung, um größeren Schaden abzuwenden."

Chancen durch Operation

Das sehen die Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie genauso. Hier wird auch bei einer Pilzinfektion der Nebenhöhlen oder bei Polypen der chirurgische Eingriff als der einzig gangbare Weg bezeichnet. Wenn ein Entzündungsprozess in den Nebenhöhlen nicht gestoppt werde, drohen unter Umständen Knochenentzündung ("Osteomyelitis") und eine Infektion des Augenbereichs.

Sie kann bis zur Erblindung führen. Den Weg zur Augenhöhle finden die Bakterien über die Gefäße: Nach anfänglicher Schwellung im Auginneren bildet sich ein eitriges Geschwür (Abszess), das die Sehnerven zerstört. Oberarzt Dr. Jürgen Hopf vom Universitätsklinikum Benjamin Franklin in Berlin: "Solche Fälle sind Notoperationen. Wir erleben solche Situationen auch öfter bei Kleinkindern, die zu spät mit den richtigen Medikamenten behandelt wurden."

Ein weiteres Risiko: "Wenn die Bakterien in den Siebbeinzellen sitzen, ist der Weg nicht weit in die dahinter liegende Stirnhöhle. Dort kann die Entzündung unbemerkt längere Zeit schwelen ­ und auf den Knochen übergreifen. Der wird durch die Entzündung porös, die Bakterien wandern weiter zum Gehirn und führen zur Hirnhautentzündung. Wenn wir solche Fälle operieren müssen, können das dramatische Eingriffe in das Aussehen des Patienten sein. Denn es wird aus der Stirn Knochen entfernt."

Asthma möglich

Die Wanderung der Bakterien über die Atemwege in die Bronchien kann asthmatische Beschwerden bewirken. Die Luftnot, durch Polypen oder geschwollene Nasengänge ausgelöst, führt zudem zur "Schnarcherkrankheit" (Apnoe genannt), die das Herz beeinträchtigt.

Früher wurden vom Chirurgen "Fenster" geschaffen, die Kieferhöhle unterhalb der Übergänge zur Nase aufgebohrt. Man hoffte, dass Schleim so leichter ablaufen würde. Das wollte in der Praxis aber nicht zuverlässig funktionieren. Flimmerhärchen und Schleimhaut wiesen einen anderen Weg. Dr. Jürgen Hopf: "Heute nimmt man auf die naturgegebenen Abläufe Rücksicht. Die Operateure versuchen, die natürliche Schleimhaut so weit wie möglich zu erhalten."

Ambulante Eingriffe

Geringfügige Korrekturen an Nasenmuschel oder Nasenscheidewand können ambulant erfolgen. Für alle anderen Eingriffe ist ein stationärer Aufenthalt notwendig. Oft auch dann, wenn mit dem Laser gearbeitet wird. Dr. Jürgen Hopf: "Die neuen Laser, die allerdings nicht in jedem Fall die ideale Methode sind, arbeiten hervorragend und schonend: Unter einer lokalen Betäubung wird das störende Gewebe unblutig verdampft und dann verschweißt."

Operationen sind zwar erfolgreich ­ rund 80 bis 90 Prozent aller Patienten empfinden eine deutlich bessere Nasenatmung ­, aber sie lösen das Problem der geschlossenen Nase nicht unmittelbar. Ehe ein voller Erfolg verbucht werden kann, gehen oft Monate ins Land ­- oder sogar Jahre. Der Aufwand lohnt aber immer. Wer wieder tief Luft holen kann, weiß das.

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