28.03.2011

Empfehlungsportale im Internet: Digitale Mundpropaganda

Empfehlungsportale im Internet Meldung

Sushi oder Currywurst? Haute Couture oder Wühltisch? Edel-Figaro oder Discount-Friseur? Auf Empfehlungsportalen können Nutzer ihre Erfahrungen mit Dienstleistern und Orten weitergeben – zum Vorteil anderer Verbraucher. test.de zeigt, wie die Portale funktionieren.

Die Meinung der anderen

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Thomas Gotthal geht gerne essen. Und teilt das auch im Internet mit. Nicht, dass er gerne essen geht. Sondern wo er essen war. Und vor allem: wie es ihm geschmeckt hat, ob die Kellner freundlich gewesen sind und das Ambiente gestimmt hat. Thomas Gotthal ist kein Gastrokritiker im herkömmlichen Sinn. Auf einem Empfehlungsportal im Internet schreibt er auch Bewertungen zum Supermarkt um die Ecke oder einem Industrie-Kletterer. So können andere Nutzer von seinen Erfahrungen profitieren – der Grundgedanke von Empfehlungsportalen. Im Podcast erzählt Thomas Gotthal von seinen Erfahrungen mit Internet-Bewertungen.

Branchenbücher mit Kundenbewertungen

Empfehlungsportale funktionieren ähnlich wie Branchenbücher. Sie listen Informationen zu Dienstleistern wie Adresse, Homepage, Öffnungszeiten und Preisniveau auf. Gegenüber der Papierversion haben sie jedoch einen entscheidenden Vorteil: Die Meinung von anderen Kunden steht direkt unter dem Eintrag. Je mehr Einträge vorhanden sind, desto differenzierter wird das Bild eines Freizeitparks oder eines Restaurants.

Orientierung im Dienstleistungs-Dschungel

Menschen auf der Suche nach einem Geheimtipp können sich hier informieren genauso wie Touristen oder neu Zugezogene. Die Empfehlungsportale sind eine Entscheidungshilfe im täglichen Dienstleistungs-Dschungel. Im besten Fall vermeiden sie unnötigen Ärger für Verbraucher, vor allem wenn es um finanziell riskantere Entscheidungen geht. Vorausgesetzt, die viel beschworene Schwarmintelligenz des Internets funktioniert.

test.de zeigt eine Auswahl an Empfehlungsportalen für Dienstleister und Orte mit aktiven Bewertern:

Die Portale im Überblick

Idee für lokale Empfehlungen aus USA

Yelp ist das amerikanische Vorbild von Qype (sprich: kwaip). 2004 in San Francisco gegründet, startete Yelp im Sommer 2010 die deutsche Community. Golocal arbeitet mit dem Telefonbuch Das Örtliche zusammen und verfügt so über viele Brancheneinträge. Kennstdueinen hat sich auf Dienstleister spezialisiert: Wer kennt einen guten Steuerberater? Welcher Klempner arbeitet zuverlässig?

Google mit eigenem Dienst

Seit diesem Februar mischt auch Google mit: „Hotpot“ heißt das Empfehlungsportal. Menschen, die ein Google-Konto besitzen, können nun Orte und Dienstleister bewerten. Googles Suchergebnisse werden dadurch noch personalisierter. Eine Besonderheit: Nutzer, die nach einem bestimmten Geschäft suchen, bekommen auch die Erfahrungen aus anderen Empfehlungsportalen wie beispielsweise Qype und Yelp angezeigt.

Wie funktioniert das Bewerten?

In der Regel funktionieren die Portale so: Nach der kostenlosen Registrierung suchen die Nutzer den Dienstleister, den sie bewerten wollen. Sie schreiben einen Text mit der eigenen Erfahrung und vergeben bis zu fünf Sterne. Die Bewertung erscheint, wenn andere Nutzer nach dem Dienstleister suchen. Ähnlich wie bei test.de können die Bewertungen selbst auch wieder kommentiert werden: War die Erfahrung für andere hilfreich oder nicht? So können die Nutzer offensichtlichen Nonsens und Missbrauch markieren.

Wirkliche Empfehlung oder Schleichwerbung?

Das Herzstück dieser Portale sind die Bewertungen der Konsumenten. Selbstverständlich sind sie subjektiv und ihr Nutzwert variiert stark. Manche Nutzer wollen gute Lokalitäten ernsthaft weiter empfehlen. Einzelne wollen einfach nur plump Dampf ablassen. Das Profil der Nutzer kann da weiterhelfen. Habe ich es mit einem notorischen Nörgler oder einem abwägenden Kenner zu tun? Auch ein Problem: Eigenlob von Unternehmern kann vorkommen, bedingt durch die Anonymität im Internet. Tipps zum Einschätzen von Online-Bewertungen

Bewertungen vertrauenswürdiger machen

Klar, der naheliegende Web 2.0-Gedanke lautet: Die Community kontrolliert sich selbst. Zum Beispiel können fragwürdige Beiträge dem Portal gemeldet werden. Reicht nur leider nicht aus. Denn hier geht es auch um Geld – in den Taschen der potentiellen Kunden. Deshalb haben die Portale zusätzliche Kontrollmechanismen eingebaut, um mehr Vertrauen herzustellen.

Technische Filter und aufmerksame Nutzer

Kennstdueinen gleicht nach eigener Auskunft die E-Mail Adresse von Bewertern mit Dienstleister-Namen ab, um so Missbrauch zu verhindern. Ein automatischer Beitragsfilter, darauf vertraut Yelp. Google hat ein Sicherheitssystem installiert, das Verstöße erkennen soll. Genaue Angaben, wie das System funktioniert, will Google nicht machen. Sonst könne das System umgangen werden, so Google gegenüber test.de. Anders ist es bei Golocal und Qype: Sie verlassen sich größtenteils auf die Aufmerksamkeit ihrer Nutzer, die bedenkliche Bewertungen melden können. Den kritischen Verstand der Leser kann das allerdings nicht ersetzen. Tipps zum Einschätzen von Online-Bewertungen

Unterwegs mit Bewertungsportalen

Sich zu Hause informieren: sinnvoll. Unterwegs nach gut bewerten Lokalitäten suchen: noch sinnvoller, funktioniert allerdings nur mit Smartphone und GPS. Alle Portale funktionieren auf verschiedenen Betriebssystemen für Smartphones. Damit lässt sich die Realität erweitern: Kamera des Smartphones auf das gewünschte Café ausrichten. Dann zeigt die Anwendung Informationen zum Lokal an. So funktioniert beispielsweise der „Monocle“ von Yelp. Auch bei Qype und golocal können Nutzer unterwegs die Bewertungen einsehen – und ob Freunde in der Bar nebenan sitzen. Und wenn das Schnitzel kalt und das Bier warm gewesen sind: Bewertungen schreiben geht natürlich auch von unterwegs aus. Tipps zum Schreiben von Online-Bewertungen

Datenschutz

Die GPS-Funktion im Smartphone verrät den Standort des Nutzers auch an Anbieter – kein spezifisches Merkmal von Empfehlungsportalen. Die Anbieter mit Sitz in Deutschland wie Kennstdueinen, Golocal und Qype geben in ihren Datenschutz-Bestimmungen an, Daten an Dritte nur mit Einwilligung des Nutzers weiterzugeben. Yelp mit Sitz in Irland kann Daten an Geschäftspartner und Drittanbieter weitergeben, angeblich ohne die Daten einem konkreten Nutzer zuzuordnen. Dass Google gerne Daten sammelt, ist nichts Neues. Personalisierte Suchergebnisse gibt es nicht, ohne dass die Nutzer Daten von sich Preis geben. Gesonderte Datenschutz-Bestimmungen für Hotpot weist der kalifornische Konzern nicht aus. Für Googles Empfehlungsportal gelten dieselben Bestimmungen wie auch für andere Google Dienste.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Die Empfehlungsportale im Überblick

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