23.04.2008

Elektronische Zigaretten: Rauchen ohne Rauch

Im Internet wird für elektronische Zigaretten geworben. Sie sollen „gesundes Rauchen“ ermöglichen, aber auch helfen, Nichtraucher zu werden.

Zwei Prinzipien. „Elektroni­sche“ Zigaretten setzen laut Herstellern Stoffe wie Teer, Kohlenmonoxid und vieles andere aus Verbrennungsgasen von Zigaretten nicht oder kaum frei. Sie funktionieren unterschiedlich: Nikotin wird erhitzt oder als Flüssigkeit nach Art von Luftbefeuchtern per Akku zerstäubt, so auch bei der Ruyan, einer elektronischen Zigarette, die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beurteilt wurde. Angeboten werden im Netz auch elektrische Zigarren oder Pfeifen – alles teure Sortimente.

Die 150-Euro-Zigarette. „Endlich rauchen, ohne andere zu belästigen“, heißt es bei der Ruyan. Sie wird im Internet für rund 150, mit Zubehör bis 180 Euro angeboten, entsprechend auch für 210 bis 280 Dollar. Das Nikotin steckt in einer Kartusche, die in die Zigarette eingesetzt wird. Das Nikotin-Aerosol riecht würzig, leicht rauchig.

Zum Abgewöhnen. Für Ruyan werden Kartuschen mit vier verschie­denen Nikotingehalten angeboten: 16, 11, 6 und 0 Milligramm. Die Nikotindosis soll somit auf Rauchgewohnheiten abgestimmt oder auch – bei abnehmender Nikotindosis – zur Raucherentwöhnung eingesetzt werden. Eine Kartusche soll für 300 Züge reichen, etwa 20 Zigaretten.

Nicht ohne Risiken. Nikotin ist ein starkes Nervengift. Schon geringe Dosen können tödlich wirken. Bereits rund 5 Milli­gramm Nikotin pro Kilogramm Kör­per­ge­wicht können, über den Mund aufgenommen, zum Tode führen. Studien deuten dar­auf hin, dass Nikotin bei Herz- und Hirninfarkten eine Rolle spielt, Erbgut schädigen kann. Auch Anbieter warnen übrigens vor Nikotin-Überdosierungen.

Belege fehlen. Daten fehlen, wie viel Nikotin aus der elektrischen Zigarette inhaliert und wie schnell es aufge­nommen wird, auch Infos zur Freisetzung, Teilchengröße und Nikotinaufnahme über und an die Raumluft.

Warnung. Das Nichtraucherschutzgesetz ist jedenfalls mit solchen Produkten nicht zu umgehen. Ungeklärt ist, was und wie viel an Schadstoffen an die Umwelt abgegeben wird. Das BfR fordert dazu Untersuchungen und Daten, weist darauf hin, dass Nikotin die Gesundheit gefährden kann. Die Nikotinkartuschen sollten vor allem sicher vor Kindern aufbe­wahrt werden: Geschluckt besteht Lebensgefahr!

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