19.08.2008

Elektronische Versicherungsbestätigung: Liquiditätsprüfung

Elektronische Versicherungsbestätigung Meldung

Immer mehr Autoversicherer prüfen die Versicherungswürdigkeit ihrer Kunden. Wer ein Auto an- oder ummelden will, muss zuvor seine finanzielle Lage durchleuchten lassen.

Die Versicherungsgesellschaften Huk-Coburg und Huk24, Allianz24, Signal Iduna und Gothaer kontrollieren seit kurzem die Zahlungsfähigkeit von Kunden. Dafür holen die Autoversicherer sogar die Einwilligung der Betroffenen ein.

Die Autofahrer müssen der Überprüfung ihrer finanziellen Lage zustimmen, wenn sie vom Autoversicherer die elektronische Versicherungsbestätigung haben wollen. Den siebenstelligen Zahlencode brauchen sie, sobald sie ihren Pkw bei der Zulassungsstelle an- oder ummelden wollen.

Die elektronische Versicherungsbestätigung hat am 1. März die Doppelkarte abgelöst. Die Karte hatten die Versicherer noch blanko ohne Prüfungen ausgestellt.

Unliebsame Kunden aussortieren

Autoversicherer sind verpflichtet, jedem Antragsteller eine Haftpflichtversicherung anzubieten. Doch keiner hindert sie, unerwünschte Fahrer mit unverschämten Beiträgen abzuschrecken. Kaskoverträge darf jede Gesellschaft sowieso verweigern.

Signal Iduna will zum Beispiel keine Verträge mit Kunden schließen, die insolvent sind, die eine eidesstattliche Versicherung abgegeben haben oder gegen die ein Haftbefehl vorliegt.

Die zunehmende Kontrolle beginnt offenbar bei den Internetkunden: Die Huk-Coburg, ihre Tochter Huk24 und die Allianz-Tochter Allianz24 kontrollieren zum Beispiel das Zahlungsverhalten von den Kunden, die über das Internet einen Antrag auf eine Kfz-Haftpflichtpolice mit oder ohne Kaskoschutz stellen.

Die Huk, zweitgrößter Autoversicherer, gibt die Versicherungsbestätigung nur heraus, wenn sich der Onlinekunde mit einer Bonitätsprüfung einverstanden erklärt.

Auch DEVK will Kunden kontrollieren

Finanztest hat die führenden Kfz-Versicherer gefragt, ob sie die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden prüfen. Die Allianz antwortet, dass sie das in ihrem Vertretergeschäft nicht tut. Die R + V verzichtet ganz auf die Prüfung, ebenso die LVM.

Auch die DEVK gibt die elektronische Versicherungsbestätigung (eVB) über das Internet bisher ohne Überprüfung raus. „Vor Ausgabe einer eVB über diesen Weg eine Bonitätsprüfung einzuführen, kommt künftig in Betracht“, sagt ein Sprecher.

Versicherer kaufen persönliche Daten

Daten über ihre Kunden und Antragsteller kaufen viele Versicherungsgesellschaften von Infoscore Consumer Data, einer Schwestergesellschaft der Bertelsmanntochter Informa Unternehmensberatung in Pforzheim.

Signal Iduna holt sich dort zum Beispiel die Informationen über Einträge in öffentliche Schuldenregister. Auch die Basler zapft Infoscore für die Risikoprüfung von Neukunden in der Haftpflichtversicherung an.

Eine weitere große Datenbank mit vielen Auskünften zur finanziellen Lage der Bundesbürger pflegt CEG Creditreform. Auch dort kaufen Versicherer Informationen.

Über die Risikoprüfung und ihr Ergebnis erfährt der Kunde nichts. Bekommt er nur einen Vertrag mit astronomischem Beitrag, muss er nachfragen, weshalb. Die Versicherer sind laut Bundesdatenschutzgesetz zur Auskunft verpflichtet, ebenso der Datenverkäufer Infoscore.

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