17.12.2012

Elektronische Steuerkarte: Der Chef muss nicht alles wissen

Elektronische Steuerkarte Meldung

Ab Januar 2013 erfahren Chefs die Angaben zur Lohn­steuer der Beschäftigten aus einer neuen Daten­bank. Finanztest rät: Arbeitnehmer sollten ihre Daten prüfen und im Zweifel tätig werden. Die Arbeitnehmer können bestimmen, was der Chef über sie wissen soll und was nicht.

Die Papp­karte hat ausgedient

Die alte Lohn­steuerkarte auf Pappe ist passé. Im Laufe des neuen Jahres stellen Arbeit­geber ihre Lohn­abrechnung auf die elektronische Lohn­steuerkarte um. Der Chef über­nimmt dann die üblichen Daten für die Lohn­steuer wie Steuerklasse, Anzahl der Kinder­frei­beträge und Abzug für Kirchen­steuer aus der Daten­bank Elstam (Elektronische Lohn­steuer-Abzugs­merkmale). Damit Arbeitnehmer nicht zu viel Lohn­steuer zahlen, sollten sie ihre Elstam-Daten prüfen. Diese können sie im Elster-Online-Portal im Internet abrufen, wenn sie sich dort registrieren. Oder sie beantragen einen Ausdruck beim Finanz­amt oder prüfen ihre Daten in der Lohn­abrechnung. Frei­beträge etwa für hohe Jobkosten oder der Frei­betrag für Allein­erziehende mit voll­jährigen Kindern werden aber nicht auto­matisch von der alten Lohn­steuerkarte oder der Ersatz­bescheinigung in Elstam über­nommen. Diese müssen Arbeitnehmer bei ihrem Finanz­amt neu beantragen. Nur Frei­beträge für Behinderte, Hinterbliebene und minderjäh­rige Kinder bleiben erhalten.

Draht vom Meldeamt zum Finanz­amt

Nach wie vor können Arbeitnehmer selbst bestimmen, welche Daten ihr Chef wissen kann. Eine Finanztest-Leserin etwa fragt besorgt, ob ihr Chef nun erfährt, dass sie in einge­tragener Lebens­gemeinschaft lebt. Doch davon erfährt er nach wie vor nichts. Zwar fließen jetzt Daten des Meldeamts und somit auch die einge­tragene Lebens­part­nerschaft in die Elstam-Daten­bank. Jedoch verwendet das Programm diese Angabe nur, um die korrekte Steuerklasse für den Arbeitnehmer zu ermitteln. Da Lebens­partner derzeit bei der Einkommensteuer wie Ledige zählen, ändert sich für sie in der Elstam nichts. Für den Chef ist nur sicht­bar, dass nach wie vor die Steuerklasse I gilt. Wenn Arbeitnehmer aber heiraten oder ein Kind bekommen, können Arbeit­geber die neuen Daten des Meldeamts direkt in Elstam sehen. Nach der Heirat ändert sich die Steuerklasse I in Steuerklasse IV. Für Kinder wird die Zahl der Frei­beträge vermerkt. Genauso wird die Kirchen­steuer­pflicht erfasst und der Steu­ersatz je nach Bundes­land von 8 oder 9 Prozent einge­tragen.

Daten ändern oder sperren

Arbeitnehmer können auch in Elstam eine ungüns­tigere Steuerklasse oder geringere Anzahl von Kindern eintragen lassen, wenn der Chef davon nichts wissen soll. Möchte jemand nicht, dass sein Chef erfährt, dass er wieder geheiratet hat, kann er statt der Steuerklasse für Ehepaare die Klasse I für Nicht­verheiratete beantragen. Will ein Arbeitnehmer allerdings, dass sein Arbeit­geber nicht erfahren soll, dass er Kirchen­mitglied ist, muss er erhebliche Nachteile in Kauf nehmen. Denn dafür muss er seine Elstam-Datei für den Arbeit­geber komplett sperren lassen. Der Chef muss dann beim Lohn­steuer­abzug die höchste Steuerklasse VI ansetzen. Bei 4 000 Euro Brutto im Monat werden statt 763 Euro in Klasse I 1 184 Euro in der VI fällig. Die zu viel gezahlte Steuer gibt es erst viel später über die Steuererklärung zurück. Ein Antrag ist auch beim Finanz­amt nötig, wenn Ehepaare 2013 ihre Steuerklassen anders kombinieren wollen. Häufig zahlen sie weniger, wenn sie statt der IV/IV die III/V nehmen oder beide IV+Faktor. Dann haben sie gleich mehr Netto.

Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.

Kommentare (1)

weitere Kommentare anzeigen

Alle Kommentare anzeigen

Schreiben Sie bitte einen Kommentar

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice