28.07.2011

Elektrofahr­räder: Bremsen oft zu schwach

Ihr angestaubtes Image haben Elektrofahr­räder abge­legt. Mitt­lerweile liegen die Pedelecs vielmehr im Trend: Dank elektrischer Motor­unterstüt­zung sind Gegen­wind und Steigungen kein Problem mehr. Doch im Test zeigten sich auch gefähr­liche Mängel. Bei einem Rad brach der Rahmen, einige andere haben zu schwache Bremsen.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test: Elektrofahrräder.

Elektrofahrräder 08/2011 - Komforträder mit Einrohrrahmen (Wave)

  • Flyer C8 Premium
  • Kalkhoff Pro Connect C8
  • Kettler Twin Front NX8
  • Kreidler Vitality Elite
  • KTM Macina Dual
  • Pegasus E-Tour
  • Raleigh Leeds HS

Elektrofahrräder 08/2011 - Trekkingräder mit Diamantrahmen

  • Diamant Zouma Sport +
  • Giant Twist Esprit Power
  • Prophete Alu Rex Art.Nr. 1973
  • Ruhrwerk 28" E-Bike
  • Winora F2

Für Touren bis 100 Kilo­meter

Erst­mals führte die Stiftung Warentest einen umfang­reichen Test von 12 Elektrofahr­rädern durch. Die ausgewählten Komfort- und Trekkingräder gehören zur Gruppe der Pedelecs. Der inzwischen gebräuchliche Name steht für „Pedal Electric Cycle“. Das sind Fahr­räder, bei denen ein Elektromotor den Radler unterstützt, solange der in die Pedale tritt. „Gasgeben“ ohne zu treten, wie bei einem Mofa, ist nicht möglich. Beim Fahren schaltet sich der Motor ab, sobald 25 km/h erreicht sind. Wer schneller fahren möchte, muss auf Muskel­kraft „umschalten“. Führer­schein und Versicherungskenn­zeichen sind für Pedelecs nicht erforderlich. Immerhin: Die Kraft der leistungs­starken Akkus kann inzwischen für Touren bis rund 100 Kilo­meter Länge ausreichen.

Sport­lich oder komfortabel fahren

Den Elektro­antrieb gibt es für alle Fahr­radtypen. test hat sich bei der Auswahl für die Unter­suchung an einer Umfrage unter rund 1 000 test-Lesern orientiert und Modelle der beiden beliebtesten Bauarten ausgewählt: Alu-Komforträder mit tiefem Durch­stieg und Alu-Trekkingräder mit 28-Zoll-Laufrädern sowie Diamant­rahmen. Auch inner­halb der Gruppen ist für jeden Geschmack etwas dabei: Unterschiedliche Reifenbreiten, Lenker- und Sattelformen sowie Naben- oder Ketten­schaltungen – je nachdem ob Radler eher sport­lich oder komfortabel unterwegs sein möchten.

Umfassende Prüfungen

In Bayern ging es berg­auf, bergab und über gerade Stre­cken: Drei Frauen und vier Männer, alles erfahrene Frei­zeit­radler, sammelten auf der Test­strecke ihre Eindrücke. Zusätzlich führten die Tester in mehreren Labors umfang­reiche Prüfungen zur elektrischen und mecha­nischen Sicherheit durch. Ein Prüf­stand etwa simulierte eine Fahrts­trecke von 20 000 Kilo­metern, um die Bruch­festig­keit von Gabel, Lenker und Vorbau, Sattel­stütze sowie Rahmen zu testen. Darüber hinaus holperten die Räder noch über einem Rollenprüf­stand, der unterschiedliche unebene Straßenbeläge wie Pflaster­steine nach­ahmte, um die Halt­barkeit weiterer Teile – vom Schutz­blech bis zum Gepäck­träger – zu testen. Bei der Begut­achtung der Brems­wirkung flossen neben den subjektiven Erfahrungen der Test­radler auch Messungen im Prüf­labor ein.

Knack­punkt Rahmen und Bremsen

Die Rahmen und Bremsen von Pedelecs müssen dem höheren Gewicht der Räder und der höheren Durch­schnitts­geschwindig­keit standhalten. Aber gerade in dem Punkt offen­barten manche Räder im Test ihre Schwächen. Schon nach knapp 10 000 Kilo­metern brach bei einem Rad der Rahmen. Das ist mangelhaft. Das zweite Mangelhaft im Test kassierte ein weiteres Pedelec für seine viel zu schwachen Bremsen. Bei drei weiteren Modellen ist die Brems­wirkung nur ausreichend. Sie verpassten daher ein besseres Qualitäts­urteil.

Mehr als 2000 Euro

Für eines der drei guten Elektrofahr­räder, müssen Radler zwischen 2 200 und 2 700 Euro ausgeben. Dafür erhalten sie Räder mit guten Fahr­eigenschaften und sehr effektiven Bremsen. Raum für Verbesserungen gibt es aber auch hier. Mal war die Akkuladedauer etwas lang, bei allen das Licht nur durch­schnitt­lich oder die Gebrauchs­anleitung oder CE-Kenn­zeichnung unvoll­ständig.

Sicher fahren

Selbst geübte Fahr­radfahrer sollten sich Zeit nehmen, um sich an das Pedelec zu gewöhnen. Sonst kann es auch mal kritisch werden auf der Straße. Bei einigen Pedelecs wird die Motor­unterstüt­zung durch einen Sensor akti­viert, der auf die Umdrehung der Pedalkurbel reagiert. Dadurch kann der Schub verzögert einsetzen oder der Motor noch nach­laufen – auch wenn der Radler schon aufgehört hat zu treten. Pedelecs, deren Steuerung dagegen auf Pedal­druck reagieren, können sich an der roten Ampel plötzlich in Bewegung setzen, wenn der Fuß auf dem Pedal ruht. Das ist zum Beispiel der Fall bei Radlern, die es gewohnt sind, noch im Stand das Pedal auf „fünf nach Zwölf“ zu stellen und dann mit vollem Körpergewicht aufs Pedal steigen. Sicherer ist es, mit dem Pedal unten zu starten und erst dann mit Kraft in die Pedale zu treten, wenn es losgehen soll und der Radler im Sattel sitzt. Eine Umstellung vom gewohnten Fahr­verhalten ist also durch­aus angebracht.

Antwort auf Ihre Fragen

Ihre Fragen beant­worteten die test-Experten Elke Gehrke und Jürgen Tewes am Mitt­woch, 3. August.
Lesen Sie alle Fragen und Antworten aus dem Chat zum Thema E-Bikes.

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