E-Mail-Dienste: Web.de ganz vorn

E-Mail-Dienste Test

test 09/2003

E-Mail statt Brief? Wer gern schnell kommuniziert, liegt damit goldrichtig. Doch sechs E-Mail-Dienste im Test haben große Mängel im Schutz gegen Viren, Werbung und Co.

E-Mail-Dienste

Schnell und praktisch – damit punktet die elektronische Post. Sie gehört zu den beliebtesten Anwendungen im Internet, 83 Prozent der Nutzer verschicken und erhalten regelmäßig E-Mails. Da erschreckt es nicht wenig, dass viele E-Mail-Dienste zwar gut zu bedienen sind, aber kaum gegen Viren, Werbe-Mails oder unberechtigten Zugriff schützen: Von 30 E-Mail-Diensten erhielten nur neun das Urteil „gut“.

Kleiner Trost: Unter den „guten“ Angeboten sind vier Freemail-Dienste. Ihr Vorteil: Während die Premiumangebote 1,50 bis 5,95 Euro monatlich kosten, gibt es den Mailservice bei Freemailern gratis. Extra Gebühren kosten auch die Providerdienste nicht, die wir als dritte Gruppe testeten. Sie kann aber nur nutzen, wer über den Provider seinen Internetzugang hat, also zahlender Kunde ist.

Entscheidungshilfe 1: Sicherheit

E-Mail-Dienste Test
Wer in Internetcafés mailt, muss auf hohe Sicherheit achten.

Wer einen E-Mail-Dienst wählt, sollte dar­auf Wert legen, dass seine Korrespondenz geschützt ist – speziell in Zeiten heimtückischer Viren, teurer Dialer und ungeliebter Werbe-Mails (Spam). Am besten kümmert sich hier Web.de um seine Kunden: Sowohl sein Freemailangebot als auch der kostenpflichtige Web.de Club wurden mit „sehr gut“ im Prüfpunkt Schutz für wirksame Viren- und Spamfilter, aber auch für die besten Sicherheitsvorkehrungen im Test belohnt. So bieten sie nicht nur SSL-Login, Mailverschlüsselung und als einzige ohne Aufpreis digitale Signatur, sondern leiten den Nutzer auch zu sicherem Umgang an – etwa bei der Postfach-Anmeldung oder beim Login. Schwächere Sicherheitsvorkehrungen, aber auch sehr gute Filter bieten msn Hotmail, msn Hotmail „extra Speicher“ sowie gmx ProMail.

Sechsmal „mangelhafter“ Schutz

Finger weg von den Diensten, die wir im Schutz mit „mangelhaft“ kritisierten: Keiner von ihnen bewahrt vor Spam, geschweige denn Viren. Auch sonst tun viele Dienste wenig für eine sichere Nutzung: Da erleichtern unbegrenzt viele Login-Versuche Unbefugten den Zugriff. Es gibt keine Warnung vor unsicheren – weil zu kurzen – Passwörtern. Oder die Erinnerungsfrage, die bei vergessenem Passwort helfen soll (Beispiel: Wie lautet der Mädchenname Ihrer Mutter?) ist von jedem flüchtigen Bekannten zu knacken.

Findall, der schlechteste Dienst im Test, setzt der Unsicherheit die Krone auf: Dort erscheint das Passwort beim Login stets in Klarschrift statt als Sternchenreihe – ein Geschenk für neugierige Augen im Internetcafé.

Entscheidungshilfe 2: Bedienung

Auch die Handhabung macht der gar nicht findige Findall eher zur Qual: Das Adressbuch etwa ist nicht mit dem Mailversand verknüpft, sodass man die Kontaktadresse beim Verschicken erneut eintippen muss. Auch Zugangseinrichtung, Empfang und Versand sowie die Ordnerverwaltung sind zu spartanisch gehalten, um effektiv damit arbeiten zu können. So ist Findall der einzige Dienst mit „Ausreichend“ für die Handhabung.

Voll gepackt und somit unübersichtlich ist dagegen die erste Anmeldung bei msn Hotmail „extra Speicher“. Ebenfalls nervig zu bedienen sind die Spamfilter bei Berlin.de und ePost Premium. Und bei debitel.de kann der Nutzer nicht einmal Dateien, wie zum Beispiel Texte oder Bilder, als Anhang verschicken. Ansonsten gilt aber: Die Dienste sind in der Regel nicht nur schnell und gut erreichbar (Ausnahme: beide msn-Hotmail-Angebote), sie lassen sich meist auch einfach handhaben. Besonders erfreulich: Bei vier Freemail- und vier Premiumdiensten sind die Spamfilter sogar „sehr gut“ zu bedienen. Gekonnt verbinden sie automatische Blocker und einfach einzurichtende individuelle Filtermodule.

Entscheidungshilfe 3: Ausstattung

Warum also bezahlen, wenn die Freemail-Dienste so gut mithalten? Ein Blick auf die Ausstattung zeigt, warum es sich lohnen kann: So reicht der maximale Speicherplatz von 2 Megabyte (Freemailer msn Hotmail) bis 250 Megabyte (etwa Premiumdienst GMX ProMail). In diesem Punkt bieten die meisten Premiumdienste deutlich mehr als die Freemailer.

Auch in den Gruppen ist die Ausstattung verschieden – ob es um erlaubte Mailgröße oder Weiterleitung geht. Sonderfunktionen, etwa SMS-Versand, oder Sicherheitsvorteile wie digitale Signatur sind manchmal „dazuzukaufen“.

Entscheidungshilfe 4: Kompatibilität

Was viele Nutzer webbasierter Mail-Dienste nicht wissen: Sie können elektronische Post nicht nur über den HTML-Browser holen und senden, sondern auch mit der am eigenen PC installierten Mail-Software (wie Outlook oder Pegasus). Das ist praktisch, weil man sein bevorzugtes E-Mail-Programm einsetzen kann, und spart Geld, weil die E-Mails offline bearbeitet werden. Obendrein gibts die Post ganz ohne Werbung. Möglich ist das aber nur, wenn der Dienst die Protokolle POP3/SMTP oder, noch komfortabler, IMAP unterstützt. Sechs Freemailer bieten regulär keine der beiden Möglichkeiten. Mehr als die Hälfte, darunter alle Premiumdienste, erlaubt POP3/SMTP. Der Microsoft-Ableger msn Hotmail hat ein Spezialverfahren, nutzbar nur mit Outlook/Outlook Express. Web.de lässt Freemail-Kunden nur alle 15 Minuten Mails holen, bietet aber als einziges Umsonst-Angebot gratis IMAP, genauso wie vier Premium- und zwei Providerdienste. Bei 1&1 Webmail und Arcor kostet das extra.

Tipp: Wer seine Post mit Outlook abruft, sollte auf einen Virenschutz für eingehende Mails achten und sich HTML-Mails besser nur als Text anzeigen lassen.

Entscheidungshilfe 5: Nutzertyp

Free, Premium oder Provider? „Gute“ Angebote gibts in allen Gruppen. Bei der Wahl des E-Mail-Dienstes sollte auch das Nutzungsverhalten eine Rolle spielen:

  • Vielschreiber: Praktische Handhabung und viel Speicher sind für ihn wichtig.
  • Nutzer mehrerer Adressen: Umleitung und POP3/SMTP erleichtern die Arbeit.
  • Fotofreund: Wer oft Bilder verschickt, wird für eine großzügige Ausstattung beim E-Mail-Anhang dankbar sein.
  • Geschäftliche Nutzer: Digitale Signatur und Co. für mehr Sicherheit oder Zusatzfunktionen wie Fax sind hier interessant. IMAP hilft, mobil effektiv zu verwalten.
  • Wenigschreiber: Wer auf Vertrautes setzt, kann seinen Provider nutzen.
  • Einsteiger: Achten Sie auf gute Hilfefunktionen und geringe Hotlinekosten.
  • Individualist: Wer eine witzige Adresse will (Berlin.de) oder ein spezifisches Themenumfeld (Studium: bei Unicum.de), ist bei Spezialangeboten richtig.

Für alle gilt: Legen Sie Wert auf Sicherheit. Denn Viren, teure Einwahlprogramme und Werbe-Mails kosten Zeit, Geld und Nerven. Und genau die wollten Sie ja mit der elektronischen Post sparen.

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