16.10.2012

Dispozinsen: Banken verweigern Auskunft

Deutsch­lands Banken fürchten Trans­parenz und schröpfen ihre Kunden beim Dispozins. So das Ergebnis des Tests von 1 566 Kredit­instituten, die teil­weise mehrere Konto­modelle haben. Mehr als zwei Drittel verweigerten die Auskunft. Viele Zins­sätze bekamen die Tester trotzdem raus: Im Schnitt verlangen Banken 11,76 Prozent. Das ist zu viel im Verhältnis zu den Zinsen, die sie selbst zahlen, wenn sie sich Geld borgen. Finanztest nennt den Dispozins­satz von mehr als 900 Banken, erklärt die Regeln nach denen er erhöht oder gesenkt wird und nennt die Verweigerer.

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Dispozins in der Spitze über 15 Prozent

Finanztest hat die Banken nun zum dritten Mal gefragt, wie hoch ihre Dispozinsen sind und nach welchen Regeln sie diese erhöhen oder senken. Der Durch­schnitts­zins von 11,76 Prozent liegt zwar gut einen halben Prozent­punkt unter der Vorjahres­unter­suchung, aber immer noch zu hoch. Denn die Zinsen, zu denen sich die Banken Geld leihen können, sind stärker gesunken als die Zinsen, zu denen die Kunden ihr Konto über­ziehen dürfen. Die teuerste Bank im Test ist die Raiff­eisen­bank Fischenich-Kendenich bei der alle Kunden satte 14,25 Prozent fürs Konto­über­ziehen zahlen müssen. Das erfuhren die Tester aber erst, als sie einen freien Mitarbeiter zum Nach­schauen in die Filiale schickten. Auf die offizielle Anfrage reagierte die Bank nicht. Einige Kunden trifft es bei der VR-Bank Aalen noch schlimmer: Sie müssen sogar 15,32 Prozent bezahlen, wenn die Bank ihnen eine schlechte Bonität bescheinigt.

Güns­tige Banken verlangen unter 9 Prozent

Es geht aber auch günstig. Die besten Banken nehmen weniger als die Hälfte für Konto­über­ziehung als die teuren Banken. Die VR-Bank Uckermark-Randow (Konto Giro Komfort Plus) verlangt 4,50 Prozent. Die Deutsche Skat­bank von allen Kunden nur 5,25 Prozent, die PSD Bank Rhein­Neckar­Saar (Konto GiroDirekt Gold) 5,99 Prozent. Insgesamt hat Finanztest 62 Banken gefunden, die weniger als 9 Prozent für den Dispo verlangen, darunter viele Direkt­banken. In Euro und Cent sind die Zins­unterschiede beacht­lich: Kunden, die zum Beispiel bei der Raiff­eisen­bank Fischenich-Kendenich ein halbes Jahr ständig mit 1 000 Euro im Minus sind, zahlen gut 71 Euro Zinsen. Die Deutsche Skat­bank kassiert dagegen nur gut 26 Euro.

Banken fühlen sich schlecht behandelt

Von den Banken, die sich der Unter­suchung verweigerten, gab es erstaunliche Begründungen. So hieß es bei der Volks­bank Senden: „Die Stiftung Warentest geht nicht gut mit den Banken um.“ Die Raiff­eisen­bank Gaimers­heim-Buxheim teilte mit: „Wir geben Ihnen die Daten nur in einem persönlichen Gespräch, weil wir Wert auf Beratung legen.“ Die VR Bank Kauf­beuren-Ostall­gäu bezweifelt, dass die Konkurrenten korrekt antworten: „Dann stehen wir zu teuer da, wenn wir richtige Angaben machen.“ Viele sagten auch nur: „Wir wollen nicht teilnehmen“.

Der Test zeigt die Spitze des Eisbergs

Das Ergebnis für alle Banken wäre wohl noch schlechter ausgefallen – wenn sich nicht so viele Banken verweigert hätten. Finanztest schickte freie Mitarbeiter zu fünf zufäl­lig ausgewählten Banken, über die auf anderem Wege nichts über die Dispozinsen zu erfahren war: Der durch­schnitt­liche Zins dieser Banken lag bei 13,04 Prozent – mehr als 1 Prozent­punkt über dem allgemeinen Durch­schnitt. Der Preis­aushang von sieben Banken stand zunächst im Internet und verschwand dann im Verlauf der Unter­suchung aus dem Netz. Ihr Zins­durch­schnitt war ebenfalls erhöht, er lag bei 12,65 Prozent.

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