Gute Camcorder müssen keine 2 000 Euro kosten. Es gibt auch halb so teure Geräte, die rundum überzeugen.
Der Camcordermarkt und die Formel 1 haben derzeit eines gemeinsam: Ein Team dominiert. In der Formel 1 gewinnt der Rennstall Ferrari zurzeit alle Meisterschaften. In unseren Camcordertests liegt der japanische Unterhaltungselektronik-Riese Sony mit seinen Produkten vorn. Zwei Jahre oder fünf Tests ist es her, dass andere Anbieter besser abschnitten. Und selbst da mischte Sony vorn mit.
Im aktuellen Test digitaler Camcorder belegt Sony in der Mini-DV-Klasse – der einzigen Gruppe, in der es eine vielfältige Konkurrenz gibt – die vier vorderen Plätze. Und deklassiert andere Produkte: Der einfachste Sony-Camcorder dieser Klasse, der DCR-TRV 18 E für 970 Euro, liegt im test-Urteil fast eine halbe Note besser als der doppelt so teure JVC GR-DV 3000 (1 940 Euro) und ist vielseitiger einsetzbar. Insgesamt schneiden zwölf Mini-DV-Camcorder schlechter ab als der Sony, kosten aber teilweise deutlich mehr.
Geprüft wurden insgesamt 21 Digital-Camcorder zu Preisen zwischen gut 600 und knapp 2 100 Euro. Die Mini-DV-Klasse ist ihrer Marktbedeutung entsprechend mit 16 Produkten dabei. Ihre kleinen Kassetten machen kompakte Gehäusekonstruktionen möglich. Die erzielbare, aber nicht immer erreichte Bild- und Tonqualität ist beeindruckend. Da wundert es nicht, dass Mini-DV die herkömmlichen analogen Systeme weitgehend vom Markt verdrängt hat.
Mini-DV und Exoten
Die übrigen Testmodelle spielen von den Marktzahlen her eine untergeordnete Rolle. Doch ihre Technik macht sie für bestimmte Zielgruppen interessant. Digital 8 zum Beispiel: Das sind Camcorder, die mit Kassetten im Format der herkömmlichen analogen Video8- und Hi8-Geräte arbeiten. Wer solche besitzt, dürfte sich für Digital 8 interessieren. Die beiden teureren Modelle können die alten Kassetten auch abspielen.
8-Millimeter-Kassetten sind vergleichsweise groß. Dadurch sind die drei Digital-8-Modelle größer und schwerer als alle anderen Testgeräte. Der Vorteil: Die Kameraführung wird dadurch meist ruhiger. Außerdem können die Bedienelemente größer gestaltet werden, was vor allem den Händen männlicher Filmfreunde sehr entgegen kommt.
In Bild und Ton kann Digital 8 locker mit Mini-DV mithalten. Die Geräte kosten aber deutlich weniger als vergleichbar bewertete DV-Modelle. Übrigens: Digital-8-Camcorder baut nur Sony.
Und Sony hat noch einen Trumpf im Ärmel: das krasse Gegenteil von Digital 8, ein Videosystem namens Micro MV. Es bringt auf einer Bandkassette, die kleiner ist als eine Streichholzschachtel, rund eine Stunde Film unter. Dabei erreicht Micro MV eine Bildqualität, die manch ein Mini-DV-Modell in den Schatten stellt. Aber anders als erwartet: Der Sony-Camcorder zur Microkassette, der DCR-IP 55 für 2 060 Euro, ist nicht der kleinste im Test. Ein wenig kleiner und leichter ist der JVC GR-DVP 7, trotz größerer Kassette. Der schnitt aber eine halbe Note schlechter ab als der Sony.
Ein anderer Exot im Testfeld ist der DVD-Ram-Rekorder von Hitachi, der DZ-MV 230. Der zeichnet die Videosignale auf kleinen 8-Zentimeter-DVDs auf. Je nach eingestellter Bildqualität passen zwischen 40 Minuten (haben wir bewertet) und zwei Stunden Video auf die Platte. Vorteil der DVD im Camcorder: der schnelle Zugriff auf jede Plattenstelle.
Gefallen hat uns der Hitachi dennoch nicht so richtig. Viele Kleinigkeiten vergällen den Spaß. Das eingebaute Mikrofon ist mangelhaft, die Laufgeräusche des Plattenmotors (unregelmäßiges Pfeifen) sind bei Aufnahme und Wiedergabe störend hörbar und werden auch mit aufgenommen. Das Gerät an sich ist zwar einfach zu bedienen, aber die DVD ist nur ziemlich umständlich zu handhaben. Formatieren, finalisieren – solche unvermeidlichen Erfordernisse kennen wir von Computern, doch bislang nicht von Camcordern. Die Ausstattung könnte vielseitiger sein. Wenigstens ist die Bildqualität einwandfrei.
Das Bild ist bei allen gut bis sehr gut
Doch mit guter Bildqualität steht der Hitachi nicht allein. Nur kleine Unzulänglichkeiten trüben bei Videoaufzeichnungen den guten Eindruck auch der übrigen Geräte. Die beiden Canon fielen wegen leicht unscharfer, etwas körniger Bilder auf. Sharp hatte Schwierigkeiten mit dem automatischen Weißabgleich. Dann wirken die Farben unnatürlich.
Generell schlechter sieht die Sache aus, wenn mit dem Camcorder Fotos gemacht werden. Die Fotofunktion ist bei den Digitalcamcordern mittlerweile Standard. Die Bilder werden dann wahlweise wie die Videos auf Band oder Platte oder wie bei digitalen Fotoapparaten auf einer kleinen Speicherkarte untergebracht. Drei Ausnahmen: Hitachi, Panasonic NV-DS 30 und Sony DCR-TRV 140 haben keinen Kartenschlitz.
Doch allzu hohe Qualitätsansprüche erfüllen die Fotos unserer Test-Camcorder nach Übertragung auf einen PC nicht. Ihre Auflösung reicht allenfalls für 13 x 18 Zentimeter große Ausdrucke. Die Ausreißer: Beim Sharp VL-NZ 100 stimmen die Farben nicht und die Kontraste sind flau. Samsung ist sogar noch einen Tick schlechter. Die Canon-Modelle haben auch hier Probleme mit Schärfe und Auflösung. Die besten Fotos macht Sharp VL-AX 1 S. Bei vergleichbarer Auflösung sind seine Bilder kaum von denen einer digitalen Fotokamera zu unterscheiden. Der Sharp hat allerdings nur eine langsame serielle Schnittstelle.
Der Ton hält oft nicht mit
Der Ton zum Film gefiel unseren Testern nicht immer. Die Aufnahmen der eingebauten Mikrofone übertragen manchmal nicht nur den Filmton. Bei einigen Geräten sind auch Betriebsgeräusche zu hören. Externe Mikrofone beseitigen dieses Problem komplett – meistens jedenfalls. Samsung hat den Anschluss zwar, doch klingen bei ihm auch externe Mikrofone mäßig. Sieben Testmodelle haben keinen Anschluss für ein externes Mikro. Wenigstens lassen sich Windgeräusche bei den meisten Modellen dank zuschaltbarem Windfilter deutlich dämpfen. Bestnoten fürs eigene Mikro bekamen die Sonys DCR-TRV 50 und DCR-PC 101.
In der Handhabung der Camcorder ist ein System weit verbreitet: Per Rändelrad werden Menüs durchforstet und mit einem Druck auf das Rad wird die Funktion ausgelöst – eine gute Lösung. JVC GR-DV 3000 und -DVP 7 sowie Sharp VL-NZ 100 setzen auf Einzelknöpfe beziehungsweise einen Kombiknopf für alle Funktionen, das ist gewöhnungsbedürftig.
Unangenehm wird die Handhabung, wenn es eine kleine Ewigkeit dauert, bis die Kamera nach dem Einschalten zum Aufzeichnen bereit ist. Die beiden Canon-Geräte brauchen dazu gut 10 Sekunden. Alle anderen Modelle schaffen das in etwa der halben Zeit. Panasonic NV-GS 5 kann bei Bedarf noch einen Turbo zuschalten. Mit „Quick Start“ dauert das Einschalten, bis der Monitor „fertig zur Aufnahme“ signalisiert, 2,1 Sekunden.
Sollen mehrere Filmszenen aneinander gehängt werden, zwacken manche Camcorder ein Stück von der alten und noch ein Stück von der neuen Aufnahme ab. Das summiert sich beim Samsung auf fast zwei Sekunden. Der Micro-MV-Sony knapst knapp anderthalb Sekunden ab. Besser macht das der Hitachi-DVD-Camcorder. Da gibt es keine Verzögerungen.
Auf diese Pausen und Auszeiten hat der Nutzer wenig Einfluss. Auf die Laufzeit des Camcorders pro Akkuladung dagegen schon. Wer den LC-Monitor wenig nutzt, wird die Zeit deutlich verlängern. Für unsere Laufzeitprüfung haben wir ein Nutzungsprofil erstellt, das aus Aufzeichnen, Fokussieren, Zoomen, Spulen und Filmwiedergabe besteht. Erfreulich: Alle Camcorder schaffen deutlich mehr als eine Stunde Betrieb. Highlights sind die drei besten Mini-DV-Sonys und der Canon DM- MV 550i. Bei ihnen reicht der Strom für fabelhafte zweieinhalb Stunden. Kein Formel-1-Rennwagen hält so lange durch. Die müssen nach etwa einer Stunde nachtanken.
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