Videoprojektoren, salopp Beamer genannt, machen ein perfektes Heimkino – so die Werbung. Einige bieten tatsächlich ein gutes Bild und moderates Lüftergeräusch.
Fußballfieber im Wohnhof: Die Männer treffen sich bei Patrick. Sein Chef hat ihm übers Wochenende einen Projektor, den BenQ MP 620 für 1 000 Euro, mit nach Hause gegeben. Das verspricht ein großes Bild und viel Stadionatmosphäre. Was soll auch schiefgehen? Das gar nicht so teure Gerät machte bei Präsentationen vor Firmenkunden immer einen tollen Eindruck. Beim Fußballspiel aber blitzen ständig Regenbogeneffekte durch das Bild, speziell bei Kameraschwenks. Irritiert und mit etwas müden Augen überstehen die Freunde das Spiel. Der Sieg der richtigen Mannschaft rettet die Stimmung jedoch und den Männern ist klar: Morgen gucken sie wieder Fußball – nur nicht bei Patrick.
Spiegeltechnik mit Regenbogeneffekt
Schuld an den Regenbogeneffekten im Bild ist die verwendete Technik. Der BenQ gehört in die Kategorie DLP-Beamer, er arbeitet mit Tausenden von Mikrospiegeln (DLP = Digital Light Processing). Die Funktionsweise: Das Licht der Projektionslampe fällt auf mikroskopisch kleine Spiegel, die bei Bedarf blitzschnell umklappen und das Licht ins Bild lenken. Sie schaffen bis zu 5 000 Klappbewegungen pro Sekunde und sind kaum ein Drittel so groß wie der Durchmesser eines Menschenhaars. Ein Bildpunkt wird heller, wenn der Spiegel mehr Lichtblitze pro Sekunde durch das Objektiv auf die Leinwand projiziert. Er wird farbig, wenn der betreffende Spiegel mit farbigem Licht angestrahlt wird. Die Projektionslampe sendet jedoch weißes Licht aus. Für bunte Bilder sorgt ein schnell drehendes Rad mit farbigen Filtersegmenten. Die Kunst besteht darin, die Spiegelbewegungen mit dem drehenden Rad zu koordinieren. Das Problem: Ein Bildpunkt kann nicht auf einen Schlag von Schwarz (Spiegel weggeklappt) auf Weiß (Spiegel lenkt alle drei Farben ins Bild) schalten, denn das Farbrad „zaubert“ die für Weiß benötigten Grundfarben mit geringer zeitlicher Verzögerung nacheinander ins Bild. Beim Übergang zu Weiß ist zuerst Rot, dann Grün und schließlich Blau zu sehen, ehe alles zu Weiß verschmilzt. Das ist der Regenbogeneffekt. Den bemerkt nicht jeder und gute Beamer mindern ihn. Dann zählen die Vorteile der DLPs: helle Bilder mit sattem Schwarz, hohem Kontrast und kaum sichtbaren Pixelstrukturen.
Flüssigkristalle für Videos
Zum nächsten Abend lädt Dirk ein. Er wollte sich ohnehin einen Videoprojektor kaufen und ist über die Lehrstunde mit der DLP-Technik richtig froh. Der Verkäufer rät ihm zum Panasonic PT-AE 900E. Der zaubert das Bild nicht mit Spiegelchips, sondern mit Flüssigkristalldisplays auf die Leinwand, die bei Monitoren und Flachfernsehern schon lange üblich sind. Der Spaß kostet gut 1 800 Euro. Für Fußballübertragungen lohnt sich die Ausgabe. Für Filme aber auch.
Nach dem Spiel sehen die Männer sich noch ein Video an und stellen fest: Bei der LCD-Technik (LCD = Liquid Crystal Display) gibt es keinen Regenbogeneffekt. Allerdings ist bei schlechteren Geräten (Epson EMP-TW20 und NEC VT48) die Gitterstruktur der durchleuchteten Flüssigkristalldisplays zu sehen – sogar bei bewegten, vor allem aber bei Standbildern. Und wirklich sattes Schwarz bietet selbst der Panasonic nicht. Dabei verringert er im Gegensatz zu den anderen Beamern im Test mit einer „dynamischen Irisblende“ bei dunklen Bildern den Lichtstrom der Lampe. Trotzdem dringt auch bei Bildpunkten, die kein Licht durchlassen sollen, etwas Hintergrundlicht hindurch.
Abgeschlagene Billigklasse
Wie der Test zeigt, hätte es kein viel billigerer Beamer sein dürfen. Zwar gibt es sie statt für rund 2 000 auch schon für weniger als 1 000 Euro. Doch egal mit welcher Projektionstechnik: Die geprüften billigen Modelle zeigen detailärmere Bilder und bringen bei Videos keine Bestnoten.
Andererseits ist ein hoher Preis auch kein Garant für rundum gute Bilder, wie der Epson EMP-TW520 zeigt. Mit rund 1 700 Euro geht er wahrlich nicht als Schnäppchen durch, doch im Sehtest Film zeigt er sich nicht besser als „befriedigend“.
Beamer statt Fernseher?
Am dritten Abend sitzen die Männer beisammen und schwatzen über die Zukunft: Dirk will seinen alten Röhrenfernseher rausschmeißen. Er läuft zwar noch, doch sein neuer LCD-Projektor zeigte das Video gestern nach dem Fußballspiel hinreißend. Warum nicht immer so fernsehen? Sein Freund Patrick warnt vor den Kosten für die Projektionslampe. Sie soll zwischen 2 000 und 4 000 Stunden halten und kostet zwischen 250 Euro (Epson TW-20) und gut 500 Euro (Toshiba MT 700). Bei einem durchschnittlichen Fernsehkonsum von rund dreieinhalb Stunden täglich hält so eine Projektionslampe höchstens drei Jahre. Das kostet!
Daniel, der Dritte im Bunde, denkt an das Trara mit seiner neuen Heimkinoanlage und den vielen Lautsprechern. Schon das hatte ihn auf eine harte Probe gestellt, seine Frau zu überzeugen. Nun gar mitten im Zimmer einen Beamer aufbauen, alle Kabel hinführen und eine schmucklose Projektionswand dort anbringen, wo eben noch der Fernsehapparat stand? Nein, danke. Ihm wäre solch ein Umbau zu aufwendig. Ihr auch.
Hightech auch für unterwegs
Er überlegt stattdessen, für seinen Job als Finanzberater einen brandneuen LED-Beamer zu kaufen (siehe Kasten, S. 62), zum Beispiel den Toshiba FF1. Kaum größer als eine Brotschachtel und nicht einmal ein Kilogramm schwer, könnte er ihn leicht zu Kundengesprächen mitnehmen. Die kleine, klappbare Projektionswand ebenso. Und mit einer DVB-T-Box könnte er sich damit auch in jedem Zimmer zu Hause einen Fernsehsender hereinholen. Auch sein Sohn freut sich schon: mit Freunden Autorennen auf der Spielekonsole fahren oder Musiksender gucken – alles groß im Bild. Da laufen ihnen nicht die Mädchen weg wie beim Fußball die Frauen ihren Männern.
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