Das Testspiel zur bevorstehenden Fußball-WM: Unter den geprüften Fernsehgeräten sind nur wenige Treffer.
Ein neuer Fernsehapparat zur Fußball-Weltmeisterschaft – für viele Fans dieses Rasensports ist das ein nahe liegender Gedanke. Aber welcher Apparat soll es denn sein? Eines der großen flimmerfreien Röhrenmodelle mit 82 Zentimeter Bildschirmdiagonale, denen noch immer ein Vorsprung in der Bildqualität gegenüber den schicken flachen LCD- oder Plasmafernsehern nachgesagt wird? Oder eins der LCD-Modelle, deren Verkaufszahlen die Röhrenklasse bei großen Breitbildgeräten längst ins Abseits gestellt haben? Aber vielleicht steht ja doch eins der gewaltigen Plasma-Displays mit Bilddiagonalen von deutlich über einem Meter auf der Auswechselliste. Die sollen in der Bildqualität zwar gegenüber Röhren das Nachsehen haben, doch eine Klasse besser spielen als LCD-Modelle.
Schwerpunkt Bild
Wir unterzogen alle drei Arten einem Vergleichstest: Röhren-, LCD- und Plasmageräte. Beim Bild, dem wichtigsten Prüfkriterium, erzielte kein einziges der Fernsehgeräte in allen Unterpunkten durchweg gute Noten. Beziehungsweise kam kein Fernsehgerät mit allen geprüften Betriebsarten gleich „gut“ klar.
Bei den geprüften Betriebsarten handelt es sich um Analog- und Digitalfernsehen. Das analoge TV untersuchten wir anhand des Pal-Fernsehens, wie es über analoge Kabelnetze und in einigen Teilen Deutschlands noch terrestrisch, also über Antenne, angeboten wird. Außerdem nutzten wir Pal-Video, das der Fernsehempfänger vom DVD-Spieler oder VHS-Rekorder oder externen Receivern (DVB-C, DVB-S oder DVB-T) über den „Scart“-Anschluss geliefert bekommt.
Sofern die Empfänger dafür taugen, speisten wir bei den digitalen Betriebsarten Folgendes ein: DVB-T über den eingebauten Tuner und „HDTV“, das hochauflösende Fernsehen, über einen entsprechend ausgestatteten DVD-Spieler.
Die Röhre für Pal-Fernsehen
Beim analogen Fernsehen boten die Röhrengeräte von Metz und Philips die besten Bilder. Ausgewogener Kontrast, angenehme Farben – hier konnten beide überzeugen. Der Metz hat aber Schwierigkeiten mit schnellen Bildbewegungen. Da gibt es im Extremfall Ruckelbilder bei fliegenden Fußbällen. Die Philips-Röhre zeigt dann deutlich klarere Konturen. Doch sie hat keinen DVB-T-Tuner.
LCD trumpft bei Digitalempfang auf
Der fehlende Digitaltuner ist angesichts der fortschreitenden Digitalisierung des terrestrischen Sendernetzes ein Manko. Schließlich bietet der Digitalempfang über eingebaute DVB-T-Tuner sichtbar bessere Bilder als der über einen externen Receiver (Set-Top-Box). Hier trumpfen fast alle LCD-Geräte mit guten Noten für klare, kontrastreiche Bilder ohne krasse Bewegungsartefakte auf. Das gefiel den Testzuschauern sichtlich. Interessant ist hier der Loewe, der auch bei Pal-Bewegtbildern gute Noten bekam. Von der Gesamtnote her zieht der Panasonic mit dem Loewe gleich, seine Stärken sind guter Ton, einfache Handhabung und geringerer Stromverbrauch.
Noch bessere Bilder als DVB-T bietet das hochauflösende HDTV (High Definition Television, kurz HD). Hier werden mehr Bildzeilen als bei Pal oder DVB-T übertragen. Doch bislang sind HDTV-Sendungen Mangelware: Der Bezahlsender Premiere hat drei HD-Kanäle und will auch die WM-Bilder mit erhöhter Zeilenzahl senden. Ansonsten strahlt die Pro7 / Sat1-Gruppe gelegentlich über den TV-Satellit Astra HDTV aus. Dort gibt es auch das das Mischprogramm HD-1.
LCD gewinnt bei HDTV
Was man auf den Fernsehschirmen in HDTV geboten bekommt, ist schon mehr als einen Blick wert. Ein großes Bild mit feinen Konturen ist eine Augenweide, vorausgesetzt die Auflösung des Bildschirms stimmt. Aber gerade bei den Plasmamodellen fehlt sie offenbar. Nur die Plasmafernseher von Grundig und Samsung erreichten „gute“ HDTV-Noten. Jedoch gefielen beide Modelle im Sehtest zum Pal-Fernsehen weniger. Der Plasmafernseher von Philips hätte sich wegen seiner Auflösung eine gute Note verdienen können, doch er verspielte sie wegen gelborangestichiger Farbbilder.
Die beste HDTV-Bildqualität liefern die LCD-Modelle – wegen ihrer hohen Auflösung. Bis auf das LCD-Gerät von Sony vergaben unsere Schiedsrichter hier durchweg „gut“. Es fiel wegen überzogener Rottöne auf „befriedigend“ ab.
Viele Zeilen, kleiner Abstand
HDTV-Bilder wirken bei geringem Betrachtungsabstand am besten. Deshalb haben wir ihn für den HDTV-Sehtest auf die dreifache Bildhöhe reduziert, bei 107 Zentimetern Bilddiagonale also auf dreimal knapp 60 cm, gleich 1,80 Meter. Bei diesem Abstand ist die Zeilenstruktur der Bildschirme nicht mehr sichtbar. Wer als Betrachtungsabstand die fünf- bis siebenfache Bildhöhe wählt, wie er beim herkömmlichen Fernsehen üblich ist (mindestens drei Meter), verschenkt diesen Vorteil, und die feineren HDTV-Strukturen lassen sich nur erahnen. Nur wenn im Pal-Programm Spielfilme mit schwarzen Balken oben und unten gesendet werden (in verminderter Auflösung), dürfte dasselbe Programm in HDTV auch dann noch sichtbar besser sein.
Fazit: Die besten Bilder bietet HDTV auf einem hochauflösenden LCD-Schirm bei geringem Betrachtungsabstand. Bei normalem Abstand gewinnt DVB-T. Beim Pal-Fernsehen punkten die Röhrenfernseher von Metz und Philips. Das Spiel ist noch nicht aus. Ob Deutschland Fußball-Weltmeister wird, muss sich erst noch zeigen – vielleicht auf einem brandneuen Fernseher?
Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.
Schreiben Sie bitte einen Kommentar
Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen.
Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice

Kommentare (0)
weitere Kommentare anzeigen