16.02.2012

Datenschutz: Google mit neuem Kleingedrucktem

Datenschutz Meldung

Zum 1. März führt Google neue Datenschutz­bestimmungen ein. Sie werden die über 60 Bestimmungen ersetzen, die bislang für Google-Angebote wie Google Mail, den Bilderdienst Picasa oder den Videokanal YouTube gelten. Vorteilhaft für Nutzer ist das nur auf den ersten Blick. Google räumt sich weitreichende Rechte ein – mit schwammigen Klauseln.

[Update 29.02.2012] „Datenschutzerklärung nicht mit EU-Recht vereinbar“

Auch europäische Datenschützer haben jetzt die neue Datenschutzerklärung von Google kritisiert: In einem Brief an Google-Chef Larry Page erklären sie, dass diese nicht mit europäischem Recht vereinbar sei. Die vorläufige Untersuchung der so genannten Artikel-29-Gruppe, in der die Datenschützer der Europäischen Union zusammenarbeiten, zeige, dass Googles neue Bestimmung den Anforderungen der Europäischen Richtlinie zum Datenschutz (95/46/EG) nicht genüge. Die Datenschützer fordern deshalb Aufschub bei der Einführung der Datenschutzerklärung – bereits zum zweiten Mal. Google jedoch will an dem geplanten Termin festhalten. [Update Ende]

Eine Bestimmung für alle Dienste

Es wirkt wie echter Service: Google ersetzt zum 1. März die über 60 verschiedenen Datenschutzerklärungen der zahlreichen Google-Produkte durch eine einzige Bestimmung. Sie gilt dann für Produkte wie die bekannte Suchmaschine, das soziale Netzwerk Google+, den E-Mail-Dienst von Google aber auch für die Videoplattform YouTube, den Bilderdienst Picasa oder den Google Kalender. Und tatsächlich: Nutzer, die sich umfassend über Datenschutzbestimmungen bei Google informieren wollen, haben es damit deutlich leichter als bisher. Sie müssen sich nun nur noch mit einer einzigen Erklärung befassen. Allerdings: Google räumt sich mit der Neuordnung auch das Recht ein, die Nutzerdaten aus den verschiedenen Diensten zusammenzuführen – und kann so sehr umfassende Profile seiner Nutzer bilden.

Marketingvorteile für Google

Diese Verknüpfungsmöglichkeit soll laut Google dem Internetnutzer dienen: Je mehr Informationen dieser von sich preisgibt, umso aussagekräftiger sollen zum Beispiel die Ergebnisse bei der Nutzung der Suchmaschine werden. Google hat aber natürlich auch selbst etwas von der Umstellung: Werbung lässt sich dann noch passgenauer einblenden – ein Marketingvorteil für Google. Trägt Google die Informationen über einen Nutzer aus allen Diensten zusammen, kann das Unternehmen zum Beispiel leichter erkennen, ob jemand, der das Suchwort „Golf“ eingibt, am gleichnamigen Sport oder am gleichnamigen Auto interessiert ist.

Nicht nur Google-Dienste nutzen

Wenn Google den Namen eines Google Mail-Nutzers zukünftig mit dessen Suchanfragen und die Inhalte seiner Bilder beim Dienst Picasa verknüpft und auch dessen Interessen berücksichtigt, die er beim sozialen Netzwerk Google+ angibt, dann wird der Nutzer immer gläserner. Die Gefahr: Auch recht private Zusammenhänge lassen sich dann leichter erkennen. Ein Beispiel: Der junge Herr Schmidt feiert gern Partys, wie er auf Google+ schreibt. Auf manchen Fotos bei Picasa hat er eine Bierflasche in der Hand – und seine letzte Anfrage in der Suchmaschine betraf den Begriff „Suchtberatung“. Wenn Google zukünftig Informationen aus den verschiedenen Diensten zusammenführt, weiß das Unternehmen möglicherweise bald mehr, als Nutzer ahnen – und ihnen lieb ist.

Datenschutzerklärung mit fragwürdigen Klauseln

Die neue Datenschutzerklärung ist besser strukturiert und insgesamt verständlicher als ihre zahlreichen Vorgänger. Trotzdem gelingt es Google nicht, die versprochene „höchstmögliche Transparenz“ herzustellen. Die etwa neunseitige Erklärung wimmelt geradezu von äußerst dehnbaren Formulierungen wie „möglicherweise“ (15 Mal), „gegebenenfalls“ (zehn Mal) und „unter Umständen“ (einmal). Dass die Regelungen bei weitem nicht so klar sind, wie Google verspricht, zeigt allein schon die Klausel, die zukünftig die umfassende Profilbildung ermöglichen soll: „Unter Umständen verknüpfen wir personenbezogene Daten aus einem Dienst mit Informationen und personenbezogenen Daten aus anderen Google-Diensten.“ Damit weiß ein Nutzer nicht, ob und wann es zu einer Verknüpfung kommt und ob er jemals etwas davon erfährt. Nach deutschem Recht sind solche schwammigen Formulierungen angreifbar.

Was Nutzer gegen die Profilbildung tun können

Nutzer können gegensteuern, indem sie ihre Internetaktivitäten auf Dienste bei unterschiedlichen Anbietern verteilen. Sie können etwa zum Schreiben von E-Mails oder zum Hochladen von Fotos einen anderen Anbieter als Google wählen – und auch zur Google-Suchmaschine gibt es Alternativen wie Bing und Yahoo. Aber auch Nutzer, die vielen Diensten von Google die Treue halten wollen, können sich vor der Profilbildung schützen. In der neuen Datenschutzerklärung heißt es, dass Nutzer ihren Browser so einstellen können, dass alle Cookies – also auch alle von Google gesetzten – blockiert werden. Sie können aber auch einstellen, dass eine Meldung angezeigt wird, sobald Google ein Cookie setzt. Das hilft, kann aber für anderen Verdruss sorgen: Wer die kleinen Datensätze (Cookies) grundsätzlich blockiert, schränkt seinen Surfkomfort deutlich ein. Manche Webseiten funktionieren dann einfach nicht.

Tipp: Gesetzte Cookies können Sie auch von Zeit zu Zeit selbst löschen. Verständliche Hinweise über den Umgang mit Cookies bietet die Seite www.verbraucher-sicher-online.de. Wenn Sie über ein Konto bei Google verfügen, dann verschaffen Sie sich einen Überblick darüber, was Google allein schon durch Ihre Angaben über Sie weiß. Am leichtesten bekommen Sie diesen Überblick mithilfe des Dashboards von Google.

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