20.04.2007

Dampfreiniger: Keiner ist gut

Dampfreiniger Test

Schluss mit Scheuern und Schrubben. Fenster, Fußböden, Heizkörper, Fliesen und Armaturen: Dampfreiniger putzen das alles ohne Kraftaufwand und ohne Chemie. Im Test: kleine Handgeräte für 35 bis 50 Euro, große Dampfreiniger für den ganzen Haushalt ab 90 Euro und Stielgeräte für den Boden ab 65 Euro. Kein Dampfreiniger konnte wirklich überzeugen. Wischmopp und Allzweckreiniger sind besser und billiger. test.de sagt warum und gibt Tipps für den Frühjahrsputz.

16 Geräte im Test

Mühelos Putzen in Minutenschnelle: Wer hätte das nicht gern? Mit Dampfreinigern soll es gelingen. Sie entfernen sogar Bakterien und Keime – ganz ohne Chemie. Das versprechen zumindest die Anbieter. Die Geräte halten das Versprechen nicht ein. 16 Dampfreiniger hat die Stiftung Warentest untersucht. Keiner ist gut. Der Grund: Allzweckreiniger und Wischmopp sind dem Dampfreiniger fast immer überlegen.

Böden nicht sauber

Beispiel: Bodenfliesen in Bad und Flur. Wischmopp und Allzweckreiniger bringen hier strahlende Sauberkeit. Ob Zahnpastaflecken, Seifenreste oder Striemen schwarzer Gummisohlen: Der gute alte Wischmopp schafft alles weg. Anders die Dampfreiniger: Sie lösen den Schmutz zwar, nehmen ihn aber nicht gut genug auf. Es fehlt an Saugkraft bei den Reinigungstüchern, die über der Dampfdüse sitzen. Die Folge: Der Boden ist nach dem Putzen mit einem feinen klebrigen Film überzogen. Auch die Fugen zwischen den Fliesen sind nicht richtig sauber. Hier sitzt der Schmutz so tief in den Poren, dass doch gescheuert werden muss.

Fenster nicht klar

Auch beim Fensterputzen können die Dampfreiniger kaum punkten. Es bleiben Tropfenspuren und Schmutzränder. Meist dort, wo die Düse an- und abgesetzt wurde. Fensterleder und Wasser bringen dagegen Durchblick pur. Wer die Fenster dennoch mit Dampf reinigen will, wählt am besten eines der folgenden Geräte: Kärcher SC 1125 Plus (220 Euro), Tien Merlin Klassik (400 Euro) oder Royal M 340 (nur 35 Euro!). Sie reinigen die Fenster gut. Der Kärcher gehört zu den besten Geräten im Test – was die Reinigungsleistung betrifft. Er putzt insgesamt recht gut. Nur Fußböden werden nicht richtig sauber. Das gilt für fast alle Dampfreiniger im Test. Bestes Gerät für Fußböden ist der Nilfisk-Alto Steamtec 5IH (350 Euro). Schwachpunkt wiederum: Die Reinigungstücher halten beim Nilfisk-Alto nicht lange. Insgesamt gut putzt noch das kleine Handgerät von Severin (45 Euro). Für Fußböden ist es aber nicht gemacht.

Vorsicht beim Nachfüllen

Der Kärcher SC 1125 Plus hätte das Zeug zum Testsieger gehabt. Wären da nicht seine Mängel bei der Sicherheit. Der Wassertank des Geräts lässt sich jederzeit öffnen. Das ist gefährlich. Wer neues Wasser in das heiße Gerät gießt, kann sich übel verbrühen. Das Wasser schießt dann als heiße Fontäne aus dem geöffneten Tank. Sicher sind dagegen Dampfreiniger mit separatem Nachfülltank oder solche Geräte, deren Tank sich erst nach dem Abkühlen öffnen lässt. Traurig: 7 von 16 Dampfreinigern im Test sind in puncto Sicherheit nur ausreichend, drei sogar mangelhaft. Manche Geräte werden auch im Betrieb ziemlich heiß. Beispiel: Die Handgriffe des Nilfisk-Alto und des Fakir erreichen etwa 70 Grad Celsius. Nur zwei Geräte sind gut isoliert und sehr sicher: De'Longhi und Clean Maxx.

Dampf teurer als Wasser

Auch für die Umwelt sind die Dampfreiniger nicht der erhoffte Segen. Putzen ohne Chemie: Das klingt zunächst sehr positiv. Doch die Geräte verbrauchen viel Strom. Deutlich mehr Strom als zur Zubereitung von warmem Putzwasser benötigt wird. Dazu kommen mitunter Entkalkungsmittel. Das geht nicht nur zu Lasten der Umwelt, sondern auch auf die Haushaltskasse. Strom, Wasser und Entkalkungsmittel kosten im Schnitt etwa 27 Euro im Jahr. Bei wöchentlicher Nutzung in einem normalen Haushalt. Die Stiftung Warentest hat die Kosten für einen Musterhaushalt berechnet. Ergebnis: Warmes Wasser und Allzweckreiniger sind billiger.

Desinfizieren überflüssig

Ein Werbeargument bleibt noch: die Hygiene. Dampfreiniger können Bakterien und Keime töten. Etwa in Bad und WC. Überflüssig, sagen Experten. Die Bakterien im heimischen Bad sind in der Regel harmlos. Wer sein Badezimmer dennoch steril machen will, müsste den Dampfstrahl minutenlang auf jede Stelle halten. Dann erst wären die Bakterien dahin. Tipp: Investieren Sie die Zeit besser zur Vorbeugung. Regelmäßiges Lüften und Putzen beugt Schimmel und Bakterien vor.

Nichts für Allergiker

Und noch mal die Werbung: Dampfreiniger sollen ideal für Allergiker sein. Sie können damit Hausstaubmilben aus ihrer Matratze vertreiben. Doch grau ist alle Theorie. In der Praxis funktioniert das nicht. Um Milben zu töten, müsste die Dampfdüse wiederum minutenlang auf die Matratze zielen. Zentimeter für Zentimeter. Nach der Behandlung wären wohl einige Tierchen tot, die Matratze aber pitschenass. Sie müsste tagelang trocknen. In der feucht-warmen Umgebung würden nun neue Milbenstämme auf das Beste gedeihen. Kurzum: Auch für Allergiker bringen Dampfreiniger nichts.

Putztipps:  So blitzen Küche, Bad und Böden

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