20.02.2013

Chat Stromsparen: Antwort auf Ihre Fragen

Chat Stromsparen Meldung
Die test-Experten Thomas Müller und Michael Koswig.

Die Strom­preise sind in den vergangenen 10 Jahren um rund zwei Drittel gestiegen, zum Jahres­wechsel noch einmal kräftig. Doch mit pfiffigen Spartricks lassen sich die Strom­kosten deutlich verringern – in vielen Haus­halts­berei­chen um 50 Prozent und mehr! Hier die Antworten der test-Experten Thomas Müller und Michael Koswig auf Ihre Fragen zum Thema Stromsparen im Chat auf test.de.

Die Top3-Fragen

Moderator: Im Chat begrüße ich Thomas Müller und Michael Koswig. Vor dem Chat hatten die Leser und Lese­rinnen bereits die Möglich­keit, Fragen zu stellen und zu bewerten. Hier die Top1-Frage aus dem Pre-Chat.

Schwind: Ist es denn ratsam, bei zwei- bis dreimaligem wöchentlichem Zugriff auf das Internet den Stecker zu ziehen und den Router ganz abzu­schalten?

Michael Koswig: Das kann sich lohnen. Ein alter Router kann zum Beispiel um die zehn Watt verbrauchen. Rund um die Uhr wären das pro Jahr 24 Euro. Aber: Das Abschalten klappt nur bei Routern, die unabhängig vom Telefon arbeiten. Den Stecker müssen Sie übrigens nicht jedes Mal ziehen beziehungs­weise wieder einstöpseln. Komfort­abler ist eine schalt­bare Steck­dosen­leiste zum Test Steckdosenleisten.

Moderator: ...und hier die Top2-Frage:

Rinkelinchen: Sind Stecker­leisten mit Ein- und Ausschaltung in der Küche bei Elektrogeräten angebracht? Gibt es auch Steck­dosen mit Ein- und Ausschalter? Oder, brauchen Elektrogeräte wie Wasser­kocher, Schneide­maschine, Kaffee­maschine keinen Strom, wenn sie ausgeschaltet sind, aber in der Steck­dose sind?

Thomas Müller: Über­prüfen Sie am besten mit einem guten Strom­mess­gerät, ob hier über­haupt ein relevanter Standby-Verbrauch vorhanden ist Test Strommessgeräte: Nur eins ist gut.

Michael Koswig: Bei unserem letzten Test von Wasser­kochern Wasserkocher: Gute ab 30 Euro haben wir mehrere Geräte entdeckt, die einen Standby-Verbrauch haben. Er lag bei einem Watt – z. B. bei LED-Beleuchtungen oder Zeit­programmen. Ältere Geräte mit solchen oder ähnlichen Funk­tionen können mehr verbrauchen. Dies kann übrigens auch Küchen­radios betreffen. Aber: Achten Sie auf die Sicher­heits­hinweise! Auf keinen Fall zu viele Strom­fresser an eine Steck­dosen­leiste anschließen.

Moderator: ...und die Top-3-Frage:

Thorsten W.: Wir haben viele Stromsp­artipps befolgt (LED, neuen Kühl- und Gefrier­schrank, Standby vermeiden usw.), aber keine merk­liche Ersparnis bei den Kilowatt­stunden erfahren. Nun habe ich mal gelesen, dass auch die Stromzähler im Alter fehler­haft zählen. Unserer hat schon 42 Jahre auf dem Buckel. Was kann ich als Verbraucher unternehmen, wenn ich Zweifel am Stromzähler habe?

Thomas Müller: Meist sind die Zähler nur für acht bis 16 Jahre geeicht. Dann müssen sie über­prüft werden. Es gibt aber auch Ausnahmen. Wer Zweifel an der Korrektheit der Mess­werte hat, sollte sich an den Strom­versorger (Mess­stellen­betreiber) wenden. Der ist auskunfts­pflichtig. Unabhängig davon sollten Sie mit einem Strom­mess­gerät sowie mit Hilfe des vorhandenen Zählers erforschen, welche Strom­fresser haupt­sächlich für Ihren Strom­verbrauch verantwort­lich sind. Wenn sich Sparmaß­nahmen so wenig bemerk­bar machen, spricht einiges dafür, dass es versteckte Strom­fresser wie etwa die Heizungs­pumpe gibt, die den Verbrauch dominieren Heizungspumpen: Über 100 Euro Ersparnis pro Jahr.

Beleuchtung

Mr.cutter: In unserem Neubau sind ausschließ­lich Hoch­volt-Halogen-Einbaustahler verbaut. Welche gute und vor allem bezahl­bare Alternative, um Strom zu sparen, gibt es? Bei Energiespar­lampen müsste erst eine Leuchte installiert werden und die Löcher der Einbaustrahler bleiben unschön und ungenutzt vorhanden. Für LED-Lampen benötigt man einen Trafo, der schwer nach­träglich unter­zubringen ist. LED-Hoch­volt-Einbaustrahler – also mit integriertem Trafo – kosten ein Vermögen. Wozu raten Sie mir?

Michael Koswig: Die einfachste Sofortmaßnahme ist der Austausch derjenigen Lampen, die am häufigsten und am längsten einge­schaltet sind. Da die LED-Spots im Vergleich zu den alten Halogen-Spots nur rund 1/5 des Stroms verbrauchen, macht sich der Austausch schnell bezahlt. LED-Spots mit GU-10-Sockel für 230 Volt, also "Hoch­volt", haben wir bereits getestet Themenpaket Energiesparlampen: Alle Tests und Kauftipps. Machen Sie vor dem Kauf unbe­dingt einen Preis­vergleich. Als Aktions­ware z.B. in Baumärkten können Sie heut­zutage LED-Marken­produkte bereits für weniger als 10 Euro ergattern.

Karbon: Wir betreiben in der Diele sechs Strahler, pro Strahler 60 Watt, Hoch­volt 230 V, die in der Regel immer gedimmt laufen. Wir waren bisher der Meinung, dass durch das Dimmen auch eine gewisse Strom­ersparnis erzielt wird. Nun haben uns andere Meinungen verunsichert. Es käme auf den Dimmer an und bei manchen wäre eine Strom­ersparnis über­haupt nicht gegeben. Das hieße ja, ich könnte die Strahler auch immer voll aufgedreht lassen. Was stimmt?

Michael Koswig: Nicht jeder Dimmer funk­tioniert mit jeder Spar­lampe. Achten Sie hier unbe­dingt auf die Angaben auf der Verpackung sowie zusätzliche Informationen, die Lampenhersteller im Internet angeben. Grund­sätzlich gilt, dass das Dimmen sehr wohl den Strom­verbrauch deutlich reduzieren kann. Auch wenn der Dimmer einen gewissen Eigen­verbrauch hat und die Effizienz einer gedimmten Lampe etwas geringer ist, sinkt unterm Strich der Strom­verbrauch.

Der Kasseler: LED-Lampen sind i.d.R. (besonders für höhere Licht­leistung) vergleichs­weise teuer. Vorteil ist u.a. auch, dass sie sofort hell sind. Verlieren sie über die Zeit signifikant an Leistung oder bleibt sie konstant?

Thomas Müller: Unsere Dauer­tests über viele tausend Stunden zeigen, dass die Licht­ausbeute der LED -Lampen allenfalls kaum mess­bar abnimmt. Aus diesem Grund haben gute LED-Lampen bei unseren Tests in puncto Halt­barkeit auch Bestnoten bekommen.

Warm­wasser

Sparfuchs: Unter unserem Hand­wasch­becken befindet sich ein kleiner Elektro-Warm­wasser­boiler. Stimmt es, dass der relativ hohe Strom­kosten verursacht? Wie kann ich hier sparen?

Michael Koswig: Der Energieverbrauch eines solch kleinen Speichers wird in zweierlei Weise verursacht. Erstens durch die Wasser­erwärmung und zweitens durch die Abstrahl­verluste des oft nur mäßig gedämmten Speichers. Sinn­voll kann es hier sein, die Speicher­temperatur möglichst nied­rig einzustellen, um die Verluste zu reduzieren.

Thomas Müller: Eine Alternative können Klein-Durchlauf­er­hitzer sein, die sich an eine normale 230-Volt-Steck­dose anschließen lassen. Diese heizen nur das direkt benötigte Wasser auf. Speicher­verluste lassen sich so vermeiden.

Michael Koswig: Das ist besonders gerade dort sinn­voll, wo der Wasser­verbrauch nur relativ selten anfällt, z.B. im Bade­zimmer einer Gästewohnung. Eine weitere Möglich­keit ist der Einbau einer Spar-Armatur: Je weniger warmes Wasser erzeugt werden muss, desto besser. Zur Orientierung sollte man wissen: Das Erwärmen von 1 000 Liter kaltem Wasser auf angenehme 40 Grad Celsius kostet etwa 8,50 Euro. Beim Hand­wasch­becken fließen oft etwa sechs Liter pro Minute, vor allem große Familien können hier einiges sparen.

Nadine: Wir haben einen Durchlauf­er­hitzer (mit drei Stufen) zur Zeit auf Stufe 2. Nun haben wir vor, eine Sparbrause und ein Wasser­spar­aufsatz für den Wasser­hahn zu kaufen. Muss ich am Durchlauf­er­hitzer etwas ändern um nicht nur Wasser, sondern auch Strom zu sparen? Oder wird auto­matisch weniger Wasser erhitzt, weil wir weniger benutzen?

Thomas Müller: Grund­sätzlich wird auto­matisch Strom gespart, weil weniger Wasser erhitzt wird. Allerdings muss man ausprobieren, ob der Durchlauf­er­hitzer mit dem geringeren Durch­fluss klar kommt. Manchmal können diese Geräte ausgehen, wenn zu wenig Wasser fließt.

Kochen

Edelgard Wald: Es ist eine Entscheidung für eine Neuanschaffung zu treffen. Ich wüsste gern, ob es einen großen Preis­unterschied zwischen dem Kochen mit Gas oder Strom gibt? Sind die neuen Ceran-Koch­felder bereits stromsparend ausgelegt?

Michael Koswig: Eine Kilowatt­stunde Strom kostet rund 27 Cent. Eine Kilowatt­stunde Gas kostet nur etwa 7 Cent. Die Elektrokoch­felder sind zwar effizienter als die Gasflamme, aber unterm Strich ist das Kochen mit Gas preisgüns­tiger. Ceran-Koch­felder sind zwar stromsparender als alte guss­eiserne Herd­platten, aber nicht so effizient wie das Induktions­kochen.

Helmut.ziemer: Kann ich mit einer Induktions­koch­platte auch Strom sparen?

Michael Koswig: Ja, Voraus­setzung ist hier jedoch, dass passendes Koch­geschirr verwendet wird. Ein Kosten- und Energievergleich zum Wasser­kochen haben wir im test-Heft 1/2013 veröffent­licht Stromverbrauch: Wo Sparen viel bringt. Auch in diesem Vergleich war der Gasherd am billigsten. Sie finden auf test.de auch einen Test von Wasserkochern.

Standby-Verbrauch

BerWi: Mein Eindruck ist, dass die meisten Geräte im Standby-Betrieb heute sehr viel weniger Strom brauchen als vor zehn oder 15 Jahren. Umge­kehrt sagen Elektroniker, dass häufiges Ein- und Ausschalten die Elektronik schneller altern lässt. Heißt das, dass die Umwelt­bilanz des häufigen Aus- und Einschaltens möglicher­weise sogar negativ ist, wenn man die Wiederbeschaffung defekter Geräte berück­sichtigt?

Thomas Müller: Richtig ist, dass der Standby-Verbrauch moderner Geräte deutlich gesunken ist. Dafür haben auch die Vorschriften der EU gesorgt. Moderne Elektronik hält häufiges Ein- und Ausschalten problemlos aus. Dies haben wir z. B. bei Lampen getestet. Gute Spar­lampen – alle­samt mit vielen elektronischen Bauteilen im Sockel – über­standen im Test 70 000-maliges Ein- und Ausschalten oder auch mehr.

Michael Koswig: Übrigens: Wer sich über umwelt­schonende und energiesparende Geräte informieren möchte, kann auch unter www.blauer-engel.de recherchieren. Bei den Vergabekriterien werden auch Strom­verbrauch und Standby-Verbrauch berück­sichtigt.

Strom­fressern auf der Spur

Momo: In meiner Miet­wohnung ist ein älterer Durchlauf­er­hitzer. Ich habe ihn auf „1“ gestellt. Irgendwo in meiner Wohnung gibt es einen „Strom­fresser“. Wie kann ich fest­stellen, ob es dieser DE ist?

Michael Koswig: Ein Strom­mess­gerät wird hier möglicher­weise nicht funk­tionieren, weil der Durchlauf­er­hitzer direkt ans Stromnetz ange­schlossen ist und sich das Strom­mess­gerät deshalb nicht dazwischen stöpseln lässt. Den Verbrauch des Durchlauf­er­hitzers können Sie trotzdem abschätzen. Und zwar mit Ihrem ganz normalen Stromzähler. Notieren Sie dazu den Zählerstand, benutzen Sie z. B. die Dusche und kontrollieren Sie den Zählerstand danach erneut. Wichtig ist allerdings, dass andere Strom­fresser wie z. B. Heizlüfter während dieser Messung ausgeschaltet sind.

Nick14Nack: Wo finde ich eine Liste aller Sparmaß­nahmen (z.B. "Kühl­schrank austauschen", "Vor dem Duschen einseifen", ...) mit EUR-Beträgen? Damit könnte man schneller für sich selbst die größten Strom­fresser finden.

Thomas Müller: Typische Strom­fresser lassen sich mit Hilfe unseres aktuellen Testbe­richts aufspüren Stromverbrauch: Wo Sparen viel bringt. Viele große Verbräuche hängen allerdings vom persönlichen Verhalten und vom Zustand der Geräte ab. Hier helfen keine pauschalen Angaben. Da helfen nur eigene Messungen Test Strommessgeräte: Nur eins ist gut.

Heizen

Amadeus27: Wir haben mit unserem Hausbau vor fünf Jahren eine Luft­wärmepumpe (Nibe Fichter 360) installiert, die jähr­lich gewartet wird. Die Strom­kosten dieser Anlage, besonders im Winter, sind enorm hoch. Was kann ich tun oder anschaffen, um diese Kosten zu reduzieren? Solar­thermie kommt leider nicht infrage, da das Dach komplett mit Photovoltaik-Modulen bedeckt ist.

Michael Koswig: Luft­wärmepumpen haben es im Winter schwer. Je kälter es draußen ist, desto mehr Strom benötigen Sie, um drinnen die Heizkörper kräftig aufzuheizen. Vor allem in schlecht gedämmten Gebäuden entpuppen sie sich dann oft als Strom­fresser. Über­legen Sie, die Wärmedämmung des Gebäudes zu verbessern. Hier könnte unser Test von Dachdämmung helfen Dachdämmung: Bloß keine Wärmebrücke. In gut gedämmten Häusern lässt sich die Vorlauf­temperatur der Heiz­anlage deutlich reduzieren, so dass die Wärmepumpe entlastet wird.

Wer über­legt, Wärmepumpen­technik in seinem Haus einzubauen, sollte als Wärmequelle möglichst Erdwärme statt Luft wählen. Wärmepumpen haben wir bereits getestet.

Ökostrom und Verhaltens­änderung

Ludegr: Bei vielen Stromanbietern wird heute der Ökostrom­tarif zum gleichen Preis wie der normale Tarif angeboten. Wie kann ich wirk­lich sicher sein, dass ich auch 100% regenerative Energie beziehe?

Thomas Müller: Achten Sie darauf, dass der Tarif ein strenges Ökostrom-Siegel hat, z.B. OK-Power-Label oder Grüner-Strom-Label. Diese Label garan­tieren, dass der Anbieter den Ausbau erneuer­barer Energien fördert.

Jerzy Bolin­sky: Kann es sein, dass durch leichte Änderung im etwas über­zivilisierten Anspruchs­verhalten (zu häufiges Duschen, zu häufiger Wäschewechsel) ähnlich viel Strom­kosten einge­spart werden könnten wie durch Neuanschaffungen spar­samer Geräte? Oder haben Sie andere gute Tipps und Tricks?

Thomas Müller: Das ist völlig richtig. Das Verhalten spielt eine ganz entscheidende Rolle. Musterbei­spiel ist z. B. die Entscheidung, ob man die Badewanne nutzt oder sich unter die Dusche stellt. Und dann kommt es auf die Dauer des Duschens an.

Michael Koswig: Mit Verhaltens­änderungen lässt sich in der Tat viel Geld sparen und auch die Umwelt lässt sich auf diese Weise deutlich entlasten. Anderer­seits müssen wir nun auch nicht über­all auf Komfort verzichten, der uns wichtig ist. Mit unseren Tests zeigen wir immer wieder, dass sich mit guten spar­samen Geräten ökologisch vertret­bare und ökonomisch sinn­volle Lösungen in Einklang bringen lassen.

Moderator: Das waren 60 Minuten test.de-Expertenchat. Vielen Dank an die Nutzer von test.de für die vielen Fragen, die wir aus Zeitgründen leider nicht alle beant­worten konnten. Vielen Dank auch an Thomas Müller und Michael Koswig, dass Sie sich die Zeit für die User genommen haben.

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