02.12.2011

Carpediem-Finanzvertrieb: Gericht stoppt Carpediem

Carpediem-Finanzvertrieb Meldung

Mit Sprüchen wie „Wir holen Ihnen Ihr Geld zurück“ hat der Finanzvertrieb Carpediem Anleger aufgefordert, ihre Versicherungen vorzeitig zu kündigen. Behauptungen, dass Versicherten dabei keine Verluste entstünden oder die Rückzahlung aller Beiträge realistisch sei, hat das Landgericht Hamburg dem Finanzvertrieb Carpediem jetzt untersagt. Seine Behauptungen seien irreführend.

Versicherer wehrt sich gegen Carpediem

Gegen Carpediem geklagt hatte die Atlanticlux Lebensversichung S.A. Sie wehrte sich gegen unwahre Behauptungen, die der Finanzvertrieb aus Seligenstadt auf seiner Homepage www.carpediem.de verbreitete. Dort wurden auch Äußerungen der Carpediem in der Zeitschrift „Der Freie Berater“ veröffentlicht. Wie mehrfach berichtet, tragen Lebensversicherungen nach Ansicht des Finanzvertriebs wegen ihrer mageren Rendite zur Vermögensvernichtung bei. Deshalb sollten Anleger die Verträge kündigen und das aus den Verträgen erstattete Geld in Beteiligungen der Cis AG investieren Riskantes Investment. Da könnten Anleger mit zweistelligen Renditen rechnen. Im auf der Homepage veröffentlichten Bericht in der Zeitschrift „Der Freie Berater“ hieß es dazu: „Sie haben oder hatten eine Police – beispielsweise der Atlanticlux –, dann können Sie sich gegebenenfalls alle Beiträge zuzüglich Zins und Zinseszins zurückholen!“

Gericht: „Graviende Täuschung der Verbraucher“

Das Landgericht Hamburg verurteilte den Finanzvertrieb Carpediem, die irreführenden und falschen Behauptungen zu unterlassen. Die Carpediem darf in Bezug auf die Atlanticlux nicht mehr behaupten, dass „die Rückzahlung der vollen Beitragsaufwendungen ... durchaus realistisch“ und/oder “zuzüglich Zins und Zinseszinsen nahezu sicher“ sei und/oder mehrere Möglichkeiten bestünden, „die eigenen Beträge nahezu komplett zurückzuerhalten“. Da Versicherte bei einer Kündigung nur den Rückkaufswert und nicht alle Beiträge zuzüglich Zins und Zinseszins zurück erhielten, handele es sich bei dieser Aussage um „eine massive Täuschung der Versicherungsnehmer“. Diese würden tatsächlich erhebliche finanzielle Verluste erleiden, wenn sie der irreführenden Behauptung der Carpediem glaubten, urteilte das Landgericht. Deshalb verbot das Landgericht der Carpediem auch die Aussage in Bezug auf die Atlanticlux, dass „keine Verluste bei Vertragskündigungen oder bereits gekündigten Verträgen entstehen.“

Landgericht Hamburg, Urteil vom 11.11.2011
Aktenzeichen: 408 HKO 20/11, nicht rechtskräftig

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