29 Camcorder zwischen 300 und 1 300 Euro im Test. Aufnahme auf Mini-DV, DVD, Speicherkarte oder Festplatte. „Gute“ gibt es bei allen vier Systemen.
Camcorderkäufer haben ganz unterschiedliche Vorlieben und Bedürfnisse: Der eine will richtige Filme drehen und am PC schneiden, der andere möchte seine Aufnahmen ohne Umwege direkt auf den Fernseher bringen. Der eine will seinen Camcorder immer dabeihaben und legt Wert auf geringes Gewicht und Handlichkeit, für den anderen steht der Preis im Vordergrund. Wir haben 28 Camcorder komplett getestet. Immerhin neun davon sind „gut“. Ein weiterer läuft außer Konkurrenz, weil er als Einziger hochaufgelöste HDTV-Bilder liefert (siehe „HD-Camcorder“). Die Chancen stehen nicht schlecht, unter diesen Camcordern den passenden für sich zu finden.
Eins der ersten Kriterien bei der Suche nach dem richtigen Gerät ist das Speichermedium, auf dem die Videos aufgezeichnet werden. Die Camcorder im Test speichern entweder auf Mini-DV-Kassetten, auf DVD-Rohlingen, auf Speicherkarten oder auf einer eingebauten Festplatte. Alle vier Systeme haben ihre Stärken und Schwächen und eignen sich für verschiedene Anforderungen.
Mini-DV: Leicht zu bearbeiten
Am verbreitetsten ist immer noch das altbewährte Mini-DV-System. Diese handlichen Kassetten gibt es schon seit etwa zehn Jahren, rund 80 Prozent der heute verkauften Camcorder nutzen sie. Kein Wunder: Die kleinen Kassetten kosten nur ein paar Euro, sind robust, lassen sich schnell wechseln und bieten in höchster Aufnahmequalität immerhin bis zu 80 Minuten Aufnahmezeit. Außerdem lassen sich Videos im DV-Format unkompliziert und ohne zusätzliche Treibersoftware auf einen PC übertragen. Dort kann man sie mit jedem gängigen Videoschnittprogramm bearbeiten. Der Computer muss dafür nur einen sogenannten Firewire-Anschluss haben, der sich im Zweifelsfall problemlos nachrüsten lässt.
Weiterer Vorteil von Mini-DV-Camcordern: der Preis. Der günstigste „Gute“ im Test, der Sony DCR-HC46 für 545 Euro, ist ein Mini-DV-Gerät. Besonders Preisbewusste können einen Blick auf das billigste Gerät werfen: Der Canon MV900 kostet weniger als 300 Euro und bietet immerhin „befriedigende“ Bilder. Die mäßige Tonqualität des eingebauten Mikrofons kann man mit einem externen Mikro ausgleichen.
DVD: Ab in den Player
Immer beliebter werden in letzter Zeit die DVD-Camcorder. Hauptvorteil dieser Geräte: Man kann die bespielten Scheiben ohne Umweg über den Computer direkt auf dem DVD-Player abspielen. Ganz so einfach, wie es sich anhört, ist das in der Praxis allerdings selten: Es gibt fünf Typen von DVD-Rohlingen, längst nicht jeder Player spielt alle ab (siehe „DVD-Formate“). Am unproblematischsten ist das +RW-Format, und das beherrschen nur die Camcorder von Sony, Hitachi und Samsung.
Ein großer Nachteil der DVD-Aufnahme ist der begrenzte Speicherplatz. Auf eine Lage der Acht-Zentimeter-Rohlinge passen in der höchsten Qualitätsstufe nur 18 bis 20 Minuten. Außerdem sind die Rohlinge sehr empfindlich gegen Kratzer.
SD-Karte: Besonders handlich
Das Problem hat man mit Speicherkarten-Camcordern nicht. Die von digitalen Fotoapparaten bekannten SD-Karten sind weitaus robuster als DVD-Rohlinge. Bei den Aufnahmezeiten sieht die Sache allerdings zwiespältig aus: Das Panasonic-Gerät speichert auf der mitgelieferten Zwei-Gigabyte-Karte in der höchsten Qualitätsstufe (XP) 25 Minuten, im „normalen“ Aufnahme-Modus (SP) immerhin doppelt so viel. Doch so eine SD-Karte mit schneller Schreibgeschwindigkeit, wie man sie für die Videoaufzeichnung braucht, kostet ein Vielfaches eines DVD-Rohlings. Der Hauptvorteil von Speicherkarten-Camcordern ist ihre Handlichkeit. Das Sanyo-Modell wiegt nur 180 Gramm. Doch seine Bildqualität überzeugt kaum und die Tonqualität noch weniger. Aber auch der „gute“ Panasonic wiegt mit 300 Gramm nicht halb so viel wie der beste DVD-Camcorder im Test.
Festplatte: Riesenspeicher
Zum ersten Mal haben wir auch vier Geräte mit Festplatte dabei. Was die Aufnahmedauer angeht, sind sie unschlagbar: Alle vier haben 30 Gigabyte Festplattenspeicher an Bord, auf den sie in der höchstmöglichen Bildqualität über sieben Stunden Video aufnehmen! Damit eignen sich diese Camcorder ideal für Filmer, die keine Lust haben, ständig Kassetten, Rohlinge oder Speicherkarten zu wechseln und zu beschriften. Die Sache hat aber auch einen Haken: Wenn die Festplatte voll ist, ist sie voll. Dann muss man die Videodaten erst einmal auf einen Rechner übertragen, bevor man sie löschen und weiterfilmen kann.
Aufnahmeformate: Mpeg versus DV
Eine weitere wichtige Eigenheit ist DVD-, Speicherkarten- und Festplatten-Camcordern gemein: Anders als die Mini-DV-Geräte zeichnen sie ihre Aufnahmen im Mpeg-Kompressionsverfahren auf. Dieser Unterschied spielt besonders dann eine Rolle, wenn man Videos am Computer bearbeiten will: Mpeg-Dateien stellen höhere Anforderungen an Rechner und Schnittsoftware. Außerdem erfolgt die Datenübertragung nicht über die von DV-Camcordern gewohnte Firewire-Schnittstelle, sondern über einen USB-Anschluss. Dafür braucht der PC meist spezielle Treibersoftware. Bei DVD- und Speicherkartengeräten kann man die Daten auch noch mittels DVD-Laufwerk beziehungsweise Kartenlesegerät auf den PC bringen. Doch auch das erfordert Software, die die entsprechenden Dateiformate lesen und verarbeiten kann. Am unkompliziertesten läuft die Übertragung auf den PC immer noch bei Mini-DV.
Pflicht: Bild und Ton
Besonders bei hohen Kompressionsraten ist das Mpeg-Verfahren auch für Qualitätsprobleme bei Bewegtbildern bekannt. Und doch bietet der SD-Camcorder von Panasonic, ein Gerät, das Mpeg-Videos aufzeichnet, das beste Bild im Test – jedenfalls unter den „normalen“ Geräten für das gängige Pal-Videoformat. Einzig die hochaufgelösten Bilder des zusätzlich getesteten HD-fähigen Mini-DV-Geräts von Sony sind noch besser (siehe „HD-Camcorder“).
Eine weitere kleine Überraschung gibt es bei den Verfahren zur Bildstabilisierung: Wie nicht anders zu erwarten, arbeiten hier alle Camcorder mit optischer Entwackelung „gut“. Doch immerhin fünf Geräte mit elektronischer Bildstabilisierung schneiden sogar noch besser ab!
Bei der Tonqualität setzt sich ein Trend der vergangenen Jahre fort: Je kompakter die Camcorder werden, umso mehr neigen sie dazu, Störgeräusche von Laufwerk, Zoommotor, Autofokus oder Bedienelementen mitaufzunehmen. Kein Wunder, rücken doch Mikrofon und schnurrender Antrieb enger zusammen. Gut, wenn man dieses Problem mit einem externen Mikrofon ausgleichen kann.
Kür: Foto, Nachtsicht, Webcam
Viele Camcorder bieten Zusatzfunktionen, auf die man achten kann. So liefern etliche inzwischen auch Digitalfotos in Auflösungen von drei Megapixel oder mehr, und das teils in richtig „guter“ Bildqualität. Interessant für Nachteulen: Sony-Camcorder haben eine eingebaute Infrarotleuchte, mit der man selbst im Stockfinstren noch drehen kann. Und Computerfreunde mögen es nützlich finden, dass man viele digitale Camcorder auch als Webcam nutzen kann.
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