20.07.2012

Bubble Tea: Dickmacher  aus Fernost

Bubble Tea Schnelltest

Plötzlich waren sie da in deutschen Innenstädten: Bubble-Tea-Läden. Allein in den ersten vier Monaten des Jahres hat Bubble Tea einen Umsatz von 4 Millionen Euro erzielt. Das simple Prinzip des Drinks: Schwarze oder bunte Perlen werden zu­sammen mit einem Mixgetränk durch einen extradicken Strohhalm gesaugt. Das neue Geschmacks­erlebnis begeistert vor allem Teenager. Der Schnelltest klärt, was drinsteckt.

Vier Sorten im Test

Wir haben exemplarisch vier Sorten Bubble Tea der Ketten BoboQ und Boobuk ins Labor geschickt: einen Tee mit Apfelgeschmack, einen Mangomilchtee, einen Tee mit Milch und Karamellgeschmack sowie einen Jogurt-Erdbeer-Drink. Alle haben wir mit den sogenannten Toppings, den Garnierungen, bestückt – von Tapioka bis Jelly (siehe „Eine asiatische Erfolgsgeschichte“).

Zucker und Koffein wie in Cola

Fast jedes siebte Kind zwischen 3 und 17 Jahren ist übergewichtig. Einer der Gründe: zu viel Süßes. Wer jetzt denkt, das neue Teegetränk sei eine gute Alternative zu Limo und Co., der irrt. Ein Becher der beliebten Größe L, das entspricht einem halben Liter, ist eine pure Kalorienbombe. Mit 50 bis 60 Gramm Zucker pro Becher haben drei der Bubble Teas im Test etwa genau so viel Zucker wie die gleiche Menge Cola. Der Mangomilchtee von Boobuk toppt das noch: Ein Becher enthält etwa 90 Gramm Zucker. Das sind 30 Stück Würfelzucker. Nach den Standards der Weltgesundheitsorganisation WHO sollte eine erwachsene Frau nicht mehr als 50 Gramm Zucker aufnehmen – und das am Tag. Mit 500 Kilokalorien schlägt der Mangomilchtee auch beim Brennwert am heftigsten zu Buche. In puncto Koffein hält Bubble Tea ebenfalls mit Cola mit. Der Koffeingehalt der drei Bubble Teas im Test, die Tee enthalten, entspricht in etwa dem der schwarzen Brause. Der Jogurt-Erdbeer-Drink von BoboQ besteht aus Wasser, Jogurt und Sirup.

Farbenpracht durch Zusatzstoffe

Sie machen den Bubble Tea erst so richtig verführerisch, die bunten Farben. Die stammen aber nicht etwa aus dem grünen Apfel, der gelben Mango oder der roten Erdbeere. In diesen Geschmackssorten konnten wir die synthetischen Azofarbstoffe Tartrazin-Gelb (E 102) und Allurarot (E 129) nachweisen. Zwar war davon nicht mehr drin als zugelassen. Aber sie zählen zu sechs Azofarbstoffen, die im Verdacht stehen, bei Kindern zu Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefiziten zu führen. Werden sie verwendet, muss seit Juli 2010 laut EU-Verordnung auf dem Etikett von verpackten Lebensmitteln der Warnhinweis stehen: „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen.“ Diese Regel gilt aber nicht für Bubble Tea. Er wird an der Theke verkauft und zählt zu den unverpackten Lebensmitteln. Nur der Hinweis „mit Farbstoffen“ muss laut Zusatzstoffverordnung für den Verbraucher deutlich erkennbar sein. Wünschenswert wäre das auch für den Warnhinweis. Wenig kundenfreundlich: Die Tester fanden die Angabe „mit Farbstoffen“ meist erst in einer Liste der Inhaltsstoffe, die sie sich auf Nachfrage zeigen ließen.

Von wegen „100 Prozent natürlich“

Ob Apfel, Mango oder Erdbeere – mit Bildern von frischen Früchten lockt zum Beispiel die Kette Boobuk auf einem Flyer (siehe Bild), preist das Getränk als „100 Prozent natürlich“ an. Doch das Fruchtige im Bubble Tea kommt kaum aus der Frucht. Unsere Aromaanalyse zeigt deutlich: Fruchtaromen sind nur in sehr geringen Mengen nachweisbar. Hauptsächlich bestehen die Mixgetränke aus einem synthetischen Fantasiearoma.

Geschmack aus der Dose

Das deckt sich auch mit den Wahrnehmungen der Tester bei der Verkostung: Als künstlich, bonbonartig und sehr süß beschreiben sie die Bubble Teas. So erinnern die Erdbeere im Jogurt-Drink und die Mango im Milchtee eher an Dosenware. Auch die Toppings haben sich unsere Tester auf der Zunge zergehen lassen. Der Fruchtsirup in den Boba-Perlen ist dickflüssig. Die Geleehülle löst sich nach dem Zerplatzen nicht auf, sondern bleibt im Mund zurück. Das mag nicht jeder. Die schwarzbraunen Tapioka-Perlen sind außen schleimig-weich und innen gummiartig und leicht mehlig. Auch die Jellys sind bissfest und elastisch. Diese geleeartigen Stückchen schmecken nur leicht nach Frucht.

Gefahr für Kinder wie Erwachsene

Geschmack hin oder her, die Perlen bergen auch ein Risiko. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte warnt: Kleinkinder können sich an den Perlen und Stücken verschlucken, im schlimmsten Fall bestehe die Gefahr von Erstickungsanfällen. Beim Ansaugen der Perlen und Stücke können sich aber auch Größere leicht verschlucken.

Von Weichmachern keine Spur...

Letztes Jahr machte ein Lebensmittelskandal im Heimatland des Bubble Tea Schlagzeilen. In Produkten aus Taiwan wurde der Weichmacher DEHP nachgewiesen, auch in Sirup, der für Bubble Tea verwendet wird. Beruhigend: Weichmacher waren in den Bubble Teas unseres Tests nicht nachweisbar. Ebenfalls in Ordnung ist die mikrobiologische Qualität der untersuchten Getränke. Kein Becher enthielt Salmonellen oder andere krankmachende Keime.

...von Konservierungsstoffen dagegen sehr wohl

Nachweisbar war hingegen Sorbinsäure. Der Konservierungsstoff gilt als unbedenklich. Doch auch die Information „mit Konservierungsstoffen“ muss für Verbraucher klar erkennbar sein. Wie schon bei den Farbstoffen fanden wir diese Angabe aber nicht am Tresen oder in der Bestellkarte, sondern erst in den Listen der Inhaltstoffe. Eine Ausnahme gibt es im Test: Der Bubble Tea mit Milch und Karamellgeschmack, gekauft bei Boobuk, enthält keine Konservierungsstoffe. Er kommt auch ganz ohne Farbstoffzusatz aus, weil Karamell bereits ausreichend Eigenfärbung mitbringt.

Das Modegetränk hat seinen Preis

Drei bis vier Euro kosteten die Bubble Teas im großen Becher. Der Preis variiert dabei je nach Anzahl der Toppings. Eine Portion gibt es immer dazu, jedes weitere Topping macht 50 Cent extra. Und was den Geldbeutel schrumpfen lässt, füllt die städtischen Abfalleimer. Durch Becher, Strohhalm und Folie entsteht jede Menge Müll.

test-Kommentar

Anders als Name und Marketingstrategie vermuten lassen, ist Bubble Tea kein natürliches Teegetränk, sondern ein künstlicher Softdrink mit synthetischen Farbstoffen und Aromen. Außerdem macht ihn der hohe Zuckergehalt zu einer echten Kalorienbombe. Wem Zucker, Farbstoffe und Aromen schlichtweg zu viel sind, kann Bubble Tea auch einfach selbst zubereiten (siehe Rezept).

Lesen Sie auf der nächsten Seite: So haben wir getestet

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