08.10.2003

Billige Heimwerkergeräte: Zu schwach

Billige Heimwerkergeräte Test

Stichsäge, Schlagbohrmaschine, Schwingschleifer oder Winkelschleifer für zehn Euro: Billigwerkzeug ist in. Viele Heimwerker schauen heute vor allem auf den Preis. Kein Wunder: Die Anbieter locken sogar mit Umtauschgarantie. Aber auch damit ist das Billigwerkzeug keine gute Wahl. test.de sagt warum und gibt Tipps, wie Sie trotzdem sparen.

Zu diesem Thema bietet test.de aktuellere Tests: Bohrmaschinen und Schwing- und Winkelschleifer

Reparieren: Fehlanzeige

Billige Motoren, hohe Stückzahlen, Montage in Fernost: Das ist das Rezept für Billigwerkzeug. Schlagbohrmaschinen, Stichsägen, Schwingschleifer oder Winkelschleifer sind ab zehn Euro zu haben. Auf die Endkontrolle wird verzichtet, auf den Service auch. Reparieren: Fehlanzeige. Die meisten Geräte lassen sich gar nicht erst aufschrauben. Die Kunststoffgehäuse sind genietet oder verschweißt. Ersatzteile gibt es nicht. Geht das Gerät kaputt, bekommt der Kunde ein neues – oder sein Geld zurück. Wenn er sich meldet. Viele Kunden melden sich nicht. Auch davon lebt das Geschäft.

Billigware ist in

Billige Werkzeuge sind in. Marktanteil bei Bohrmaschinen: über 40 Prozent. Eine Folge knapper Haushaltskassen. Noch vor wenigen Jahren hatten deutsche Heimwerker Markennamen und Leistung im Blick. Ein teures Gut. Die Maschinen von AEG, Metabo, Bosch und Co sind oft zehnmal so teuer wie die Billigware aus Fernost. Mit der Umtauschgarantie im Rücken läuft das Billigwerkzeug nun wie warme Semmeln.

Geduld macht keinen Meister

Eine Freude sind die Geräte trotzdem nicht. Den Maschinen fehlt die Kraft. Beispiel: Winkelschleifer. Die Testgeräte sollten harte Fußbodenfliesen schneiden, aber sie quälten sich nur. Bis zu drei Minuten für einen 30-Zentimeter-Schnitt. Selbst Geduld macht hier keinen Meister: Je stärker die Geräte belastet werden, desto schneller gehen sie kaputt. Die Kohlebürsten verschleißen. Irgendwann verklemmen sie. Mögliche Folge: ein Lichtbogen, der den Motor zerstört. Viele Billiggeräte gehen auf diese Weise kaputt.

Motoren zu schwach

Selbst wenn das Werkzeug durchhält, leistet es noch keine guten Dienste. Beispiel: Bohrmaschinen. Beim Schlagbohren versagten alle getesteten Modelle. Die Motoren sind zu schwach. Ihre Kraft reicht nicht aus, um den Bohrer in Granit oder Beton zu treiben. Mit niedrigen Drehzahlen kommen sie besser zurecht: Die Einhell Bavaria bohrt sehr gut in Metall – und hält befriedigend. Für die Dübellöcher in der Zimmerwand borgen sich sparsame Heimwerker aber besser ein Markengerät vom Nachbarn. Auch die getesteten Akku-Bohrschrauber taugen bestenfalls für Gelegenheitsarbeiten: Ein Ikea-Regal oder eine Spielzeugkiste sind drin. Wer mehr will, kauft besser ein teureres Gerät.

Müll vermeiden

Ausrangierte Billigwerkzeuge landen im Müll. Recycling ist selten. Eine Rücknahmeverordnung für Elektrogeräte gibt es noch nicht. Träte sie in Kraft, wäre es mit tollen Preisen wohl vorbei. Die umweltgerechte Entsorgung der Maschinen könnte teurer werden als die Geräte selbst. Wer Müll vermeiden will, borgt sich ein Gerät, statt ein Wegwerfprodukt zu kaufen. Und wenn der Nachbar schon eine Bohrmaschine hat, helfen Sie ihm bei Gelegenheit vielleicht mit Ihrer Stichsäge weiter.

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