15.06.2010

Berufsunfähigkeits­versicherung: Selten nach Wunsch

Berufsunfähigkeitsversicherung Test

Im Juli vergangenen Jahres startete Finanztest einen Leseraufruf zum Thema Berufsunfähigkeit. Insgesamt wurden 274 Fälle ausgewertet. Ergebnis: Nur knapp ein Viertel konnte ohne Probleme eine gute Versicherung abschließen. test.de nennt weitere Details der Auswertung und gibt Tipps. Außerdem: Die Ergebnisse einer aktuellen Online-Umfrage zum Thema.

Chat zu Berufsunfähigkeitsschutz

Ausführlich haben die Finanztest-Expertinnen Beate-Kathrin Bextermöller und Susanne Meunier im Chat auf Leserfragen zur Berufsunfähigkeitsversicherung geantwortet.

Nicht jeder bekommt gute Angebote

Gesunde können ihre Arbeit schaffen, aber wer auf Dauer krank wird, für den sieht es schlecht aus in Deutschland. Ab 1961 Geborene bekommen seit 2001 keine Berufsunfähigkeitsrente mehr vom Staat (Erwerbsminderungsrente). Schützen können sie sich mit einer privaten Versicherung, aus der bei Berufsunfähigkeit eine Rente fließt. Die Verträge sind nicht billig, doch der Markt ist voll mit „sehr guten“ Tarifen(siehe Tabelle)

Die Sache hat allerdings einen Haken: Die tollen Angebote kriegt nicht jeder. Das zeigten die Antworten auf unseren Leseraufruf, den wir im Juli 2009 gestartet haben. Wir baten unsere Leserinnen und Leser, uns ihre Erfahrungen beim Abschluss der Police zu schildern, 274 Fälle haben wir ausgewertet.

Hauptproblem sind Krankheiten

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Nur in jedem vierten Fall, 66-mal, bekamen Leser genau die gewünschte Versicherung. In den 208 anderen Fällen klappte es weniger gut bis gar nicht. Die Verhandlungen mit dem Versicherer endeten zwar 56-mal doch mit der Unterschrift des Kunden. Aber die Rente war ge­ringer als geplant, die Laufzeit kürzer, eine oder mehrere Krankheiten wurden nicht versichert oder der Kunde zahlte einen Zusatzbeitrag. Häufig wurde die Möglichkeit, die Rente später ohne erneute Gesundheitsprüfung zu erhöhen, gestrichen. 152-mal kam am Ende gar kein Vertrag zustande. 70-mal wollte der Versicherer den Kunden partout nicht, 82-mal lehnten Interessenten ein Angebot selbst ab, meistens, weil es für sie nicht akzeptabel war. Krankheiten der Antragsteller, echte oder vom Versicherer für die Zukunft befürchtete, waren die Hauptursache für Probleme. Anbieter sprachen gern von „versicherungsmedizinischen Gründen“, aus denen sie einen Kunden ablehnten. Andere machten ein „Erschwernisangebot“, sofern sie jemanden gerade noch annehmen wollten.

Viele Beispiele für „sehr gute“ Tarife

Im Schnitt waren unsere Leser 33 Jahre alt, als sie die Versicherung abschließen wollten. Die meisten wollten eine Laufzeit bis zum Alter von 65 Jahren und 1 000 Euro Berufsunfähigkeitsrente.

Die Teilnehmer schilderten uns detailliert ihre Bemühungen um Berufsunfähigkeitsschutz von der Kontaktaufnahme mit Versicherern über erste Angebote und Anträge bis zum Vertrag oder eben zur Ablehnung.

Besonders viele Erfahrungsberichte liegen uns über Anbieter vor, deren Tarife wir in unseren Tests mit dem Finanztest-Qualitätsurteil „sehr gut“ oder „gut“ bewertet haben und die vergleichsweise preiswert sind. Denn bei gleich gutem Qualitätsurteil ist es sinnvoll, zunächst bei den preiswerteren Anbietern anzuklopfen. Die Beispiele in der Tabelle geben Hinweise auf das Preisniveau der Versicherer.

Vergleiche über den Umgang einzelner Unternehmen mit Interessenten können wir auf Basis unserer Leseraktion nicht machen. Dafür sind die Antragsteller zu unterschiedlich in ihrer beruflichen Tätigkeit und ihren gesundheitlichen Voraussetzungen.
Tipp: Die Tabelle ist ein Ausschnitt des Tests Berufsunfähigkeitsversicherungen aus Finanztest 07/2009. Der Artikel liefert neben allen getesteten Policen weitere Informationen zum Thema.

Erstes Angebot ist unverbindlich

Das Internet war der häufigste Weg zum Versicherer. Viele Interessenten wandten sich auch an einen Vermittler oder wurden von einem Vertreter aufgesucht, nachdem sie bei einem Unternehmen um ein Angebot gebeten hatten. Die ersten Angebote für einen Berufsunfähigkeitsschutz, die Versicherer Interessenten unterbreiten, sagen noch wenig aus. Erst wenn das umfangreiche Antragsformular ausgefüllt ist und der Anbieter es geprüft hat, erfährt der Interessent, ob und zu welchen Bedingungen er versichert wird. Bis zur Antwort können Wochen oder Monate vergehen. In einigen Fällen dauerte es bis zur endgültigen Klärung ein Jahr. Gelegentlich reagierten Versicherer gar nicht. Junge, gesunde Leute ohne Übergewicht überspringen die Hürde des Antragsformulars leicht. Sie haben aber ein anderes Problem: Oft werden ihnen geringere Renten angeboten, als sie wollen, und viel zu kurze Laufzeiten, beispielsweise nur bis zum Alter von 55 Jahren.

Angaben zum aktuellen Einkommen

Kunden müssen im Antrag persönliche Fragen und einige zu ihrem Beruf beantworten. Versicherer fragen Antragsteller außerdem, was sie verdienen, um einzuschätzen, ob die gewünschte Rente für den Kunden angemessen ist. Ein finanzieller Anreiz, berufsunfähig zu werden, soll vermieden werden. Deshalb wollen die Unternehmen auch wissen, ob anderswo weitere Verträge bestehen. Auch in der Summe soll niemand „überversorgt“ sein. Von einem 28-jährigen Sachbearbeiter forderte die Hannoversche Leben, dass er seine bestehende Berufsunfähigkeitsversicherung kündigt. Andere Versicherer handelten ähnlich.

Eingruppierung je nach Beruf

Die beruflichen Informationen dienen der Zuordnung in eine der meist vier Berufsgruppen (siehe Tabelle). Je höher qualifiziert ein Kunde ist, desto besser wird er meist eingruppiert – in Berufsgruppe eins oder zwei. Die Versicherung ist günstiger für ihn. Es kommt aber auf die Art der Tätigkeit an. Musiker können trotz ihrer anspruchsvollen Ausbildung oft überhaupt keine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, weil sie stark auf eine gute körperliche Konstitution angewiesen sind. Die Anbieter halten sie für riskante Kunden. Künstler haben generell Probleme, geeigneten Invaliditätsschutz zu finden, also auch Maler, Bildhauer oder Schauspieler. Chemiker haben keine Chance, wenn sie Umgang mit gefährlichen Stoffen haben. Chemikalien können auch für Friseure ein Stolperstein sein. Sie lösen Allergien aus, die in dieser Tätigkeit leicht zur Berufsunfähigkeit führen.

Viele Gesundheitsfragen

Am umfangreichsten im Antrag sind die Gesundheitsfragen. Die Versicherer möchten damit abschätzen, ob gesundheitliche Probleme eines Antragstellers vermuten lassen, dass er irgendwann berufsunfähig wird. Die Fragen beziehen sich meist auf die letzten fünf, selten auf die letzten zehn Jahre. Schon ein Rückblick über fünf Jahre ist für Laien schwierig, besonders, wenn jemand keinen Hausarzt hat, bei dem er nachfragen kann. Viele Leser schrieben uns, sie hätten nicht gewusst, welche Ärzte gemeint seien, ob alle Konsultationen, auch die beim Zahnarzt zur Entfernung von Zahnbelag oder auch Routinekontrollen anzugeben seien. Für die Antworten zum Gesundheitszustand ist in den Formularen kaum Platz. Der geringe Raum ist allerdings keine Erlaubnis, etwas auszulassen. Wer Fragen falsch oder unvollständig beantwortet, riskiert, im Ernstfall leer auszugehen. Denn der Versicherer kann sich möglicherweise darauf berufen, er hätte den Kunden nicht versichert, wenn er alle Fakten gekannt hätte. Also lieber ein Blatt anfügen, und Vorerkrankungen richtig darstellen. Die Versicherer fragen dann ohnehin nach und schicken zusätzliche Fragebögen.

Risiko Vermittler

Das Ausfüllen des Antrags sollte man nicht einem Versicherungsvertreter überlassen, auch wenn es zweifellos Mühe macht, es selbst zu erledigen. Einem 41-jährigen Kraftfahrer gab ein Vermittler zum Beispiel den Hinweis, bei Vorerkrankungen zähle nur, was aktuell sei. Ein anderer Vermittler spielte die Rückenschmerzen eines Antragstellers herunter. Und gern wurden Interessenten auch leichter gemacht, um ihr Übergewicht gegenüber den Versicherungsgesellschaften zu verschleiern. Auch unser Vermittlertest vom Oktober 2009 hatte gezeigt, dass es Vertretern vor allem aufs Geschäft ankommt. Die Testkunden hatten damals zwei Vorerkrankungen genannt: Pollenallergie und Gastritis. Ein Viertel der Vermittler ließ die Magenerkrankung im Antrag weg. Zur Begründung hieß es unter anderem „das hat ja jeder ­zweite“. Der Heuschnupfen fiel in jedem zehnten Fall unter den Tisch. Für die Antragsteller ist Risiko groß, dass ihnen das einmal zum Verhängnis wird.

Gefährliche Arztberichte

Die „Ergänzungsbögen“, in denen Kunden Gesundheitsprobleme näher erläutern sollen, sind oft so detailliert, dass sie die Antworten kaum alleine geben können. Die Versicherungsgesellschaften akzeptieren es aber selten, wenn ein Kunde einfach auf seine behandelnden Ärzte verweist. Den Ärzten die Antworten zu überlassen, ist ohnehin gefährlich. Denn Ärzte geben Versicherern oft viel zu viele Informationen. Antragsteller mit Vorerkrankungen sprechen deshalb am besten mit ihren Ärzten, bevor sie ein ausgefülltes Antragsformular abgeben. So können sie sich fachlichen Rat holen und ihre Ärzte gleichzeitig bitten, bei Nachfragen nur das preiszugeben, was im erfragten Zeitraum tatsächlich auftrat.

Gesamte Krankenakte

Aus Zuschriften lässt sich erkennen, dass Mediziner für Versicherer zum Teil die gesamte Krankenakte eines Patienten kopieren, obwohl diese auch Auskunft über lange zurückliegende Erkrankungen gibt. Dadurch kann ein Interessent einen Ausschluss für eine Krankheit bekommen, die seit vielen Jahren ausgeheilt ist. Eine Vorstandsassistentin, Mitte 30, ereilte dieses Schicksal. Die gesundheitlichen Störungen, die der Versicherer im Arztbericht sehen konnte, lagen bis zu 20 Jahre zurück. Die Interessentin wurde abgelehnt. Sie wies darauf hin, dass die Erkrankungen, die zu der Ablehnung führten, nicht in den angefragten Zeitraum fielen. Das Unternehmen bot ihr dann doch noch einen Vertrag an, aber mit geringerer Rente, reduzierter Laufzeit, Ausschluss und Zuschlag. Oft wussten Leser gar nicht, was alles in ihrer Krankenakte vermerkt ist. An eine beiläufige Bemerkung in der Sprechstunde („Manchmal tun mir die Knie weh“), erinnern sich Patienten später oft nicht mehr. Aber der Arzt hat sie aufgeschrieben, und so kann diese Information zum Ausschluss sämtlicher Knieerkrankungen führen. Manchmal ist es aber auch ohne Belang, was ein Arzt meint. Der Hausarzt eines Lesers bestätigte dem Versicherer den guten gesundheitlichen Zustand seines Patienten. Das Unternehmen lehnte ihn dennoch ab. Mit ihrer Antwort lassen sich Ärzte oft viel Zeit. Ein Angebot kann dadurch sogar hinfällig werden, denn Versicherer binden sich nicht unbegrenzt daran.

Die Vorerkrankungen unserer Leser

Am häufigsten wurden unseren Lesern Rückenleiden zum Verhängnis. Bei den abgelehnten Anträgen waren Rückenleiden zu 23 Prozent unter den Gründen. Psychische Probleme folgten knapp dahinter mit 21 Prozent. Waren ein Leser oder eine Leserin in psychotherapeutischer Behandlung, blieben die Vertragsbemühungen meist gleich erfolglos. Nur ausnahmsweise bekamen sie doch noch ein Angebot, dann aber durchgängig mit einem Leistungsausschluss bei Berufsunfähigkeit aufgrund einer psychischen Erkrankung. Eine 29-jährige Verwaltungsangestellte aus unserer Stichprobe kostete ein Tinnitus — das sind ständige Ohrgeräusche — den Komplettschutz. Den Vertrag der Versiche­rungskammer Bayern mit dem Ausschluss sämtlicher psychischer Erkrankungen wollte sie dann nicht. Ein junger Antragsteller hatte die Chance auf eine Versicherung verspielt, weil er sich als Jugendlicher wegen der Scheidung seiner Eltern psychologisch beraten ließ. Eine 37-jährige Buchhalterin sollte bei allen Versicherern einen Ausschluss psychi­scher Erkrankungen akzeptieren. Die Frau war einige Jahre zuvor Opfer einer Sexualstraftat geworden und hatte sich vorübergehend in psychotherapeutische Behandlung begeben. Die Kundin lehnte die angebotenen Verträge ab.

Bagatellen mit schweren Folgen

Häufig führen schon Bagatellen zu umfangreichen Ausschlüssen. Die Asstel schloss bei einer Lehrerin sämtliche Hauterkrankungen und Komplikationen wie Gelenkentzündungen aus, weil sie früher an einer Pubertätsakne gelitten hatte. Die Frau lehnte das Angebot dankend ab. Eine Frau war einmal wegen Kopfschmerzen beim Arzt. Sie sollte deshalb 50 Prozent Zuschlag, 367 Euro pro Jahr mehr bezahlen. Ein 18-jähriger Auszubildender ging vorsorglich zum Arzt, weil er kurz darauf verreisen wollte. Er hatte Rückenschmerzen, nachdem er bei einer Fortbildung stundenlang unbequem gesessen hatte. Der junge Mann hätte besser die Zähne zusammengebissen. Denn als er kurz darauf eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen wollte, verpassten ihm beide Versicherer, bei denen er sich um einen Vertrag bemühte, einen Ausschluss für sämtliche Erkrankungen der Wirbelsäule.

Unternehmen urteilen unterschiedlich

Sollte man lieber gar nicht mehr zum Arzt gehen? Diese Frage stellte sich ein Vater von drei Töchtern. Bei seiner Ältesten, einer 18-jährigen angehenden Krankenschwester, wurde eine Skoliose festgestellt, eine Verkrümmung der Wirbelsäule. Als die junge Frau eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen wollte, bot man ihr nur Verträge mit einem Ausschluss für Rückenleiden an. „Ich überlege, ob ich mit den jüngeren Töchtern überhaupt noch einen Arzt auf­suche“, schrieb der besorgte Vater an Finanztest. Viele Leser fragten uns, welche Versicherer sie trotz ihrer Vorerkrankungen akzeptieren würden. Darüber können wir leider nichts sagen, denn die Unternehmen reagieren immer wieder unterschiedlich. Eine 37-jährige Akademikerin mit Schilddrüsenunterfunktion und leichter Rückgratverkrümmung erhielt von der Europa ein Angebot mit Ausschluss aller Schilddrüsenerkrankungen zum doppelten Beitrag. Die alte Leipziger schloss dagegen alle Rückenerkrankungen aus, beachtete die Schilddrüsenerkrankung aber nicht. Ein 34-jähriger Schlosser mit einer Wirbelsäulenvorerkrankung brauchte zehn Anträge, bis er einen Vertrag hatte: Vier Anbieter lehnten ihn ab, vier hätten ihn mit einem Ausschluss akzeptiert, einer reagierte gar nicht, die Huk-Coburg bot ihm vollen Schutz bis 60 Jahre an. Das hatte sich der Mann vorgestellt. Auch die vereinbarte Rente in Höhe von rund 1 300 Euro monatlich passte.

Manchmal hilft verhandeln

Berufsunfähigkeitsversicherung Test
Christian Wirsig, der gerade sein Physikstudium abschließt, hat eine Berufsunfähigkeitsver­sicherung in der Tasche. Sein Vater legte ihm das nahe. Weil der 26-Jährige Heuschnupfen hat, bekam er einen Ausschluss für Allergien verpasst.

Kunden mit nur einer Vorerkrankung bekamen in unserer Stichprobe häufig noch ein Angebot mit Ausschluss. Gelegentlich konnten sie noch einen Vertrag mit vollem Schutz, aber zu einem höheren Preis abschließen. Für Antragsteller mit mehreren Vorerkrankungen gab es oft kein auch nur annähernd akzeptables Angebot. Und Schwerbehinderte haben auch als junge Menschen kaum eine Chance auf Versicherungsschutz. Ein 24-Jähriger, der wegen Schwerhörigkeit, einer Sehminderung und einer Bronchitis zu 90 Prozent schwerbehindert ist, wurde überall sofort abgelehnt.

Risikozuschlag verlangt

Einem 34-jährigen Ingenieur legte die AachenMünchener einen Ausschluss für eine Erkrankung auf und verlangte gleichzeitig dafür noch einen Risikozuschlag. Einer 20-Jährigen schlug der Deutsche Ring einen Vertrag mit Ausschlüssen für Erkrankungen der Wirbelsäule, der Bänder, Bandscheiben, Nerven, Schultern, Hüftgelenke und der Oberschenkelköpfe vor. Gelegentlich gelang Interessenten aber ein Verhandlungserfolg, Einige legten ein weiteres ärztliches Attest vor und wurden damit einen Ausschluss los. In einem Fall schlug ein Kunde dem Versicherer vor, einen Ausschluss für eine Vorerkrankung auf drei Jahre zu begrenzen. Wenn in dieser Zeit kein Problem mehr auftreten würde, sollte der Ausschluss für die Zukunft entfallen. Der Versicherer reagierte überraschend, indem er dem Kunden einen Vertrag ohne Ausschluss und nur mit zeitlich begrenztem Risikozuschlag anbot. Ein toller Erfolg. In einem anderen Fall reduzierte der Anbieter den zunächst kalkulierten Risikozuschlag wegen einer Vorerkrankung der Wirbelsäule von 50 auf 25 Prozent. Auch mancher Vermittler verhandelte in unserer Stichprobe erfolgreich nach. Im Fall eines 36-jährigen Ingenieurs schaffte es ein Vertreter, dass der Versicherer einen Ausschluss in einen Risikozuschlag verwandelte. Und für einen 26-jährigen Unternehmensberater reduzierte ein Vermittler einen Risikozuschlag von 50 auf 25 Prozent.

Großes Risiko für viele bleibt

Berufsunfähigkeitsversicherung Test
Die 29-jährige technische Angestellte Claudia Sever aus Berlin hatte keinerlei Probleme beim Abschluss ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung.

Auf einen Leseraufruf zu Erfahrungen beim Abschluss einer Police melden sich eher Menschen, die Probleme dabei hatten als die, bei denen alles glattlief. Wir haben deshalb parallel noch eine etwas allgemeiner gehaltene Onlineumfrage gestartet, an der sich 1 200 Menschen beteiligten. Hier gaben 70 Prozent der knapp 700 Teilnehmer mit Berufsunfähigkeitsversicherung an, dass sie ohne Hindernisse einen Vertrag geschlossen haben. Doch 19 Prozent bekamen nur Verträge mit Ausschluss oder Risikozuschlag oder beidem. Von denen ohne Vertrag gaben etliche an, sie hätten keinen bekommen oder es nicht versucht, weil sie meinten, aus gesundheitlichen oder Altersgründen ohnehin keine Chance auf ein Angebot zu haben. So gibt es hierzulande sehr viele Menschen, die gezwungen sind, ein existenzielles Risiko selbst zu schultern. Dabei müsste sich jeder für den Fall von Berufsunfähigkeit absichern können, auch wenn er nicht mehr vollständig gesund ist. Er muss jedoch bereit und in der Lage sein, dafür Geld auszugeben.

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