14.05.2004

Beamer: Die Projektoren kommen

Beamer Test
Der Beste fürs Heimkino: Der Panasonic PT-AE 500 E erreichte im Film-Sehtest das beste Ergebnis.

Hohe Auflösung, helle Bilder – damit wird Werbung für Beamer gemacht. Doch Pixel und Lumen sind nicht unbedingt ein Maßstab für die Bild­qualität, wie unser Test beweist.

Große Bilder machen den Filmspaß erst perfekt. Mit groß sind hier nicht etwa 80, 90 oder 100 Zentimeter Bilddiagonale gemeint. Die sind ja mit herkömmlicher Bildröhrentechnik noch erreichbar. Wir haben Videoprojek­toren, auch Beamer genannt, geprüft. Die sind für Bildgrößen deutlich über einem Meter gut. Vorausgesetzt, das Kinozimmer ist gut verdunkelt, fehlen nur noch Popcorn, Cola und knackiger Surroundsound für die perfekte Illusion.

Wer sich fürs Heimkino einen Projektor kaufen will, muss aber aufpassen. Die Wer­bung suggeriert oft: Je mehr Bildpunkte der Projektor hat (Pixelzahl) und je heller sein Bild (Lichtstrom in Lumen), desto besser ist er. Und das führt möglicherweise zum Fehlkauf. Denn viele Pixel sind eher gut für Computergrafiken und Fotos. Viel Licht wird für Projektorbilder bei Tageslicht gebraucht.

Die Besten fürs Heimkino

Für gute Heimkinobilder reicht schon ein recht geringer Lichtstrom. Das zeigen die Geräte von InFocus und Sanyo im Standardbetrieb deutlich. Auch der beste unter den „guten“ Beamern, der Panasonic, ist kaum heller. Testsieger Panasonic erreichte im Film-Sehtest das beste Ergebnis. Selbst im Sparbetrieb, wenn die Beamer mit verringerter Leistung auskommen müssen, verringert sich die Bildqualität kaum. Das Bild wird lediglich ein wenig dunkler, das ist alles.

Der Unterschied fällt nur beim Umschalten der beiden Betriebsarten auf. Dafür, so heißt es seitens der Anbieter, hält die Projektionslampe im Sparbetrieb rund anderthalbmal so lange wie im Normalbetrieb. Und das lohnt sich, muss der Nutzer doch für jede Lampe zwischen 254 Euro (InFocus) und 550 Euro (BenQ) auf den Ladentisch blättern.

Die höhere Leistungsstufe ist streng genommen nur nötig, wenn das Heimkino nicht vollständig verdunkelt werden kann. Denn je heller die Umgebung, desto heller wird auch die Leinwand, was die Darstellung von sattem Schwarz verhindert. Soll jetzt ein großer Kontrastumfang darge­stellt werden, müssen die hellen Bildstellen besonders viel Licht bekommen. Und das schaffen nur die Beamer mit höherem Lichtstrom wie Canon, Epson, HP, BenQ und Toshiba.

Die Besten für Grafikdarstellung

Computergrafiken werden von Hause aus meist bei gedämpftem Tageslicht proji­ziert: bei Konferenzen, Schulungen und Präsentationen, wenn nebenbei noch in Unterlagen geblättert oder geschrieben werden soll, oder ein Referent nicht im Dunkeln seinen Vortrag halten will. Dann sind neben viel Licht kräftige Farben und hoher Kontrast gefragt. Sehr gut gefallen haben uns hier Canon, Epson und Mitsubishi und noch ein wenig besser die beiden Geräte von BenQ und HP.

Maus per Fernbedienung

BenQ, Canon und Liesegang bieten für die Grafikdarstellung noch ein sehr praktisches Schmankerl. Der Mauszeiger eines Computers, der über ein USB-Kabel angeschlossen wurde, ist über die Projektorfernbedienung direkt ansprechbar. So kann ein Referent beispielsweise seine Powerpoint-Präsentation über diese Projektoren ganz locker aus der Hand steuern, ohne immer wieder zur Computermaus greifen zu müssen.

Für Grafik- und Filmwiedergabe

Die Kehrseite der Medaille: BenQ, bei der Computergrafik ganz vorn, fällt als Heimkinoprojektor zurück. Schärfe, Farbtreue, Zeichnung in dunklen Bildbe­reichen – im Film bietet er nur Mittelmaß. Wer ein Universalgerät für Grafik- und Filmwiedergabe sucht, projiziert mit Epson, HP und Mitsubishi besser.

Der Beamer als Diaprojektor

In einem anderen Aufgabenbereich spielt BenQ neben HP und Mitsubishi wieder ganz vorn mit: bei der Standbildwiedergabe, sprich beim Wiedergeben von Fotos. Da können die drei mit ihrer Schärfe und ihrer höheren Auflösung glänzen.

Seit Fotos mehr und mehr per Digitalkamera aufgenommen und im Computer gespeichert werden, drängt es sich geradezu auf, den Beamer auch als elektronischen Diaprojektor zu nutzen. Doch die Digitalbilder können nicht nur vom Computer übertragen werden. Jeder DVD-Spieler, von Uraltgeräten abgesehen, kann sie an den Beamer weiterreichen, wenn die Fotos als Datei (JPEG) auf CD-Rom gespeichert sind. Das ist praktisch, denn meist steht eher ein DVD-Spieler als ein Computer im Heimkinobereich.

Wer viel Zeichentrick- oder computer-animierte Filme sieht oder seine Computerspiele über Großbild spielt, kann auf fast alle Projektoren des Tests zurückgreifen. Als Testfilm für diesen Prüfpunkt haben wir den Streifen „Monster AG“ gewählt, der mit seinen detailreichen und plastisch wirkenden Bildern seinesgleichen sucht. Außerdem kommt es vor allem auf gute Wiedergabe von Pastelltönen an. Fast sehr gut bewältigten das Epson und Panasonic. Canon, HP und Liesegang kamen dabei nicht so gut weg. Liesegang wegen seiner insgesamt etwas unscharfen Bildwiedergabe – was in diesem Prüfpunkt besonders deutlich wurde – und alle drei wegen leichter Schwächen in der Farbwiedergabe.

Bildwand und Bildgröße

Wir haben für unsere Sehtests eine mattweiße Bildwand verwendet und den Beamer so weit davon weggestellt, dass sich eine Bilddiagonale von rund 1,9 Metern ergab. Wer seinen Projektor weiter von der Bildwand wegstellt und das Bild dadurch vergrößert, bekommt zwangsläufig deutlich dunklere Bilder. Insbesondere bei den lichtschwächeren Modellen wie InFocus oder Sanyo wird das Bild dann jedoch schnell zu dunkel. Die Bilder zu verkleinern ist indes kein Problem. Sie werden heller. Aber mehr Licht schadet der Bildqualität nicht.

Da kann es eher passieren, dass der Projektor schlicht im Bild steht. Um es zu verkleinern, muss der Beamer näher an die Bildwand gerückt werden. Denn der Einstellbereich der eingebauten Zoomobjektive ist zu gering, als dass der Projektorstandort durch einen Dreh am Zoomring bei gleicher Bildgröße von deutlich vor dem Publikum auf deutlich hinter das Publikum verschoben werden kann. Der Zoombereich genügt lediglich, um die Bildgröße ein wenig zu korrigieren.

Dass ein Projektor im Blickfeld des Publikums steht, lässt sich verhindern, indem er oberhalb oder unterhalb der Zuschauerköpfe montiert wird. Die dadurch zwangsläufig entstehenden trapezförmigen optischen Bildverzerrungen können die Projektoren weitgehend per elektronischer „Keystone-Korrektur“ ausgleichen.

Schräge Projektion geht auch

Doch wird die Bildschärfe bei extremen Projektionswinkeln durch die Elektronik verschlechtert. Schon beim Einschalten der Korrektur geht die Bildschärfe etwas zurück, was aber bei den meisten Bildsignalen kaum auffällt.

Die Beamer von Epson und Toshiba ent­zerren das Bild sogar selbsttätig. Epson arbeitet da sehr präzise. Das Toshiba-Bild ist auch nach der Korrektur noch ein bisschen trapezförmig. Canon und Panasonic können das Bild sogar korrigieren, wenn sie seitlich von der Bildmitte stehen. Aber auch hier gilt: Je weiter der Projektor aus dem rechten Winkel weggerückt wird, desto eher werden Schwächen in der Bildschärfe sichtbar.

Sanyo und Sharp haben für die Schrägprojektion noch eine Objektivverstellung, „mechanical lens shift“ genannt. Damit wird das Objektiv mechanisch verschoben. So muss nicht der komplette Beamer auf die Leinwand ausgerichtet werden, es genügt ein Dreh am Objektiv. Das funktioniert praktisch verlustfrei.

Geräusche und heiße Luft

Wenn der Projektor unmittelbar vor den Zuschauern steht, kann das noch einen anderen unangenehmen Effekt haben. Manche Geräte (Canon, Epson, HP, Mitsubishi, Toshiba) werkeln zumindest im Standardbetrieb recht laut vor sich hin. Vor allem Canon erreicht eine Lautstärke, die leisen Filmton in seinem Lüfterge­räusch untergehen lässt. Und HP gibt ein störendes jaulendes Geräusch von sich.

Aber das ist nicht alles: BenQ, Canon, HP, Liesegang, Mitsubishi und Toshiba produzieren noch jede Menge heiße Luft – immerhin über 70 Grad warm –, wobei der Canon auch noch kräftig nach Plasik riecht. Wer in der Nähe des Luftstroms sitzt, für den bekommt ein heißer Krimi im Heimkino gleich seine ganz eigene Bedeutung.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Alternativen für große Bilder

Dieser Artikel ist hilfreich. Nutzer finden das hilfreich.

Kommentare (0)

weitere Kommentare anzeigen

Alle Kommentare anzeigen

Schreiben Sie bitte einen Kommentar

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Jetzt einloggen oder Neu registrieren.
Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice