24.10.2006

Bausparen: Flexible Bausteine

Bausparen Test

Bausparangebote werden immer besser. Für alle, die in den nächsten Jahren ein Haus bauen oder kaufen wollen, ist ein Bausparvertrag genau das Richtige. Finanztest hat für fünf Modellfälle die günstigsten Bausparangebote ermittelt. Testsieger ist in allen fünf Fällen die Signal Iduna Bausparkasse mit ihrem neuen Tarif F 40. Von den 17 am Test beteiligten Bausparkassen haben elf ihren Tarif erst in diesem Jahr eingeführt oder geändert. In den meisten Fällen, so das Ergebnis der Tester, zum Vorteil der Bausparer.

Zins für Bauspardarlehen bleibt niedrig

Das große Plus der Bausparer: Sie wissen bereits heute die Höhe des Zinssatzes für ihr Bauspardarlehen und das über die gesamte Laufzeit hinweg. Der günstige Kreditzins - meist 2,9 bis 4,0 - Prozent bleibt garantiert, völlig unabhängig von der Zinsentwicklung am Kapitalmarkt. Im Schnitt liegt der Darlehenszinssatz der Bausparkassen gut einen Prozentpunkt unter den aktuellen Hypothekenzinsen der Banken. Mit einem Bündel neuer Wahlrechte haben vor allem private Bausparkassen ihre Tarife flexibel gemacht. Bei einem Tarif mit Wahlzuteilung etwa bestimmt der Sparer selbst, wann der Vertrag zugeteilt wird. Zudem gibt es vom Staat für viele Bausparer die Wohnungsbauprämie. Selbst wenn sie - wie jetzt diskutiert - gestrichen werden sollte, erhalten Arbeitnehmer mit relativ geringem Einkommen noch die Sparzulage überwiesen.

Als Sparstrumpf verliert der Vertrag seinen Reiz

Der Bausparvertrag hilft die eigenen vier Wände preiswert zu finanzieren. Selbst bei relativ kleinen Kreditsummen unter 50 000 Euro gilt der günstige Zinssatz fürs Bauspardarlehen. Banken verlangen dagegen für solche Kredite oft happige Zinsaufschläge. Als reine Geldanlage lohnt sich das Bausparen allerdings immer weniger. Denn auf die Sparbeiträge zahlen Bausparkassen nur noch 0,5 bis 1,5 Prozent Zinsen. Wird die Abschlussgebühr abgezogen, bleibt unter dem Strich nur noch eine Rendite von 0,8 Prozent, manchmal sogar ein geringer Verlust. Spitzenrenditen von 5 Prozent erzielen Bausparer nur noch, wenn sie Anspruch auf die Bausparförderung haben und einen Tarif wählen, der ihnen bei Darlehensverzicht einen hohen Zinsbonus sichert.

Banksparplan in der Ansparphase besser

Ob sich Bausparen lohnt, hängt nicht nur vom Angebot der Bausparkasse ab. Der Vergleich mit einer anderen Finanzierungsform lässt eine fundierte Bewertung zu. Finanztest hat deshalb einem Bausparer einen Investor in einen Banksparplan gegenüber gestellt und gerechnet. Der Sparer will in sieben Jahren ein Haus bauen und spart dafür monatlich 250 Euro. Schließt er einen Bausparvertrag beim Testsieger Signal Iduna (Tarif F40) ab, hat er nach sieben Jahren ein Guthaben von 21 708 Euro. Dann erhält er ein Bauspardarlehen in Höhe von 34 292 Euro zu einem Zinssatz von 3,5 Prozent. Alternativ bietet ihm seine Bank einen herkömmlichen Sparplan mit einem Zinssatz von 3,0 Prozent an. Mit der ­gleichen Sparrate beträgt sein Guthaben nach sieben Jahren 23 612 Euro. Der Banksparer startet seine Finanzierung ­daher mit einem um 1 904 Euro höheren Eigenkapital als der Bausparer. Doch das ist nur der Zwischenstand.

Bausparvertrag siegt auf der Zielgeraden

Der Banksparer kann nicht erwarten, dass er sein Darlehen in sieben Jahren genauso billig bekommt wie bei der Bausparkasse. Außerdem riskiert er, dass die aktuell niedrigen Hypothekenzinsen dann längst gestiegen sind. Schon bei einem Effektivzins von 4,84 Prozent für das Baudarlehen der Bank wäre sein Vorsprung dahin. Dieser Grenzzinssatz markiert den Wendepunkt, an dem der Nachteil des Bausparens in der Sparphase in einen Vorteil umschlägt. Liegt der Hypothekenzinssatz über dem Grenzzinssatz, hat sich der Bausparvertrag gelohnt. Bei einem Zinssatz von ­beispielsweise 6,5 Prozent wäre der Bausparer mit rund 1 700 Euro im Plus. Banken zahlen auf sichere Sparpläne derzeit nur etwa 2,5 bis 3,5 Prozent Zinsen. Bei diesem Zinsniveau lohnt sich Bausparen bei günstigen Kassen schon ab einem geringen Anstieg der Hypothekenzinsen. Wer mit steigenden Zinsen rechnet oder sich ­davor schützen will, ist mit einem Bausparvertrag derzeit gut bedient. Bei welchem Zinssatz der Bausparvertrag den Banksparplan überholt, zeigt der Testkompass.

Bausparern nutzt auch Steuervorteil

Noch besser schneidet Bausparen ab, wenn der Sparer seine Zinserträge versteuern muss, weil er den Sparerfreibetrag bereits ausschöpft. Für Bausparer mit ernsthaften Bau- oder Kaufabsichten ergeben die niedrigen Guthabenzinsen ab 2007 weiteren Spielraum. Denn dann wird Ledigen der Sparerfreibetrag auf 801 Euro gekürzt und Ehepaare müssen ihre Kapitalerträge über 1 602 Euro versteuern. Bausparern fällt es damit leichter als anderen Anlegern, ihr Eigenkapital für den Hausbau ohne Steuerabzüge anzusparen.

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