20.07.2010

Banken im Test: Die Blamage geht weiter

Knapp ein Jahr nach der letzten Unter­su­chung hat Finanztest erneut Test­kunden in die Filialen geschickt. Fazit: Die Bera­tung der Banken ist immer noch schlecht. Sechs Anbieter sind mangelhaft. Sie händigten in mehr als der Hälfte der Fälle kein Bera­tungs­protokoll aus – obwohl sie gesetzlich dazu verpflichtet gewesen wären.

Test­ergebnis schlechter

Schon im Sommer 2009 waren die Tester von Finanztest in Deutsch­lands Geldhäusern unterwegs. Das Test­ergebnis damals war eine große Blamage: Obwohl der Test eine einfache Aufgabe zum Inhalt hatte, schnitt keine einzige Bank gut ab, zwei waren mangelhaft. Die Tester erwarteten jetzt, dass die Banken aus ihren Fehlern gelernt und Konsequenzen gezogen hätten. Das war zu opti­mistisch. Das Ergebnis ist diesmal sogar noch verheerender: Keine einzige Bank ist gut. Sechs Institute erhielten die Note mangelhaft, darunter Post­bank, Hypo­ver­eins­bank und Targo­bank (siehe Tabelle Testergebnisse Anlageberatung).

Banken miss­achten Gesetze

Das größte Problem der Banken ist: Sie miss­achten Gesetze. Sie müssen, und zwar noch bevor sie eine Anlage empfehlen, die Kunden nach ihren finanziellen und persönlichen Verhält­nissen fragen. Sie sind verpflichtet zu ermitteln, welches Ziel die Kunden mit ihrer Geld­anlage erreichen wollen und welche Kennt­nisse und Erfahrungen sie haben. Das hat nicht geklappt – und das, obwohl die Banken selbst hoch und heilig Besserung gelobt hatten.

Kein Beratungs­protokoll

Seit 2010 sind die Institute zudem verpflichtet, über jedes Anlage­gespräch, in dem sie Wert­papiere ansprechen, ein Beratungs­protokoll anzu­fertigen und auszuhändigen. Auch das klappte nicht. In 126 von 146 Beratungs­gesprächen war die Rede von Wert­papieren und ein Beratungs­protokoll wäre Pflicht gewesen. Aber nur 61-mal gab es eines. 65-mal haben die Berater ihre Pflicht nicht erfüllt.

Anla­gepro­blem besser gelöst

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Die Qualität der Anla­geberatung – der eigentliche Mittel­punkt des Tests – gerät wegen der Gesetzes­verstöße fast in den Hintergrund. Dabei haben sich die Banken hier verbessert. Das mag auch daran liegen, dass der Testfall ein wenig anders aufgebaut war als beim vergangenen Mal: Die Test­kunden wollten 35 000 Euro für zehn Jahre anlegen – anders als beim vergangenen Test nicht absolut sicher. Sie waren bereit, Risiken einzugehen, wollten aber, dass am Ende der Lauf­zeit zumindest ihr einge­setztes Geld vorhanden ist. Zudem legten sie Wert darauf, dass sie im Notfall über ihre Anlage schon vor Ablauf der zehn Jahre verfügen können – wenn es sein muss, auch mit Verlust.

Die Anla­geempfehlungen

Wichtig war den Testern, dass die Berater die 35 000 Euro nicht in eine einzige Anlage steckten. Einen solchen Betrag sollten Anleger auf mehrere Produkte verteilen. Im Testfall führte an einem Mix ohnehin kein Weg vorbei: Wenn ein Anleger zwar Risiken eingehen will, aber Wert auf Kapital­schutz legt, braucht es in der Regel mehrere Geld­anlagen - riskante und sichere. Die meisten Berater haben einen zu riskanten Anlagemix oder auch nur eine einzige riskante Anlage empfohlen und damit das Ziel gefährdet, am Ende der Lauf­zeit mindestens das einge­setzte Geld wieder­zubekommen.

Chat zum Thema Anla­geberatung

Was haben Sie für Erfahrungen mit den Anla­geberatern Ihrer Bank gemacht? Fühlen Sie sich gut beraten? Was müsste aus Ihrer Sicht verändert werden? Alle Antworten auf Ihre Fragen finden Sie im Chatprotokoll zum Thema Anlageberatung.

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