10.09.2010

Auto­werk­stätten: Freie reparieren schlechter

Autowerkstätten Test

Auto­werk­stätten pfuschen häufig bei Inspektionen: Nicht einmal jede zweite Werk­statt im Test hat alle präparierten Mängel gefunden. Freie Werk­stätten schnitten schlechter ab als Vertrags­werk­stätten. Stiftung Warentest und ADAC haben geprüft, wie gut Werk­stätten Inspektionen durch­führen und ob die Rechnungen trans­parent und fair sind.

Inspektion in Autowerkstätten 9/2010 - Mercedes (A-Klasse)

  • ATU 
  • Meisterhaft 
  • Mercedes-Benz 

Inspektion in Autowerkstätten 9/2010 - Renault (Mégane)

  • ATU 
  • Meisterhaft 
  • Renault 

Inspektion in Autowerkstätten 9/2010 - Opel (Astra)

  • ATU 
  • Meisterhaft 
  • Opel 

Inspektion in Autowerkstätten 9/2010 - Volkswagen (Golf)

  • ATU 
  • Meisterhaft 
  • Volkswagen 

Inspektion in Autowerkstätten 9/2010 - Toyota (Corolla)

  • ATU 
  • Meisterhaft 
  • Toyota 

Inspektionen für fünf Auto­marken

Eine Inspektion in der Auto­werk­statt ähnelt einem Gesund­heitscheck beim Arzt: In beiden Fällen ist der Kunde auf die Fach­kompetenz der Experten angewiesen. Er kann kaum beur­teilen, ob die Inspektion voll­ständig und sach­kundig vonstatten ging, ob alle „Mängel“ behoben wurden, und ob die Rechnung fair ist. Dass bei den Auto­werk­stätten Zweifel angebracht sind, zeigt der Test von 75 Betrieben, den die Stiftung Warentest gemein­sam mit dem ADAC durch­geführt hat. Untersucht wurden jeweils fünf Vertrags­werk­stätten der Auto­marken Mercedes-Benz, Opel, Renault, Toyota und Volks­wagen. Außerdem wollte test wissen, ob die oft deutlich billigeren freien Werk­stätten konkurrenz­fähig sind. Dafür haben die Tester exemplarisch die Werk­statt-Koope­ration Meisterhaft und die Kette ATU ausgewählt.

Fünf präparierte Mängel

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Die Testwagen stammten von Auto­besitzern aus ganz Deutsch­land, bei denen tatsäch­lich eine große Inspektion anstand. Alle Fahr­zeuge wurden von Sach­verständigen mit fünf Fehlern präpariert: einer defekten Kenn­zeichen­leuchte, einem zu geringen Kühl­mittel­stand, einem völlig verstellten Scheinwerfer, einem zu nied­rigen Luft­druck im Reserverad beziehungs­weise einem fehlenden Pannenset und einem ausgehängten Auspuff. Nach der Inspektion über­prüften die Experten, ob die Werk­statt die Mängel beseitigt hatte. Die Auto­besitzer haben den gesamten Ablauf der Inspektion von der Termin­ver­einbarung bis zur Über­gabe des fertigen Wagens genau dokumentiert.

Listen werden einfach abge­hakt

Eigentlich hätten alle Werk­stätten bei der Fehler­suche einen Voll­treffer landen müssen. Wenn die Betriebe bei der Inspektion, wie sie unisono behaupten, streng nach den Wartungs­vorschriften der Auto­hersteller vorgegangen wären, hätte es bei der Technik nur Bestnoten geben dürfen. Denn die präparierten „Problem­stellen“ sind in den Listen aufgeführt. Doch offensicht­lich haken viele Techniker sämtliche Käst­chen in den Wartungs­listen einfach ab, egal ob sie die Arbeiten ausführen oder nicht. Im Unterschied zu den Vertrags­werk­stätten und den ATU-Filialen haben in den Meisterhaft-Werk­stätten nur zwei Drittel der Betriebe die Wartungs­liste an den Fahr­zeug­besitzer ausgehändigt.

Mercedes vorn

Am besten – sowohl bei der Technik als auch beim Service – schnitten die Mercedes-Benz-Vertrags­werks­stätten ab. Alle arbeiteten vorbild­lich, das Auto­haus Schäfer in Königs­brunn sogar mit voller Punkt­zahl. Auch die Renault-Werk­stätten haben alle Fehler behoben, und sie bieten einen guten Service. Bei Opel und Volks­wagen gab es jeweils einen Ausrutscher: Eine Opel-Werk­statt über­sah einen Fehler, ein Volks­wagen-Auto­haus zwei Fehler. Toyota bildet das Schluss­licht bei den Vertrags­werk­stätten. Vier Toyota-Betriebe haben jeweils einen Mangel nicht gefunden, und auch beim Service gibt es noch Verbesserungs­möglich­keiten.

Meisterhaft nicht meisterhaft

Deutlich schlechter sah es bei den freien Werk­stätten aus. Nur 8 von 25 ATU-Werk­stätten fanden alle fünf präparierten Mängel. Zuver­lässig und service­orientiert arbeiteten lediglich 4. Noch schlechter das Ergebnis bei den Meisterhaft-Betrieben: Nur 6 Werk­stätten spürten alle Mängel auf. 11 Betriebe über­sahen zwei bis drei Fehler und 3 haben keinen einzigen gefunden. Gerade einmal 2 Meisterhaft-Werk­stätten arbeiteten sehr gewissenhaft und boten einen ordentlichen Service.

Rechnungen oft nicht verständlich

Für eine große Inspektion mussten die Fahr­zeughalter im Test mindestens 150 Euro hinblättern. Es konnten aber auch, je nach Modell und Werk­statt, mehrere hundert Euro sein. Aber nicht jede Rechnung informiert den Kunden verständlich und detailliert darüber, wie es zu diesen Summen kommt. Häufig erscheinen völlig undurch­sichtige Positionen oder es tauchen Posten auf, die weder vom Hersteller vorgeschrieben sind noch vom Kunden bestellt wurden.

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