Vor dem Tritt auf das Gaspedal müssen Fahranfänger erst einmal die irrwitzig hohen Beiträge für ihre Versicherung drücken. Wir haben für alle Führerschein-Neulinge mit 55 Gesellschaften verhandelt.
Die Autoversicherung kann für Fahranfänger teurer sein als die Anschaffung des Wagens. Über 4 000 Euro im Jahr will die Gesellschaft Direct Line von unserem 20-jährigen Modellkunden allein für den Haftpflichtschutz. Sie verlangt fast das Dreifache von dem, was günstige Versicherer von demselben Kunden nehmen.
Wir haben zunächst am Beispiel von zwei Fahranfängern untersucht, welche Versicherer günstige Tarife bieten. Ihre Angebote sind die Basis für weitere Verhandlungen. Denn wir haben festgestellt, dass mit etwas Hartnäckigkeit weit günstigere Preise drin sind. Ohne Eigeninitiative geht es allerdings nicht.
Eine jugendliche Fahrerin schrieb für uns 55 Versicherer an und bat um Angebote für eine Haftpflichtversicherung und Teilkasko. Die ernüchternde Nachricht: Kein einziger Anbieter machte auf Anhieb ein preislich akzeptables Angebot inklusive aller Vertragsbedingungen und Verbraucherinformationen. Die erfreuliche Nachricht: In anschließenden Telefonaten war einigen Vertretern das schlechte Gewissen wegen des hohen Beitrags deutlich anzumerken und unserer Testerin gelang es dann oft, den Preis noch zu drücken.
Vor allem der Hinweis auf die Elternregelung fällt ins Gewicht. Danach stufen Anbieter Fahranfänger bei 140 Prozent Beitragssatz in der Haftpflicht statt bei 230 Prozent ein, wenn die Eltern ebenfalls ein Auto – oft bei der gleichen Gesellschaft – versichert haben. Diesen Rabatt können die meisten bekommen, doch im schriftlichen Angebot fehlte er häufig. Die Versicherer erwähnten ihn erst im folgenden Telefonat.
Bei den hohen Preisen für Fahranfänger macht es einen enormen Unterschied, ob ein Versicherungsnehmer 230 Prozent oder 140 Prozent zahlt. Käme unserer Modellkundin bei dem für sie günstigen Basis-Tarif der WGV-Schwäbischen-Allgemeinen die Elternregelung zugute, müsste sie statt 1 170 Euro im Jahr für Haftpflicht und Teilkasko nur 737 Euro zahlen. Das sind 433 Euro weniger.
Auf Rabatte nicht hingewiesen
Andere Sparmöglichkeiten vergaßen einige Vertreter schlicht. Sie informierten unsere Testerin weder über Lady-Rabatte, über günstigere Tarife mit Werkstattbindung noch über die Möglichkeit, im Internet preiswerter abzuschließen.
Immerhin boten im Gespräch neun Gesellschaften von sich aus an, die Fahranfängerin in eine günstigere Schadenfreiheitsklasse einzustufen, oder sie gewährten ihr zum Beispiel einen pauschalen Nachlass von 15 Prozent auf den Beitrag.
Auch wenn es Ausnahmen gab – oft waren die Vertreter nicht allzu bemüht, unsere Testerin als Versicherungskundin zu gewinnen. Von den 55 angeschriebenen Gesellschaften antworteten nur 47. Gar nichts von sich hören ließen zum Beispiel so renommierte Unternehmen wie Allianz, Generali und Signal Iduna.
Einige meldeten sich erst sehr spät, nach über vier Wochen. Nur zehn Versicherer baten unsere Fahranfängerin um Rückruf, um das Angebot zu besprechen.
Teilweise war es schwierig für unsere Testerin, einen Ansprechpartner zu finden. Bei der Optima konnte sie alle drei genannten Makler nicht übers Festnetz erreichen, ein Anbieter gab statt Telefonnummer nur die Faxnummer an, bei anderen antwortete nur der Anrufbeantworter oder die Vertreter waren nur über teure Handynummern zu sprechen.
Besonders junge Männer unbeliebt
Die Unternehmen sind aus gutem Grund nicht allzu wild auf Fahranfänger. „Die Unerfahrenheit gekoppelt mit Imponiergehabe und Alkoholkonsum führt vor allem bei jungen Männern zu überdurchschnittlich vielen Unfällen“, sagt Horst Schulze, Leiter des Referats Verkehrspsychologie und Verkehrsmedizin an der Bundesanstalt für Straßenwesen.
Aus diesem Grund sind besonders männliche Führerscheinneulinge bei den Autoversicherern wenig beliebt. Einige Versicherer verlangen von ihnen höhere Beiträge als von gleichaltrigen Fahranfängerinnen.
Unser Modellkunde aus München soll zum Beispiel für das Angebot der Cosmos 1 623 Euro Jahresbeitrag für die Haftpflichtversicherung zahlen. Von einer jungen Frau würde der Versicherer nur 1 555 Euro verlangen. 68 Euro weniger.
Bei der DA Direkt würde ein Student für Haftpflicht und Teilkasko unter den gleichen Voraussetzungen wie unsere Studentin 58 Euro mehr Beitrag im Jahr zahlen.
Mit einem Versicherer wie Direct Line, der über 4 000 Euro im Jahr will, müssen Fahranfänger allerdings erst gar nicht verhandeln. Gesellschaften mit solch unerschwinglich hohen Beiträgen haben keinerlei Interesse an den jungen Kunden.
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