Autofahrer können übers Internet leicht günstige Autoversicherungen finden. Für einen Onlineabschluss eignen sich aber nicht alle Gesellschaften.
Die Suche nach einer günstigen Autoversicherung per Telefon und Post verlangt Zeit und Geduld für Warteschleifen und Briefträger. Schneller ans Ziel kommen Interessenten mit Internetanschluss.
Sie finden inzwischen auf den Internetseiten der Kfz-Versicherer 38 Tarifrechner. Damit können sich Autofahrer ihren individuellen Versicherungsbeitrag ausrechnen lassen. Bei 26 Tarifrechnern ist es sogar möglich, die Kfz-Versicherung gleich online abzuschließen.
Finanztest hat diese Tarifrechner ganz genau geprüft, um herauszufinden: Rechnen sie richtig und sind sie nutzerfreundlich gestaltet? Ist ein Onlineabschluss sicher und versorgen die Versicherer ihre Kunden mit den relevanten Informationen?
Auf die erste Frage ist ein klares Ja die Antwort. Alle 38 von uns getesteten Rechner weisen den Beitrag für die gewünschte Autoversicherung richtig aus.
Um festzustellen, ob die Rechner verständlich und leicht zu bedienen sind, haben wir eine Auswahl von Versicherern einem Praxistest unterzogen (siehe Tabelle). Fünf Internetlaien probierten die Tarifrechner von vier günstigen Anbietern und die von fünf großen Versicherern aus. Sie versuchten, sich den Versicherungsbeitrag für ihre Autos auszurechnen.
Besonders angetan waren die Tester von der günstigen deutsche internet Versicherung und den großen Versicherern Huk-Coburg und Allianz. Schade nur, dass beim Riesen Allianz kein Onlineabschluss möglich ist.
Die unsicheren drei
Alle 38 Tarifrechner haben wir auf ihre Sicherheit überprüft und waren überrascht über die Mängel. Beim Versicherer Europa werden zum Beispiel alle personenbezogenen Daten einschließlich der Bankverbindung unverschlüsselt übertragen. Das sind ideale Bedingungen für Hacker auf Datenklau.
Hier sollten Interessenten nicht online abschließen, sondern sich vom Rechner ihren Beitrag errechnen lassen und dann doch Telefon und Post nutzen.
Auch bei der Direct Line und der SV Sachsen sieht es nicht viel besser aus: Direct Line setzt zwar eine Verschlüsselung nach aktuellem Standard ein. Doch verschlüsselt wird erst, nachdem schon personenrelevante Daten inklusive Familienstand und Beruf durchs Netz geschickt wurden. Obwohl diese Versicherung nach der jüngsten Untersuchung zum Beitragsniveau der Kfz-Versicherer zu den günstigen gehört, haben wir sie deshalb beim Praxistest nicht berücksichtig.
Bei der SV Sachsen fehlt ein gültiges Zertifikat, das Auskunft über die Wirksamkeit der Verschlüsselung gibt. Auch hier ist ein Abschluss übers Internet deshalb nicht empfehlenswert.
23 der 38 Tarifrechner benutzten aktive Programme wie Active X und Javascript auf den Webseiten. Diese dienen der besseren Gestaltung. Sie ermöglichen aber ungewollte Zugriffe auf den Rechner des Kunden. Internetsurfer sollten die Programme über ihren Browser ausschalten, indem sie eine hohe Sicherheitsstufe einstellen.
Kunden werden ausspioniert
Ein weiteres Ärgernis sind so genannte permanent Cookies – Dateien, die über den Internetbesuch hinaus Daten und Benutzerprofile des Kunden für die Versicherer speichern können. Immerhin 16 Unternehmen arbeiten damit. Sie sind in den Tabellen unter „Keine Kundeninfos“ mit „
“ gekennzeichnet.
Kunden im Dunkeln
Beim Abschluss einer Versicherung ist der Beitrag zwar wichtig. Versicherungsumfang und -bedingungen sollte jeder Kunde aber auch kennen, bevor er sich für einen Tarif entscheidet.
Unverständlich ist, warum zehn Anbieter es nicht für nötig halten, dem Kunden die Vertragsgrundlagen Allgemeine Bedingungen für die Kraftfahrtversicherung und die Tarifbestimmungen zur Verfügung zu stellen.
Kundenunfreundlich ist auch die Praxis von vielen Versicherern, durch Voreinstellungen auf der Webseite dem Kunden weitere Produkte wie einen Schutzbrief oder eine Insassenunfallversicherung unterjubeln zu wollen, die er vielleicht gar nicht braucht.
Genau hinsehen ist im Internet deshalb ebenso wichtig wie beim Kleingedruckten auf Papier.
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