19.06.2012

Autoversicherung: Mit dem Wagen ins Ausland

Nach Unfällen in Europa zahlt die Kfz-Haftpflicht. Bei Schäden am eigenen Auto kann der Versicherungsschutz Lücken haben.

Autoversicherung Special
Tolle Aussicht an der Adria-Küste in Kroatien. Wer vor der Abfahrt seine Policen überprüft hat, kann unbeschwerter genießen.

Von Hamburg nach Warschau sind es rund 900 Kilometer, von Berlin nach Danzig etwa 500 Kilometer. Urlauber, die sich zum Beispiel anlässlich der Fußball-EM mit dem Auto auf den Weg machen, sollten nicht nur Tickets und Fanschal im Gepäck haben, sondern auch die Verkehrsregeln im Nachbarland kennen: Sie müssen tagsüber mit Abblendlicht fahren. Telefonieren während der Fahrt ist nur mit Freisprechanlage erlaubt. Und wenn sie mit mehr als 0,2 Promille Alkohol im Blut am Steuer erwischt werden, verlieren sie ihren Führerschein.

Doch selbst wenn sich Autofahrer auf der Reise durch Polen, Österreich, Italien oder andere Länder an die Regeln halten: Irgendwann passiert womöglich doch ein Unfall. Wie weit reicht dann der Versicherungsschutz aus Deutschland?

Haftpflichtschutz in ganz Europa

Ob Dänemark oder französische Atlantikküste – Autofahrer, die im eigenen Wagen Urlaub in einem EU-Land machen, können sich auf der gesamten Fahrt auf den Schutz ihrer Kfz-Haftpflichtversicherung verlassen. Verursachen sie auf ihrer Reise einen Unfall, kommt der Versicherer bis zur vereinbarten Deckungssumme für den Schaden anderer Verkehrsteilnehmer auf.

Der Haftpflichtschutz gilt „in den geografischen Grenzen Europas sowie den außereuropäischen Gebieten, die zur Europäischen Union gehören“, zum Beispiel für die Kanaren und Madeira. Auch Fahrten in das zweite EM-Gastgeberland Ukraine sind somit abgesichert.

Tipp: In vielen Staaten auch außerhalb der EU reicht das amtliche Kennzeichen als Nachweis für den Versicherungsschutz. Trotzdem sollten Sie als zusätzlichen Nachweis auf Auslandsfahrten die Grüne Versicherungskarte mitführen. Sie kann zum Beispiel helfen, die Abwicklung eines Schadens zu erleichtern. Sie bekommen die grüne Karte kostenlos bei Ihrem Autoversicherer. Mehr Informationen finden Sie im Internet unter www.gruene-karte.de.

Unfall ohne eigenes Verschulden

Werden Autofahrer aus Deutschland in einem Land der EU, in Norwegen, Island, Liechtenstein oder in der Schweiz ohne eigenes Verschulden in einen Unfall verwickelt, können sie sich auch aus dem Ausland an den Zentralruf der Autoversicherer wenden (00 49 40/3 00 33 03 00). Dort melden sie das Kennzeichen des Unfallgegners, sodass die Mitarbeiter die gegnerische Versicherung ermitteln können.

Noch schneller klappt die Regulierung eines Unfallschadens, wenn der Geschädigte bereits die gegnerische Versicherung kennt. Dann erfährt er über den Zentralruf, wer als Schadenregulierungsbeauftragter für seinen Fall zuständig ist: Unfallopfer müssen sich nicht an den Versicherer im Ausland wenden, sondern die Gesellschaften haben dafür in jedem EU-Land einen Regulierungsbeauftragten benannt.

Der Beauftragte hat drei Monate Zeit, den Fall zu bearbeiten. Dauert es länger oder reagiert er nicht angemessen, können sich Unfallopfer an die deutsche Entschädigungsstelle, die Verkehrsopferhilfe in Berlin, wenden (www.verkehrsopferhilfe.de).

Tipp: Passiert etwas in einem Land außerhalb der EU wie der Ukraine oder Kroatien, kommen Sie über den Zentralruf der Autoversicherer nicht weiter. „In dem Fall tut der Fahrer gut daran, sich schon vor Ort über den zuständigen Versicherer des Unfallgegners zu informieren“, rät Christian Lübke vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Die eigenen Ansprüche müsse der Geschädigte dann selbst im Land durchsetzen – gegebenenfalls mithilfe eines Rechtsanwalts, der die Landessprache beherrscht.

Bisherigen Schutz aufstocken

Doch selbst wenn die Versicherung ermittelt werden kann und nach einem Unfall im Ausland auch einspringt, bleiben Geschädigte unter Umständen auf einem Teil des Schadens sitzen. Denn die Deckungssummen eines Autoversicherers etwa in Italien oder Kroatien können deutlich niedriger sein als in Deutschland. Bestimmte Ausgaben wie für einen Mietwagen oder Ersatz für die Wertminderung werden eventuell nicht übernommen.

Dagegen können sich Autofahrer mithilfe einer Auslandsschadenschutz-Police wappnen. Mit ihr können sie ihre Ansprüche direkt beim eigenen Versicherer geltend machen. Sie werden so gestellt, als ob auch der Unfallgegner nach dem hohen deutschen Standard versichert wäre.

Tipp: Der Auslandsschadenschutz ist in wenigen, meist teuren Kfz-Haftpflichttarifen im Grundpreis enthalten. Wenn nicht, können Sie ihn je nach Anbieter oft zusätzlich abschließen. Achten Sie darauf, dass er für die geplante Reise tatsächlich gilt. Denn manche Tarife schließen einige europäische Länder aus.

Kaskoschutz eventuell mit Lücken

Haben die Unfallopfer eine Vollkaskoversicherung, können sie Schäden am eigenen Fahrzeug auch über diesen Vertrag vom eigenen Versicherer begleichen lassen. Meist müssen sie danach aber mehr Beiträge zahlen. Außerdem kann es sein, dass die Kaskoversicherer für Schäden in bestimmten Regionen wie etwa Osteuropa nicht aufkommen. Die meisten Autoversicherer bieten Kaskoschutz zwar im gesamten europäischen Ausland – so wie bei der Haftpflichtversicherung. Doch einige Gesellschaften schließen einzelne Länder aus.

Tipp: Schauen Sie in den Vertragsunterlagen nach oder fragen Sie zur Sicherheit direkt bei Ihrem Versicherer, ob der Kasko- und damit auch der Diebstahlschutz für Ihr Fahrzeug während Ihrer Reise gilt. Eine große Übersicht zu den Kfz-Tarifen finden Sie in Finanztest 11/2011 unter www.test.de/autoversicherung.

Wertvoller Verkehrsrechtsschutz

Sinnvollen Schutz für die Autoreise bietet außerdem die Verkehrsrechtsschutzversicherung. Gerade wenn es darum geht, die eigenen Ansprüche nach einem Unfall im Ausland durchzusetzen, zahlt sich die Hilfe eines Anwalts häufig aus. Der Verkehrsrechtsschutz gilt nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland.

Tipp: Einschränkungen sind aber möglich, wenn Sie beruflich häufig oder für lange Zeit im Ausland unterwegs sind. Eine ausführliche Übersicht empfehlenswerter Verkehrsrechtsschutz-Tarife finden Sie unter „Verkehrsrechtsschutz - Mehr drin als man denkt“.

Pannenhilfe dank Schutzbrief

Zusätzliche Unterstützung nach einem Unfall oder einer Panne im Ausland bietet ein Schutzbrief, den neben den Automobilclubs auch die Autoversicherer ihren Kunden mit anbieten. Bis zu einem vertraglich festgelegten Betrag übernehmen sie zum Beispiel Kosten für den Abschleppdienst, die Reparatur und Übernachtung vor Ort.

Tipp: Die Leistungen aus einem Schutzbrief sind sinnvoll. Aber brauchen Sie noch einen zusätzlichen Vertrag? Gut möglich, dass Sie etwa durch die Mitgliedschaft im Automobilclub oder über Ihre Kreditkarte bereits Anspruch auf ähnliche Leistungen haben. Vergewissern Sie sich in jedem Fall, dass der Schutz auch für Ihr Reiseland gilt. Sonst sind Sie auf sich allein gestellt, wenn Sie auf dem Weg zum Ferienhaus oder der großen Fußballparty mit dem Wagen liegen bleiben.

Telefonnummer der Versicherung und Grüne Karte gehören ins Gepäck.

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