04.02.2003

Autoversicherung: Fahren mit Rabatt

Autoversicherung Test
Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an. Wer sein Auto im ersten Halbjahr anmeldet, spart Beitrag.

Mit hohem Schadenfreiheitsrabatt sparen ­Autofahrer viel Geld. Finanztest erläutert, wann der Rabatt auf einen anderen über­tragen werden kann und warum es oft günstiger ist, den Vertrag zurückzudatieren.

Frisch verliebt, gleich in eine gemeinsame Wohnung gezogen – alles wollen sie künftig miteinander teilen. Die Kosten fürs Autofahren zum Beispiel. Jetzt ist nur noch ein gemeinsames Fahrzeug notwendig, ein zweites Auto ist überflüssig. Die Frau fährt länger unfallfrei als ihr Partner. Doch der braucht das Auto unbedingt für die tägliche Fahrt zur Arbeit, während sie auch mit dem Bus fahren kann. Deshalb verkauft sie ihr Auto und überträgt ihren Schadenfreiheitsrabatt auf ihren Partner. Das senkt seinen Beitrag.

Bei Haftpflicht und Vollkasko bestimmt der Schadenfreiheitsrabatt ganz entscheidend, wie viel der Autofahrer für seinen Versicherungsschutz zahlen muss. Fährt er schon 25 oder mehr Jahre unfallfrei, zahlt er in der Regel nur noch 30 Prozent des Grundbeitrags. Selbst wer erst drei Jahre lang keinen Unfall hatte, drückt seinen Beitrag je nach Versicherer auf rund 70 Prozent.

Wer seinen Rabatt auf einen anderen überträgt, kann dessen Beitrag also massiv drücken. Eine Übertragung ist allerdings nur in der Höhe erlaubt, die der andere sich auch selbst hätte „erfahren“ können. So kann ein Vater, der 20 Jahre lang unfallfrei gefahren ist, seinen vollen Rabatt nicht auf seinen Sohn übertragen, der erst seit drei Jahren seinen Führerschein besitzt.

Rabatt von der Schwester

Hat in dieser Familie aber die Tochter einen Schadenfreiheitsrabatt von 70 Prozent, lohnt es sich für den Bruder, diesen Rabatt für sein neues Auto zu übernehmen – wenn sie selbst den Rabatt abtritt und nicht mehr nutzt.

Oft ermöglichen die Versicherer die Übertragung, wenn beide Personen in häuslicher Gemeinschaft leben. Andere verlangen eine Verwandtschaft ersten Grades zwischen dem bisherigen und künftigen Rabattberechtigten. Dann profitieren nur Eltern und Kinder. Grundsätzlich sollte man beim Versicherer nachfragen.

Von den 68 Versicherern, die die ­Fragen von Finanztest beantwortet haben, sind 6 besonders kundenfreundlich. Sie erlauben es, den Rabatt auf jede beliebige Person zu übertragen.

Doch wie bei allen anderen Anbietern gelten auch hier Bedingungen für eine Übertragung: Das Auto des Rabattanwärters muss derselben oder einer niedrigeren Fahrzeugklasse angehören als das des bisherigen Inhabers des Schadenfreiheitsrabatts. Wer einen Kleinwagen fährt, kann den Rabatt beispielsweise nicht auf den Fahrer eines Kraftomnibusses übertragen.

Auch muss der Rabattanwärter das Auto des Rabattinhabers bisher regelmäßig gefahren haben. Eine bloß ge­legentliche Nutzung reicht nicht aus. Wohnt die Schwester in Hamburg und der Bruder in München, ist eine Übertragung also nicht möglich.

Dem Bruder bleibt dann nur, selbst möglichst schnell dafür zu sorgen, dass er in eine günstige Schadenfreiheitsklasse kommt. Dabei hilft der richtige Anmeldezeitpunkt.

Versicherungsvertrag vordatieren

Wenn er sein Auto im ersten Halbjahr angemeldet hat und zu Beginn einen Beitragssatz von 230 Prozent zahlen muss, kommt er schon im Januar des folgenden Jahres auf einen Beitragssatz von 140 Prozent. Hat er sein Auto aber erst im zweiten Halbjahr angemeldet, bleibt er auch im gesamten Folgejahr bei 230 Prozent. Denn die Voraussetzung für eine Besserstellung am 1. Januar des Folgejahres ist, dass er mindestens sechs Monate schadenfrei gefahren ist.

Ist sein Auto erst in der zweiten Jahreshälfte zugelassen worden, kann er diese sechs Monate nicht erreichen. Doch selbst wenn er erst seit August mit dem eigenen Auto fährt, kann er versuchen, den Beginn seiner Versicherung auf den 1. Juni zurückdatieren zu lassen. Das erlauben die meisten Versicherer. So zahlt er dann zwar Beiträge für die Monate Juni und Juli, in denen er noch gar nicht gefahren ist. Doch er kommt schon zum 1. Januar des Folgejahres in die nächste Schadenfreiheitsklasse.

Wird der Vertrag nicht rückdatiert, bleibt er dagegen noch ein ganzes Jahr in der ursprünglichen Schadenfreiheitsklasse. Unterm Strich kann er also mehrere Hundert Euro sparen, wenn er den Vertrag rückdatieren lässt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Tabelle: Auf wen kann der Schadenfreiheitsrabatt übertragen werden?

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